Über 350 Menschen starben bei den Anschlägen in Sri Lanka. Foto: AP

Während die Zahl der Opfer der Anschlagsserie vom Ostersonntag steigt, kommen mehr Informationen über die mutmaßlichen Attentäter ans Licht. Statt Mitgliedern der Extremistengruppe NTJ sollen es jetzt Abtrünnige von dieser gewesen sein.

Colombo - Der sri-lankische Präsident Maithripala Sirisena zieht nach den verheerenden Oster-Anschlägen personelle Konsequenzen: Er forderte am Mittwoch seinen Stabschef Hemasari Fernando, der zugleich Sekretär im Verteidigungsministerium ist, und den nationalen Polizeichef Pujith Jayasundara zum Rücktritt auf. Vorausgegangen waren dem Berichte über fehlerhafte und unterbliebene Kommunikation im Sicherheitsapparat vor den Anschlägen und offenbar voreilige Angaben zu den Drahtziehern der Selbstmordattentate auf Kirchen und Hotels.

Das hatte sogar die amerikanische Botschafterin in Colombo, Alaina Teplitz, am Mittwoch zu der harten Aussage veranlasst, es habe „eindeutig ein Versagen im System“ gegeben und der Zusammenbruch der internen Kommunikation sei „unbeschreiblich tragisch“. Ein US-Team von militärischen und FBI-Ermittlern traf in Colombo ein, um die sri-lankischen Behörden zu unterstützen.

Irrtum bei Attentätern

Die sri-lankische Regierung korrigierte am Mittwoch im Lichte neuer Ermittlungsergebnisse ihre Angaben über die mutmaßlichen Urheber der Anschläge. Die Attentäter hätten nicht wie zunächst gedacht der radikalislamischen Gruppe NTJ angehört, sondern seien Mitglieder von extremistischen Splittergruppen gewesen, die von der NTJ und einer weiteren obskuren Gruppe abgefallen seien, sagte Polizeisprecher Ruwan Gunasekara.

Die Zahl der Attentäter wurde um zwei auf neun erhöht. Im Verteidigungsministerium hieß es zum Hintergrund der Extremisten, sie stammten aus der Mittel- und Oberschicht und hätten den Islam als „einzige Religion in diesem Land“ durchsetzen wollen. Es handele sich um „ziemlich gut gebildete Leute“, mindestens einer habe einen Jura-Hochschulabschluss gehabt, andere hätten in Großbritannien und Australien studiert.

Die Zahl der Todesopfer stieg nach Behördenangaben derweil auf mindestens 359. Die Anschläge auf Kirchen, Hotels und andere Orte am Ostersonntag hat die Terrormiliz Islamischer Staat für sich reklamiert.

Von seiner Behauptung am Vortag, bei den Anschlägen habe es sich um Vergeltung für einen Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch gehandelt, nahm der Staatsminister im Verteidigungsministerium, Ruwan Wijewardene, dagegen Abstand. Die Angriffe könnten zwar eine Motivation für die Bluttaten in Sri Lanka gewesen sein, dafür gebe es aber keine direkten Belege. Mögliche direkte Verbindungen der Attentäter ins Ausland würden geprüft.

Neun Täter

Die Zahl der Attentäter hob die Polizei am Mittwoch derweil von sieben auf neun an. Die Frau eines Attentäters, zwei Kinder und drei Polizisten seien am späten Sonntagabend beim Zugriff der Ermittler durch eine Explosion getötet worden, sagte Polizeisprecher Gunasekara. Mittlerweile seien 60 Verdächtige festgenommen worden.

Unterdessen versprach die Politik eine Reform des Sicherheitsapparats. Nicht nur Wijewardene gestand eine „Schwäche“ des Systems ein, weil die Anschlagspläne offenbar einigen Geheimdiensteinheiten bekannt waren, aber nicht weitergereicht wurden. Auch Präsident Sirisena sagte, er sei nicht über die drohende Gefahr informiert worden. Er kündigte „strenge Maßnahmen“ gegen diejenigen an, die die Informationen nicht weitergaben.

Die Geschichte in dem überwiegend buddhistischen Sri Lanka ist voller ethnischer und religiöser Konflikte. Unter den 21 Millionen Einwohnern gibt es große hinduistische, muslimische und christliche Minderheiten. Während des 26 Jahre andauernden Bürgerkriegs führten tamilische Separatisten, die sogenannten Tamil Tigers, Selbstmordanschläge aus. Christen waren jedoch eher nicht ihr Ziel. 2009 wurden die Separatisten besiegt. Zuletzt hatte es insbesondere unter buddhistischen Nationalisten vermehrt antimuslimische Intoleranz gegeben.

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