Malcolm X 1963 auf einer Kundgebung in New York – zwei Jahre später wird er erschossen. Foto: dpa

Der Brief eines verstorbenen Polizisten legt nahe, dass die New Yorker Polizei und das FBI deutlich mehr mit der Ermordung des Bürgerrechtlers Malcolm X zu tun hatten als bislang angenommen.

New York - Die Ermordung von Malcolm X im Jahr 1965 ist bis heute nicht restlos aufgeklärt. Nun kommt wieder Bewegung in den Fall. Die Familie des Bürgerrechtlers hat umfassende neue Ermittlungen zu dem Attentat gefordert. Alle Belege zu dem Fall müssten „gründlich geprüft“ werden, erklärte Ilyasah Shabazz, eine seiner sechs Töchter, am vergangenen Samstag auf einer Pressekonferenz.

 

Die Familie verwies auf neues Beweismaterial, das auf eine Verwicklung der New Yorker Polizei und der Bundespolizei FBI in den Anschlag hindeutet. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft New York bestätigte auf Anfrage, dass eine neue Überprüfung des Mordfalls „im Gange“ sei. Das New Yorker FBI-Büro äußerte sich dagegen nicht zu den neuesten Enthüllungen.

Verstorbener Polizist belastet FBI und New Yorker Polizei schwer

Konkreter Anlass der Forderung ist der jüngst aufgetauchte Brief eines verstorbenen Polizisten, in dem dieser der New Yorker Polizei und dem FBI Komplizenschaft bei dem Mord anlastet. Der verstorbene Beamte Raymond Wood wollte, dass seine Aussagen zu dem Fall erst nach seinem Tod veröffentlicht werden. Wood – ein Afroamerikaner – gibt an, als Undercover-Agent die beiden Leibwächter von Malcolm X in eine Falle gelockt haben. Die zwei Bodyguards waren wenige Tage vor dem Mord festgenommen worden – mit fatalen Folgen für Malcolm X.

Der Bürgerrechtler und Aktivist wurde am 21. Februar 1965 während einer Rede im New Yorker Stadtteil Harlem erschossen. Bei seinem Auftritt im Audubon Ballroom in Washington Heights war er nur unzureichend geschützt, denn durch den Ausfall der beiden Leibwächter unterblieben die Sicherheitskontrollen am Eingang. Auch war – anders als bei Auftritten von Malcom X sonst üblich – nur ein Polizist direkt vor der Türe postiert.

Ermordet wird Malcolm X von Mitgliedern der Nation of Islam

Die Attentäter hatten also keine Probleme, ihre Waffen in das Gebäude zu schmuggeln. Bevor Malcolm X seine Rede beginnen konnte, inszenierten sie einen Streit im Publikum, um die Bodyguards des Bürgerrechtlers abzulenken. Als diese versuchten, den vermeintlichen Streit zu schlichten, zog einer der Attentäter eine abgesägte Schrotflinte und schoss Malcolm X in die Brust, zwei weitere Männer zogen ebenfalls Waffen und feuerten mehrere Schüsse auf ihn ab.

Wegen des Anschlags wurden drei Männer zu lebenslanger Haft verurteilt. Einer von ihnen, Thomas Hagan, gestand die Tat, bezeichnete die beiden anderen Verurteilten aber als unschuldig. Er war damals Mitglied der muslimischen Schwarzenbewegung Nation of Islam, zu deren Führungsmitgliedern Malcolm X gehört hatte. Hagan wurde im Jahr 2010 begnadigt. Einer der beiden anderen Verurteilten starb 2009 im Gefängnis. Der dritte Verurteilte kam 1985 auf Bewährung frei.

Seine Kritik an Elijah Muhammad wird ihm zum Verhängnis

Malcolm X galt jahrelang als erfolgreichster Prediger der Nation of Islam – bis er sich mit dem Führer der Bewegung, Elijah Muhammad, überwarf. Als er Muhammad öffentlich für dessen außereheliche Affären mit Mitarbeiterinnen kritisierte und die Frauen ermutigte, Unterhaltsklagen gegen Muhammad einzureichen, war sein Tod beschlossene Sache. Fast täglich bekam er Morddrohungen, kurz zuvor hatten Unbekannte einen Brandanschlag auf sein Haus verübt. Nun wird die Frage beantwortet werden müssen, wer außer der Nation of Islam und Elijah Muhammad ein Interesse an der Ermordung von Malcolm X hatte.