Die Kriege in der Ukraine, im Gazastreifen und anderswo in der Welt treiben viele Menschen um. Aus Anlass des Antikriegstags haben das Friedensbündnis Esslingen und der DGB bei einer Gedenk- und Mahnveranstaltung Zeichen gegen den Krieg gesetzt.
Eine Inschrift an der Nikolauskapelle auf der Inneren Brücke erinnert an die Opfer der NS-Herrschaft 1933 bis 1945. Doch die Erinnerung reicht viel weiter – für viele ist dieser symbolträchtige Ort ein Mahnmal für die Opfer von Kriegen und Unmenschlichkeit überall auf der Welt. Aus Anlass des Antikriegstags haben das Friedensbündnis Esslingen und der DGB-Kreisverband Esslingen-Göppingen dort zu einer Gedenk- und Mahnveranstaltung unter dem Motto „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Nie wieder, für alle!“ eingeladen. 85 Jahre nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen, mit dem der Zweite Weltkrieg begann, setzten engagierte Bürgerinnen und Bürger ein Zeichen für ein friedliches Miteinander überall in der Welt.
Appell für Friedenstüchtigkeit
Sigrid Altherr-König aus dem Organisationsteam der Gedenkveranstaltung erinnerte an die Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald, die 1945 bekundet hatten: „Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ideal.“ Diesem Bekenntnis fühlen sich die Initiatoren der Gedenkveranstaltung bis heute verpflichtet. Der Forderung nach einer „kriegstüchtigen Bundeswehr“ erteilte Altherr-König eine Absage: „Deutschland und Europa brauchen nicht Kriegstüchtigkeit, sondern Friedenstüchtigkeit, das ist die Lehre aus der europäischen Geschichte.“ Sicherheit bedeute für sie ein auskömmliches Bürgergeld, eine ausreichende Rente, eine verlässliche Gesundheitsversorgung und Pflege, gute Bildung und Klimaschutz. Und mit Blick auf die Rüstungsausgaben betonte Sigrid Altherr-König: „Es ist endlich Zeit, vielfältiger nein zu sagen und auszusteigen aus der unkalkulierbaren Rüstungsdynamik.“ Friedensverhandlungen mit Russland und der Ukraine müssten sein. Und mit Blick auf den Gaza-Krieg monierte die Rednerin, dass sich Israel jeder vernünftigen politischen Lösung für Palästina verweigere. Alle Menschen in dieser Region sollten „in Frieden, Freiheit und Sicherheit leben ohne Angst vor Terror oder militärischer Gewalt“.
Pablo Flock von der Informationsstelle Militarisierung erklärte, der Antikriegstag sei ein Tag, an dem nicht nur „die Kriegstreibenden und Diktatoren ferner Länder“ kritisiert werden sollten. Er erinnerte an das Bekenntnis, dass nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen solle. Flock sieht die Forderungen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, wonach alle ohne Unterschiede „frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ sind, noch lange nicht überall erfüllt. Strukturelle Gewalt wie Unterdrückung oder Ausbeutung rufe Gegengewalt hervor. Anstelle eines Wettrüstens brauche es „diplomatische Bemühungen, die das Töten beenden, der Ukraine und Russland Sicherheitsgarantien geben und die Rechte aller Bevölkerungsteile im Blick haben“. Und mit Blick auf den Gaza-Krieg forderte Flock, Israel müsse von der internationalen Gemeinschaft gezwungen werden, die Menschenrechte zu respektieren, das Völkerrecht zu achten und einen palästinensischen Staat zuzulassen“. Was in dieser Region geschehe, dürfe nicht durch deutsche Waffenlieferungen unterstützt werden. Und angesichts vieler Konfliktherde befand Flock: „Wir haben weder die Zeit noch die Ressourcen für die unsinnigen Kriege.“
Mit ganzer Kraft für den Frieden
Dass sich viele Menschen rund um den Globus für Frieden und Freiheit einsetzen und dafür oft schwere Repressionen hinnehmen, zeigte Hanna Maier-Gschwend mit einer kleinen Ausstellung – für Sigrid Altherr-König ein ermutigendes Zeichen: „Friedensbewegte gibt es überall, wir müssen nur unsere ganze Kraft in die Waagschale für den Frieden werfen – zuerst hier in Esslingen.“