Anschluss Kreis Göppingen an VVS Nicht zum Nulltarif

Von Thomas Durchdenwald 

Der Kreis Göppingen muss nun entscheiden, ob er die Vollintegration in den VVS will. Foto: Lg/Kovalenko
Der Kreis Göppingen muss nun entscheiden, ob er die Vollintegration in den VVS will. Foto: Lg/Kovalenko

Für den Kreis Göppingen, der als einziger Kreis der Region nicht direkt an Stuttgart grenzt, bedeutet die mögliche Vollintegration auch, dass er politisch näher an die Region Stuttgart heranrückt: weg vom Katzentisch, hin zum Platz auf Augenhöhe, sagt Autor Thomas Durchdenwald.

Stuttgart - Noch ist es nur ein Angebot, über das die politische Gremien in den nächsten Monaten befinden müssen. Doch dass OB Fritz Kuhn, die Landräte aus Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg und Waiblingen sowie die Führungsspitze des Verbands Region Stuttgart mit dem Göppinger Landrat Edgar Wolff eine finanzielle Lösung für die Vollintegration des Kreises Göppingen in den VVS gefunden haben, ist für sich schon ein Meilenstein. So nah war man diesem Ziel in den vergangenen Jahren nie. Nun ist es am Kreis Göppingen, den entscheidenden Schritt zu tun.

Schon bisher konnten die über den Schienenverkehr aus der Region Stuttgart kommenden und in die Region fahrenden Fahrgäste zum VVS-Tarif fahren – und damit die Vorteile des Verbunds (wie beispielsweise das Kombiticket) nutzen. Der Schritt von der Teil- zur nun geplanten Vollintegration bedeutet für alle öffentlichen Verkehre, dass sie in das VVS-System vollständig eingebunden werden. Wer mit Bus und Bahnen innerhalb des Kreises Göppingen und über die Kreisgrenzen mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, löst dann nur noch einen VVS-Fahrschein. Das ist auf jeden Fall einfacher, in einigen wenigen, nicht in allen Fällen wird es vielleicht auch billiger – nämlich dort, wo bisher zwei Fahrscheine nötig waren.

Politisch näher an die Region

Doch das Preisargument sollte nicht im Vordergrund stehen, zumal der VVS ja in unschöner Regelmäßigkeit die Tarife erhöht. Der Vorteil liegt im einfacheren und attraktiveren System. Noch wichtiger für die Attraktivität des Nahverkehrs sind aber Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit – und da gibt es vor allem auf der Filstalstrecke der Bahn noch viel Nachholbedarf. Dass dort weiterhin Regionalzüge verkehren und keine S-Bahnen, wie in den vier anderen Kreisen und in Stuttgart, ist das größte Hindernis auf dem Weg zur Einigung. Schließlich profitiert der Kreis Göppingen nicht direkt von den über die regionale Verkehrsumlage finanzierten S-Bahnverbesserungen.

Für den Kreis Göppingen, der als einziger Kreis der Region nicht direkt an Stuttgart grenzt, bedeutet die mögliche Vollintegration auch, dass er politisch näher an die Region Stuttgart heranrückt: weg vom Katzentisch, hin zum Platz auf Augenhöhe. Das kann dem Kreis nur gut tun. Zum Nulltarif, auch das macht das Angebot deutlich, ist das aber nicht zu haben.

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