Die Ditib-Zentralmoschee in Köln: das Verhalten des aus Ankara gesteuerten Religionsdachverbandes zieht immer stärker Kritik auf sich. Foto: dpa

Niemand muss demonstrieren. Dass der vom türkischen Staat gesteuerte Religionsdachverband Ditib nicht an einer Kölner Großkundgebung gegen den Terror teilnehmen will, spricht jedoch Bände, kommentiert Christopher Ziedler.

Berlin - Einen langen Weg haben die türkische Regierung und ihr muslimischer Dachverband in Deutschland seit dem 21. November 2004 zurückgelegt: Wie selbstverständlich gehörte die Türkisch-Islamische Union (Ditib) damals zu den Mitveranstaltern einer Kundgebung in Köln gegen den Terror. Gegen die Pervertierung ihres Glaubens gehen an diesem Samstag wieder viele Muslime in Köln auf die Straße. Ditib, der Ableger der Regierung von Recep Tayyip Erdogan ist aber nicht mit von der Partie. Einen Demonstrationszwang gibt es selbstverständlich nicht, doch tut es dem gesellschaftlichen Miteinander gut, wenn sich möglichst viele einer gewalttätigen Interpretation ihrer Religion entgegenstellen.

Politisierung und Radikalisierung

Die Absage ist deshalb nicht nur, wie Kanzlerin Angela Merkel ausrichten ließ, „einfach schade“. Sie ist vielmehr ein weiteres Indiz für eine Politisierung und mögliche Radikalisierung der Ditib. Der Generalbundesanwalt geht bereits dem Vorwurf nach, in Ditib-Moscheen seien Gegner Erdogans bespitzelt worden. Wenn sich Ditib nicht unabhängiger von Ankaras ideologischen Vorgaben macht, steht infrage, ob der Dachverband ein Kooperationspartner bleiben kann, mit dem beispielsweise Integrationsprogramme durchgeführt werden. Erdogans Imame stellen sich immer häufiger ins Abseits.

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