„Führung in Krisenzeiten – welche Politik braucht Deutschland jetzt?“, das hat Anne Will mit ihren Gästen diskutiert. Foto: obs/Wolfgang Borrs

Einen Tag nach der Wahl Armin Laschets hat Anne Will am Sonntagabend mit ihren Gästen über „Führung in Krisenzeiten – welche Politik braucht Deutschland jetzt?“ gesprochen. Laschet war nicht dabei, dafür Markus Söder. Der macht immer mehr deutlich, dass er findet, Deutschland brauche ihn. Nur sagen will er das nicht. Noch nicht.

Stuttgart - Er ist ja schon ein Witzbold, der Söder Markus. Die CSU als „kleine, charmantere Schwester“ der großen CDU zu bezeichnen, das ist etwa so, als ob man einen Wadenbeißer zum Schoßhund erklärt. Gäbe es noch ein Studiopublikum beim Sonntagabend-Talk von Anne Will im Ersten, der bayerische Ministerpräsident hätte die Lacher auf seiner Seite gehabt. In Corona-Zeiten muss das Grinsen des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) reichen. Sauber, Söder.

Anne Will fragt nach bei Söder. Vergeblich.

„Führung in Krisenzeiten – welche Politik braucht Deutschland jetzt?“, diese Frage diskutierte Anne Will mit Söder, dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU), der SPD-Chefin Saskia Esken, dem Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck und dem FDP-Chef Christian Lindner. Dabei ging es eine ganze Weile um die Nachwehen des CDU-Parteitags – und um die K-Frage der Union. Die Moderatorin versuchte dabei vergeblich, den CSU-Chef zu einer Antwort auf ihre Frage zu bewegen, ob er, Söder, nach dem CDU-Parteitag vom Samstag noch eine Chance habe auf die Kanzlerkandidatur, wenn Armin Laschet die Spitzenkandidatur für sich beanspruche – und ob er das überhaupt wolle. „Ich bin fest entschlossen, dass ich das mit dem Armin besprechen will“, sagte Söder, der in der Vergangenheit oft betont hatte, er sehe seinen Platz in Bayern. Es sei klug, nicht zu früh die Pferde scheu zu machen.

Außerdem gehe es auch um wichtige inhaltliche Richtungsentscheidungen und um die Geschlossenheit und Zukunftsfähigkeit der Union. In dieser schwierigen Lage – und nach Corona werde die Situation nicht einfacher werden – man müsse sehen „was ist das Beste für die Menschen und das Land. Dem haben sich alle unterzuordnen, das gilt für mich wie für alle anderen auch“. Aber natürlich will er, das strömt dem Franken aus jeder Pore. Für „den Armin“, CDU-Vorsitz hin, herausragende Rede am Samstag her, ist der Weg zur Kanzlerkandidatur noch lange keine gmahde Wiesn.

Bouffier: Wer weiß, was passiert

Doch auch Bouffier als zweiter Unionist im Bunde betonte, die Frage der Kanzlerkandidatur müsse man „freundschaftlich miteinander lösen, nicht im Streit“. Zwar sie „der Armin“ als neuer CDU-Chef ein „natürlicher Kandidat. Aber die Bundestagswahl sei aus heutiger Sicht in weiter Ferne, „wer weiß, was bis dahin passiert“. Zuvor gebe es noch eine Pandemie zu bekämpfen und diverse Landtagswahlen zu bestreiten – in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt.

„Der Friedrich“ übrigens spielt in der Talkrunde überraschenderweise kaum eine Rolle. Immerhin hatte Friedrich Merz im ersten Wahlgang noch – wenn auch wenige – Stimmen mehr als Laschet. Immerhin konnte er im zweiten noch 47 Prozent auf sich vereinigen. Die CDU, eine gespaltene Partei? Zumindest hat sie einen mühsamen Weg hinter sich mit der langwierigen Suche nach einem Nachfolger für die gescheiterte Annegret Kramp-Karrenbauer, das räumt Bouffier ein. Aber nach dem „tollen Parteitag“ müssten die Christdemokraten als Union zusammenbleiben. „Am besten fahren wir, wenn wir uns verständigen.“ Dass Umfragen zufolge jeder zweite Deutsche glaubt, Söders Chancen auf eine Kanzlerkandidatur sei mit der Wahl Armin Laschets zum Vorsitzenden gestiegen, wiegelte Bouffier ab: „Wir wollen Wahlen gewinnen, keine Umfragen.“

