Blick auf die Königstraße: Das Geschäft boomt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Manche Einzelhändler sprechen jetzt schon von Spitzenumsätzen im Weihnachtsgeschäft. Und Breuninger rechnet an dieser langen Einkaufsnacht mit dem besten Ergebnis an einem Samstag überhaupt.

Stuttgart - Bei den Großen im Handel herrscht jetzt schon Festtagsstimmung. „Wir erwarten das beste Weihnachtsgeschäft aller Zeiten“, sagten einige Herrschaften von großen Einkaufshäusern dieser Tage bei einem gemeinsamen Arbeitstreffen in der Innenstadt.

Die Kassen in der City klingeln. Vor allem bei Kaufhof. Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes, bestätigt den Eindruck. Allerdings vermeidet sie Superlative: „Es ist ein gutes Geschäft, insbesondere bei den Filialisten und großen Händlern. Ob es aber das Beste aller Zeiten ist, kann man jetzt noch nicht sagen.“ Dass aber gerade Kaufhof Spitzenumsätze mache, kann sie sich gut vorstellen: „Kaufhof macht sehr viel Werbung und gibt viele Rabatte. Das zieht die Kunden an.“ Vor allem im Bereich Schmuck. Dort sei der Kaufhausriese inzwischen beinahe zum Marktführer gewachsen.

Schmuck gehört zu den Bestsellern

Schmuck ist das Stichwort. Auch in diesem Weihnachtsgeschäft gehört das Geschmeide zu den Bestsellern. Ebenso wie Bücher, Parfüm, Multimediaprodukte oder Elektronikartikel und Spielwaren. „Spielwaren Kurtz macht derzeit sicher gute Geschäfte“, sagt Citymanagerin Bettina Fuchs, „es sind bestimmte Branchen, die jetzt besonders profitieren.“ Der Textilhandel gehöre nicht uneingeschränkt dazu, wie Fachfrau Fuchs weiß. Auch die Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ schreibt: „Die hoch gelobte Konsumstimmung kommt im Textileinzelhandel nur sehr verhalten an.“ Der Inhaber der Edel-Boutique Abseits auf dem Kleinen Schlossplatz bekräftigt diese Aussage: „Noch haben wir das Niveau von 2015 nicht erreicht“, sagt Winni Klenk. Wie viele andere hofft er nun auf die letzten vier Tage vor Heiligabend und das Geschäft nach den Feiertagen: „Erst danach können wir eine echte Weihnachtsbilanz machen.“

Selbst der Heilige Abend, der in diesem Jahr auf einen Samstag fällt, dürfte den Händlern eine schöne Bescherung bringen. „Da geht noch mal richtig was“, ahnt Bettina Fuchs, „das wird ein richtiger Endspurt und ich schätze, die Kalenderwoche 51 wird aus Händlersicht eine Hammerwoche.“ Beste Voraussetzungen also, dass sich die gewagte Prognose vom besten Weihnachtsgeschäft aller Zeiten bewahrheiten könnte.

Keine Katastrophenmeldungen aus der Politik

Über die Gründe der guten Konsumlaune hat sich auch Philipp Schleicher, Junior-Chef des Juweliers Schumacher am Marktplatz Gedanken gemacht. Auch dort spürt man die gute Stimmung bei den Konsumenten. „Unser Geschäft läuft jetzt schon besser als 2015“, sagt er, „denn damals war die Konsumlaune durch die Anschläge in Paris und die Flüchtlingskrise eingetrübt. Inzwischen blicken die Menschen wieder optimistischer in die Zukunft.“

Sabine Hagmann kann da nicht widersprechen: „Dieses Jahr geht es uns auch wirtschaftlich gut. Es gibt kaum Arbeitslose, viele Firmen haben Weihnachtsgeld bezahlt und in manchen Branchen gab es ordentliche Tariferhöhungen.“ Genauso wichtig sei aber, „dass es von der Politik keine Katastrophenmeldungen gibt“. Hagmann denkt etwa an Ankündigungen wie „steigende Energiekosten oder Steuererhöhungen“. Außerdem vermutet die Juristin, dass sich die Menschen an Kriege und Terrormeldungen bis zu einem gewissen Maße gewöhnt hätten.

Vor Weihnachten machen Händler fast die Hälfte ihres Jahresumsatzes

Die positiven Folgen dieser vermeintlichen Verdrängung sind für den Handel in diesen Tagen von großer Bedeutung. „Manche Branchen, wie zum Beispiel Spielwarenhändler oder Juweliere, machen in der Weihnachtszeit zwischen 20 und 50 Prozent ihres Jahresumsatzes“, sagen Bettina Fuchs und Sabine Hagmann unisono. Aus diesem Grund will auch das Kaufhaus Breuninger die Gunst der Stunde optimal nutzen. Ohnedies berichtet Geschäftsführer Joachim Aisenbreyschon jetzt von guten Geschäften: „Vor allem die Freitage und Samstage sind vehement besser als in den Vorjahren. Aber an diesem Samstag können wir vielleicht den Rekord knacken.“ Joachim Aisenbrey rechnet an dieser langen Einkaufsnacht mit dem besten Geschäftsergebnis, das ein Samstag in der Geschichte von Breuninger jemals gebracht hat. „Aus diesem Grund habe ich die dritte lange Nacht stets eingefordert“, sagt der Kaufmann und verspricht trotz des Ansturms guten Service: „Bei uns wird alles auf den Beinen sein, das bei uns unter Vertrag steht.“

In dieses Horn stößt auch Citymanagerin Bettina Fuchs von der City Initiative Stuttgart (CIS): „Diese lange Nacht, in der man bis 24 Uhr einkaufen kann, steht unter der Überschrift Serviceeinkaufsnacht. Und sie soll den letzen Ansturm auf die Geschäfte vor Weihnachten gewissermaßen einläuten.“ Womöglich ist es sogar der Ansturm zum besten Weihnachtsgeschäft aller Zeiten in der City.

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