Vor einem Jahr geriet die Lage am Aileswasensee außer Kontrolle. Weil viele Freibäder geschlossen hatten, strömten Tausende an den Baggersee bei Neckartailfingen. Diesmal ist die Gemeinde besser gerüstet.
Neckartailfingen - Die Besucherzahl ist strikt begrenzt, für die Einhaltung der Coronaregeln sorgt ein eigens engagierter Sicherheitsdienst: Die Gemeinde Neckartailfingen (Kreis Esslingen) hat aus dem letztjährigen Ansturm, der ein Verkehrschaos rund um das Naherholungsgebiet am Aileswasensee ausgelöst hatte, gelernt und Konsequenzen gezogen. Höchstens 1000 Menschen dürfen sich dieses Jahr gleichzeitig an dem beliebten Badesee aufhalten. Wer zu spät kommt, muss wieder gehen – und anderswo Abkühlung suchen.
Am Wochenende erlebte das Sicherheitskonzept die erste große Bewährungsprobe. Die Lockerung der Coronaregeln im Landkreis Esslingen und die sommerlichen Temperaturen lockten scharenweise Menschen an. Anders als im vergangenen Jahr, als der Aileswasensee zum Magnet für Badefreunde wurde, sind diesmal allerdings auch zahlreiche Schwimmbäder wieder geöffnet und bieten eine Alternative.
Jeder bekommt ein Armbändchen
Am Samstag war trotzdem bereits am frühen Nachmittag die Besuchergrenze erreicht. Das Sicherheitspersonal sperrte den Zugang zum See. „Kurz vor 14 Uhr waren es 1000 Badegäste, und wir haben die Tore dichtgemacht“, sagt Marcus Schützchen, der Einsatzleiter des Sicherheitsdienstes. Die Badegäste werden beim Eintritt gezählt, und jeder bekommt ein Armbändchen. Wer den Badebereich nur kurz verlässt, um beispielsweise zum Auto zu gehen, muss sich anschließend nicht wieder in die Warteschlange einreihen.
„Bisher gab es keine Probleme, alles verlief friedlich und umgänglich“, zog Schützchen eine vorläufige Bilanz. Die Besucher nahmen die strengen Regeln größtenteils gelassen. „Meine beiden Kinder sind viel ungeduldiger als ich und quengeln, weil sie endlich im See planschen wollen“, sagt Franziska Ott, die mit ihrer Familie eine Viertelstunde auf den Einlass zum Uferbereich warten musste.
Bis zu 15 Rettungsschwimmer im Einsatz
Während der Sicherheitsdienst für die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln sowie die Zutrittsbeschränkung zuständig ist, überwachen seit Mitte Mai Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) das Treiben im Wasser. „Wir sind mit durchschnittlich zehn bis 15 Rettern bis Mitte September jeweils am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 19 Uhr im Einsatz“, berichtet David Kaiser, der stellvertretende Einsatzleiter der DLRG im Bezirk Esslingen. „Wir beobachten vor allem die Hauptbadebereiche, wo es viele kleine Kinder hat“, beschreibt Kaiser die Arbeit der Rettungsschwimmer. In dieser Saison gab es bisher keine Badeunfälle am Aileswasensee. „Es gab eher kleinere Blessuren und einige Fahrradstürze auf dem Weg, der am See vorbeiführt.“ Grundsätzlich seien die Gefahren in dem Baggersee für Schwimmer nicht besonders hoch, sagt Kaiser. „Aber es ist ein Naturgewässer, der Boden ist schlecht zu sehen, und man erkennt Scherben nicht.“ Dies führe gelegentlich zu aufgeschnittenen Füßen.
Langsam an Wassertemperatur gewöhnen
Wer das kühlende Bad im See unfallfrei genießen will, sollte dies nicht kurz nach dem Essen tun, empfiehlt Kaiser. „Wenn es sonnig ist, lieber langsam ins Wasser gehen und zuerst Füße und Arme benetzen.“ Dies sei wichtig, damit sich der Körper langsam an den Temperaturumschwung gewöhnen könne. Von Sprüngen in unbekannte Gewässer rät der DLRG-Rettungsschwimmer ab. „Zum einen ist die Sicht eingeschränkt und birgt daher Gefahren, zum anderen kann ein rascher Abfall der Körpertemperatur zur Bewusstlosigkeit führen.“
Auch von den anderen Badeseen in der Region wurden am Wochenende trotz teils großen Andrangs von Abkühlung Suchenden keine Zwischenfälle gemeldet.