In Straßburg herrscht nach dem Angriff Ausnahmezustand. Foto: dpa

In Straßburg wurde einem Tag nach dem Angriff mit drei Toten die höchste Alarmstufe ausgerufen. Der Täter befindet sich weiter auf der Flucht. In der Stadt bleiben viele Einrichtungen geschlossen.

Straßburg - Am Tag nach den todbringenden Schüssen ist der Platz vor dem berühmten Straßburger Münster fast menschenleer. Die Holzhäuschen des Weihnachtsmarktes im historischen Zentrum der Elsass-Metropole sind geschlossen und sollen es auch den ganzen Tag über bleiben. „Heute ist ein Tag der Trauer“, sagt der Straßburger Oberbürgermeister Roland Ries am Mittwochmorgen dem Radiosender France Inter. Die französische Polizei fahndete weiterhin auf Hochtouren nach dem Mann, der am Abend zuvor in einer belebten Einkaufsstraße inmitten des Weihnachtsmarktes das Feuer auf Passanten eröffnet und dann die Flucht ergriffen hatte. Bei dem Angriff wurden jüngsten Angaben zufolge drei Menschen getötet und 13 weitere verletzt - acht von ihnen schwer.

Viele Einrichtungen bleiben geschlossen

Nach dem Anschlag wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen. Überall in der Straßburger Innenstadt patrouillierten bewaffnete Polizisten und Soldaten. Am zentralen Kleber-Platz mit seinem großen Weihnachtbaum blieb die eigens für den Weihnachtsmarkt angelegte Eisbahn geschlossen, auch die Straßburger Oper, die Theater und Konzertsäle annullierten alle Veranstaltungen. An den öffentlichen Gebäuden waren die Flaggen auf Halbmast. Aber am Donnerstag werde der Weihnachtsmarkt wieder geöffnet, kündigte Bürgermeister Ries an. Straßburg werde sich nicht einschüchtern lassen. Augenzeugen zufolge schoss der Täter am Dienstagabend gegen 20.00 Uhr wild um sich, Passanten flüchteten in Panik oder brachten sich in Bars in Sicherheit, wo sie bis spät in die Nacht ausharrten. Bereitschaftspolizisten und Soldaten riegelten den Weihnachtsmarkt ab.

Schusswechsel mit der Polizei

Bei der Flucht habe sich der Täter auch zwei Mal Schusswechsel mit der Polizei geliefert, sagte der aus Paris angereiste Innenminister Christophe Castaner in einer nächtlichen Pressekonferenz. Ein großangelegter Polizeieinsatz im Wohnviertel Neudorf nahe der Europabrücke, die Straßburg mit der deutschen Grenzstadt Kehl verbindet, blieb erfolglos. Nach und nach wurden erste Informationen über den Täter bekannt: Nach Angaben der Behörden ist er 29 Jahre alt, stammt aus Straßburg und wurde mehrfach wegen verschiedener Gewalttaten verurteilt - in Frankreich und auch in Deutschland.

Laut den Ermittlern sollte er eigentlich am Dienstagmorgen festgenommen werden - wegen versuchter Tötung. Die Polizei fand ihn aber nicht in seiner Wohnung vor. Von französischen Sicherheitsbehörden war der 29-Jährige als Gefährder eingestuft. Zum gegenwärtigen Hintergrund habe nichts darauf hingewiesen, dass er einen Anschlag plante, sagte der Staatsekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez. Die Ermittler gehen dem Verdacht auf „Mord und Mordversuch im Zusammenhang mit einer terroristischen Unternehmung“ und „Bildung einer kriminellen terroristischen Vereinigung“ nach.

Es ist nicht das erste Mal, dass der berühmte Straßburger Weihnachtsmarkt mit jährlich rund zwei Millionen Besuchern zur Zielscheibe wurde: Bereits im Dezember 2000 hatten Islamisten ihn ins Visier genommen. Sie wollten mit einem zum Sprengsatz umgebauten Schnellkochtopf ein Blutbad anrichten. Der von Deutschland aus vorbereitete Anschlag der sogenannten Frankfurter Zelle wurde aber knapp vereitelt. Vier Männer wurden später in Frankfurt am Main zu Haftstrafen von zehn bis zwölf Jahren verurteilt.

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