Anti-Terror-Übung in Stuttgart Gleise im Hauptbahnhof stundenlang gesperrt

Von Wolf-Dieter Obst 

Der Stuttgarter Hauptbahnhof wird kommende Woche zum Schauplatz einer Anti-Terror-Übung der Polizei. Einige Gleise sind deshalb mehrere Stunden gesperrt.

Anti-Terror-Übungen in Hauptbahnhöfen hat es in den vergangenen Monaten bereits gegeben – wie hier in Frankfurt.Foto: dpa

Stuttgart - Schüsse fallen. Ein Sprengsatz detoniert. Schreie. Polizisten mit Helm, Schutzwesten und Maschinenpistolen stürmen den Hauptbahnhof. Diese Szenen werden sich tatsächlich abspielen – und das am 11. September, dem Tag der islamistischen Terroranschläge in den USA vor 17 Jahren. Einsatzkräfte von Bundespolizei, Polizeipräsidium Stuttgart, Feuerwehr und Bahn üben in Stuttgart den Ernstfall.

800 Beteiligte werden im Einsatz sein, um einen Terrorangriff zu simulieren – und das mitten im Hauptbahnhof, der dafür in Teilen abgesperrt sein wird. Die Anti-Terror-Übung soll um 20 Uhr starten und bis zum nächsten Morgen gegen 5 Uhr dauern.

Gleise 1 bis 6 gesperrt

Dabei wird der Bahnverkehr nicht eingestellt. Laut Bundespolizei sollen die Gleise 1 bis 6, die Hälfte der Haupthalle, die Taxi- und Kurzzeitstandplätze, in dieser Zeit gesperrt werden. Um den Reisenden den Anblick von geschminkten Statisten in der Rolle von Verletzten und Toten zu ersparen, sind die betroffenen Areale mit Sichtschutzzäunen abgesperrt. Über Anzeigetafeln werden Fahrgäste informiert, an welchen Gleisen ihr Zug abfahren beziehungsweise ankommen wird.

Doch wie erfährt ein Reisender aus dem Fernverkehr, warum es plötzlich in Stuttgart knallt und kracht, wenn er ankommt? „In den Zügen“, so Polizeisprecher Große, „wird es Anzeigen und Durchsagen geben.“

Warum ausgerechnet am 11. September, dem Jahrestag des Anschlags auf das World Trade Center in New York? „Wir haben uns diesen Termin nicht absichtlich ausgesucht, man musste eben einen für verschiedene Dienststellen passenden Tag finden“, sagt Jonas Große, Sprecher der Bundespolizeidirektion Stuttgart. Man habe sich aber auch nicht bewusst dagegen entschieden. „Nach wie vor ist Terrorismus ein Thema, und die abstrakte Gefährdung ist noch immer vorhanden“, sagt Große. Man werde mit der Symbolik um den 11. September verantwortungsbewusst umgehen.

Ziel: Bedrohung schnell beenden

Ob der Amoklauf in Winnenden oder die Terroranschläge in Paris: „Die Polizei muss in solchen Situationen ganz anders vorgehen“, sagt der Bundespolizeisprecher. Ein Polizeieinsatz bei einem Terroranschlag heißt: „In einer unübersichtlichen Lage die Täter schnell lokalisieren, Freund von Feind unterscheiden, viele Kräfte an Ort und Stelle bringen – und dann die Bedrohung möglichst schnell beenden.“ Und das in einer unvorstellbaren Stresssituation.

Dabei hat es die Polizei im Ernstfall mit einem entschlossenen Gegenüber zu tun: „In der Vergangenheit waren das immer wieder hochgerüstete Terroristen mit Häuserkampf-Erfahrung, ausgestattet mit Schnellfeuerwaffen und Schutzwesten“, sagt Große.

Der Stuttgarter Hauptbahnhof ist nicht der erste Schauplatz eines solchen Spektakels, das reichlich Ängste schüren dürfte. Im vergangenen Jahr gab es in Berlin am Bahnhof Lichtenberg eine Anti-Terror-Übung, es folgten Leipzig, Frankfurt, Lübeck, Hannover und München.