Habeck: „Merz hat rumgestänkert“

Wer ist den Grünen lieber? Söder, der „die Grünen heftig umarmt“, wie Anne Will sagte, oder Armin Laschet, der zuletzt „ein Loblied auf die FDP“ angestimmt habe. „Wir nehmen’s wie’s kommt“, sagte Robert Habeck, der Grünen-Parteichef, seinerseits Aspirant auf eine Spitzenkandidatur bei den Alternativen. „Jede Partei ist gut beraten auf sich selber zu konzentrieren.“ Seine hat sich entschlossen, die Frage der Spitzenkandidatur zwischen Ostern und Pfingsten zu klären, dabei wollen Habeck und seine Co-Parteichefin Annalena Baerbock das Rennen unter sich ausmachen. Die Union habe jetzt eine Personalfrage geklärt. „Die Richtungsentscheidung der Union ist nicht getroffen worden“, so Habeck – mit Blick auf dem „Turbulenzen nach dem Parteitag“.

Damit spielte Habeck auf Friedrich Merz an, der den Posten des Wirtschaftsministers für sich reklamiert hat. Der habe auf dem Parteitag eben nicht gesagt, „okay, die zweite schlechte Rede, ich ziehe mich jetzt mal zurück und helfe ein bisschen mit, wenn ich noch gebraucht werde, sondern im Grunde da rumgestänkert hat“. Habeck verweist aber auch auf das Grußwort von Donald Tusk, den polnischen Vorsitzenden der Europäischen Volkspartei, der inständig darum gebeten habe, den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der sein Land zunehmend autokratisch regiert, endlich aus der EVP-Familie hinauszuwerfen. Dazu müsse sich Laschet jetzt verhalten.

Lindner stichelt gegen Söder

Christian Lindner, der FDP-Vorsitzende, kennt Laschet gut aus der Zusammenarbeit in Nordrhein-Westfalen. Er fand, „die Nichtwahl von Friedrich Merz ist auch eine Richtungsentscheidung“ und macht keinen Hehl daraus, dass ihm ein CDU-Kanzlerkandidat Laschet durchaus zupass käme: Der Aachener habe gezeigt, dass er ein sehr erfolgreicher Wahlkämpfer sei. Dass die CDU in Nordrhein-Westfalen zusammen mit der FDP eine klare Mehrheit habe, „das ist wie die absolute Mehrheit der CSU in Bayern“. Autsch. Das war eine kleine Gemeinheit gegen Söder, der 2018 die absolute Mehrheit der CSU in Bayern eingebüßt hat und seitdem mit den Freien Wählern koalieren muss.

Esken: „Da ist noch viel Spaltpilz bei der CDU“

„Wir stellen die falschen Fragen, wenn wir jetzt über die Kanzlerkandidatur der Union debattieren“, erklärte Saskia Esken, die SPD-Parteivorsitzende. Die Sozialdemokraten sind die einzigen, die sich mit Olaf Scholz bereits festgelegt haben auf einen Spitzenkandidaten. Die Wahl des neuen Vorsitzenden Laschet sei nicht so eindeutig ausgefallen, dass die Union nun wieder geeint sei: „Da ist noch viel Spaltpilz vorhanden“, sagte sie mit dem Verweis auf Merz’ Forderung nach dem Wirtschaftsministerium. Um die Pandemie zu bewältigen, müssten SPD und Union in der Koalition gut zusammenarbeiten. Das gelinge nur, wenn Laschet es schaffe, „die unterschiedlichen Lager einzubinden. Ich weiß, wovon ich rede“: Die SPD habe das bereits hinter sich.

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