Der Angeklagte Dieab K. (Mitte) zwischen Rechtsanwalt Werner Haimayer (rechts) und Dolmetscher Musa Taraca im Gerichtssaal des Landgerichts Ravensburg Foto: dpa

Wegen Anschlagsplänen in Dänemark steht ein Flüchtling in Ravensburg vor Gericht. Er habe Materialen für Sprengkörper liefern, beim Anschlag selbst aber nicht mitmachen wollen, betont der 21-Jährige beim Prozessauftakt. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders.

Ravensburg - Ein syrischer Flüchtling hat vor dem Landgericht Ravensburg die Lieferung von Material für einen geplanten Terroranschlag in Dänemark eingeräumt. Er habe Zündhölzer, Batterien und Funkgeräte gekauft und nach Kopenhagen bringen wollen, sagte der 21-Jährige am Montag zum Prozessauftakt. Dort habe er die Waren an eine Kontaktperson übergeben sollen. „Meine Aufgabe wäre dann beendet gewesen und ich wäre zurückgefahren“, sagte der Mann. Die Aktion scheiterte jedoch, da der 21-Jährige bei der Reise nach Kopenhagen keine Papiere hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21-Jährigen vor, er habe den Anschlag nicht nur vorbereitet, sondern auch selbst durchführen wollen. Der Mann habe Sympathien zur Terrormiliz Islamischer Staat erkennen lassen und sich gegenüber seiner bislang noch unbekannten Kontaktperson bereiterklärt, einen Mord durch das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion zu begehen, hieß es in der Anklageschrift.

Angeklagter kam 2015 nach Deutschland

Im November 2016 hatte sich der Mann mit dem Zug auf den Weg nach Kopenhagen gemacht. Allerdings kam er nur bis zur deutsch-dänischen Grenze - die Behörden wiesen ihn dort wegen fehlender Papiere ab. In Puttgarden auf Fehmarn fiel der Polizei bei einer Kontrolle die ungewöhnliche Fracht des Mannes auf. Er wurde in den Zug Richtung Biberach gesetzt, wo er am 20. November festgenommen wurde. Tags drauf kam er in Haft.

Der 21-Jährige war 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen, nach Stationen in Karlsruhe und Meßstetten hatte er zuletzt in einer Unterkunft in Biberach gelebt. Dort habe er im Internet Videos und Nachrichten des Islamischen Staates angesehen, sagte er am Montag. Aus einem ersten Interesse sei schließlich der Wunsch gewachsen, der Terrormiliz zu „dienen“. Inzwischen distanziere er sich aber von deren Ideologien, sagte der Mann. „Wenn mir einer von ihnen Hallo sagen würde, würde ich nicht zurückgrüßen.“

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