Annett Louisan bei ihrem Konzert im Theaterhaus Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Annett Louisan beschert ihrem Publikum in Theaterhaus einen großartigen und federleichten Konzertabend.

Mit schwarzem Anzug und Pumps, die wie Diamanten funkeln, betritt Annett Louisan am Donnerstagabend die Bühne des Theaterhauses. Sie begrüßt ihr Publikum charmant und stimmt ein Lied an, dessen Zeilen so eigentlich nur von ihr kommen können: „Glaubst du auch an die Liebe auf den ersten Blick – oder soll ich noch mal reinkommen?“

 

Ab jetzt ist das Publikum auf ihrer Seite. Ihr Pianist, Michael Geldreich, leitet mit sphärischen Klängen ein, wenig später steht die Sängerin mit ihrer fünfköpfigen Band auf der Bühne und wird für zweieinhalb Stunden einen großartigen und federleichten Konzertabend abliefern.

Endlich ist die Hamburgerin wieder unterwegs

Seit Anfang April ist die Hamburgerin wieder auf Tour und präsentiert neben Klassikern und Coverstücken gleich mehrere Songs ihres neuen, noch nicht erschienenen Albums. Das klingt vielversprechend und frisch. Es ist dann die zehnte LP der 45-Jährigen, die mittlerweile auf eine rund 20-jährige Karriere zurückblicken kann. Den Durchbruch schaffte Louisan 2004 mit „Das Spiel“, womit sie das deutschsprachige Chanson wieder populär machte. Ihr Album „Bohème“ erreichte erst Gold- und später Platinstatus. Dann wurde es ruhiger um die Sängerin, doch nun scheint es, als würde sie wieder spielen wollen.

Eine klassische Chansonsängerin

Louisan ist eine Chansonette, die neben ihrem bezaubernden Gesang vor allem der Wortwitz und die Selbstironie ausmachen. Immerzu singt sie bei ihrem Auftritt vom Paradox der Liebe, mit Seitenhieb aufs Menschsein, und wirkt dabei sehr authentisch. An diesem Abend hat sie den Singer-Songwriter Tristan Brusch mit im Gepäck dabei, der ihrer Gangart mit seiner Expressivität noch einmal ein Topping verleiht. Zusammen singen sie seinen bitterbösen Song „Zwei Wunder am Tag“, was ein wenig an Faber erinnert.

Annett Louisan schafft einen steten Wechsel von zutiefst traurigen Liedern, hin zu Stücken, die das Leben und die Liebe feiern – l’amour! Herz und Schmerz. Es ist, als schlenderte man an einem Frühlingsabend an der Seine entlang, im Ohr Louisans feine Stimme, die Gedanken träumen über die Stadt hinweg.