Das Schwarze Brett der Universität Stuttgart hängt voll mit Wohnungsgesuchen der Studenten Foto: Leif Piechowski

Trotz leicht zurückgehender Bewerberzahlen an den Stuttgarter Hochschulen hat sich die Wohnsituation für Studenten zum neuen Wintersemester hin deutlich verschlechtert. Die Stadt will die Studentenwerke einbeziehen, um die Wohnsituation zu entspannen.

Stuttgart - Wer kurz vor Beginn des Wintersemesters noch keine Bleibe in Stuttgart gefunden hat, darf nicht wählerisch sein. Deshalb gibt die 21-jährige Lilian bei ihrer Internet-Wohnungssuche an, dass ihr sowohl Stadtteil, Größe der WG, Geschlecht der zukünftigen Mitbewohner als auch der Haustyp egal sind. Hauptsache ein Dach über dem Kopf. Auch wenn die Bewerberzahlen an den Stuttgarter Hochschulen leicht zurückgehen, bleibt die Situation auf dem Wohnungsmarkt angespannt.

Laut einer Rangliste, die von dem Berliner Immobilienentwickler GBI AG veröffentlicht wurde, hat sich die Wohnsituation für Studenten in Stuttgart im Vergleich zum Vorjahr sogar noch verschärft. Stuttgart belegt nun den fünften Rang der Hochschulstädte mit den angespanntesten Wohnsituationen. Im vergangenen Jahr war es noch Platz sieben. Das Statistische Amt in Stuttgart hält diese Einschätzung für realistisch. Laut der Studie driften Angebot und Nachfrage bezüglich kleiner Apartments hier so spürbar auseinander, dass auch in Zukunft ein deutlicher Mangel herrschen wird.

Dabei hatte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) vor seinem Amtsantritt angekündigt, „vor allem beim Wohnraum öffentlich Druck auf die Studentenwerke zu machen, aber auch private Vermieter zu ermuntern“. Die Wohnungspolitik in Stuttgart wollte er zur Chefsache machen. Angesprochen auf die nach wie vor angespannte Wohnsituation für Studenten, heißt es vonseiten der Stadt: „Wir beziehen das Studierendenwerk in die weiteren Überlegungen ein, wenn es darum geht, den Wohnungsmarkt insgesamt zu entspannen.“ Die Studenten seien eine sogenannte Bedarfsgruppe, natürlich eine wichtige. Von konkreten Plänen, wie die Stadt den Wohnungsmarkt entspannen will, ist jedoch keine Rede.

Der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht das nicht weit genug, sie verlangt ein Sofortprogramm für Studenten. „Zu einer guten Ausbildung gehört auch die Chance, ein bezahlbares Zimmer zu finden“, sagt Doro Moritz, Landesvorsitzende der GEW.

Nach ihrer Einschätzung scheitert die Zimmersuche nicht an gestiegenen Ansprüchen von Studenten. Etwa ein Drittel ihres Budgets müssten diese laut Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes für die Miete ausgeben.

„Pro Jahr erhalten wir mehr als 5000 Bewerbungen für unsere 32 Wohnanlagen“, sagt Melanie Westphal vom Studierendenwerk Stuttgart. Von den insgesamt 6700 Wohnplätzen sind momentan jedoch nur 288 Plätze zu vergeben. Anfang September lagen bereits 2498 Bewerbungen vor. „Erfahrungsgemäß folgt im Herbst noch eine zweite Bewerberwelle, wenn die Universität offene Studienplätze an Nachrücker verteilt“, sagt Westphal. Insgesamt werden von den Wohnheimplätzen 1300 für Studenten aus dem Ausland reserviert, da sie es besonders schwer haben, an günstigen Wohnraum in der Nähe der Uni heranzukommen.

„Der Ansturm der Studenten ist ähnlich hoch wie im letzten Jahr“, sagt auch Nicole Lang vom Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim. Und besonders Hohenheim sei ein heißes Pflaster für Wohnungssuchende. „Wir versuchen erst einmal Erstsemester und Studenten zu berücksichtigen, die von weiter weg kommen oder auf behindertengerechte Zimmer angewiesen sind“, erklärt Nicole Lang. Von den 1050 Wohnheimplätzen in Hohenheim konnte sie nur 446 Zimmer neu anbieten. Darauf bewarben sich im September bereits 1242 Studenten. Die Zahl nimmt jeden Tag zu.

Dabei sind die Bewerberzahlen an den Stuttgarter Hochschulen leicht gesunken. Bei der Uni Stuttgart gingen bis zum Bewerbungsschluss 17 861 schriftliche Bewerbungen ein. Im Vergleich zum Rekordjahr 2013 mit 18 900 Bewerbungen ist das zwar ein leichter Rückgang, doch der Wert liegt immer noch über dem Jahr 2012, in dem der doppelte Abiturjahrgang an die Unis strömte. An der Uni Hohenheim hatten sich bis Ende September 12 572 Studenten beworben, für einige Fächer waren die Fristen noch nicht abgelaufen. Im vergangenen Jahr hatten sich insgesamt rund 14 000 Bewerber für ein Studium an der Uni Hohenheim interessiert. Die Hochschule für Technik konnte in diesem Wintersemester 800 Plätze anbieten. Darauf bewarben sich 6951 Studenten. An der Hochschule der Medien hatten sich 6351 (Vorjahr: 7246) junge Menschen beworben, 680 bekamen eine Zulassung.

Um den übrigen Studenten noch ein Dach über dem Kopf zu vermitteln, gehen die Studierendenwerke Kooperationen ein. Wie schon 2013 arbeitet das Studierendenwerk Stuttgart beispielsweise mit dem Haus- und Grundbesitzerverein zusammen. „Im Jahr 2013 konnten über die private Zimmervermittlung 156 Zimmer und 175 Wohnungen an Studenten vermittelt werden“, sagt Westphal. Haus und Grund habe seine Mitglieder dazu motiviert, Mansardenzimmer oder Einliegerwohnungen an Studenten zu vermieten. Auch das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim empfiehlt die Privatzimmervermittlung über den Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (Asta). Außerdem richtet es Notunterkünfte ein. Im vergangenen Jahr musste aber nur ein Student davon Gebrauch machen.

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