"Unschuldig": Marion (Anna Loos) und Uwe Mosbach (Godehard Giese) geraten unter Druck Foto: ARD Degeto/Christine Schröder

Im TV-Film "Unschuldig" spielt Anna Loos eine Frau, die sich als Mutterersatz um die Kinder ihrer Schwester kümmert. Wie sie privat über so eine Situation denkt, verrät sie im Interview.

"Unschuldig" (7.12., 20:15 Uhr, das Erste) ist ein bis zum Schluss hochspannender Krimi und eine aufwühlende Familientragödie zugleich. Story und Schauspieler überzeugen in dem sehr sehenswerten TV-Film auf ganzer Linie. Darum geht's: Der verurteilte Familienvater Alex Schwarz (Felix Klare) kommt aus dem Gefängnis frei und setzt alles daran, den wahren Mörder seiner Frau zu finden, um seine beiden Kinder Lasse (Yuri Völsch) und Lena (Ruby M. Lichtenberg) zurückzubekommen.

Kommissarin Katrin Jahnke (Britta Hammelstein) nimmt ihn ernst. Doch aus der Familie hält einzig sein Bruder Daniel (Sascha Alexander Gersak) nach wie vor zu ihm. Besonders angespannt ist das Verhältnis zur Schwester der Toten, Marion Mosbach (Anna Loos), die die Kinder nach der Tragödie bei sich aufgenommen hat. Weil sie und ihr Ehemann Uwe Mosbach (Godehard Giese) keine eigenen Kinder bekommen konnten, hängt die Ersatzmutter extrem an den beiden.

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Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt Schauspielerin Anna Loos (49, "Helen Dorn") unter anderem von einem ganz besonders positiven und ermutigenden Beispiel aus dem echten Leben, wie eine Frau mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch ins Reine gekommen ist. Anna Loos selbst ist seit 2004 mit Schauspieler Jan Josef Liefers (55) verheiratet und hat mit ihm zwei Töchter (2002, 2008).

Was hat Sie an Ihrer Rolle in dem Film besonders interessiert?

Anna Loos: Interessiert hat mich vor allem diese Unfähigkeit des Ehepaares, emotional aus so einer schrecklichen Situation wieder herauszukommen. Wenn sie sich einfach zusammen an einen Tisch gesetzt und ein paar Fragen gestellt und beantwortet hätten, hätten sie damit vielleicht ganz gut umgehen und das Problem sogar lösen können. Beide haben aber aus der Angst heraus, dass die Familie, die sie sich so sehr gewünscht haben, gesprengt werden könnte, große Geheimnisse voreinander. Das führt dazu, dass sie sich eher wie Kinder verhalten. Wie sich eine Situation so zuspitzen kann, das hat mich an dem Film schon sehr fasziniert.

Ab wann war Ihnen beim Drehbuchlesen klar, was wirklich passiert ist? Als Zuschauer kommt man ja erst relativ spät darauf...

Loos: Ich kam auch beim Drehbuchlesen erst relativ spät auf die Auflösung, die ich im Übrigen sehr spannend fand, weil ich damit nicht gerechnet hatte...

Sie haben viele emotionale Szenen, in denen Sie völlig aufgelöst, verweint und eher make-up-frei zu sehen sind. Wie war das für Sie als Schauspielerin?

Loos: Ich spiele sehr gerne Frauen, die am Limit sind. Und die sind dann meistens nicht so schön, total geschminkt oder gestylt. Und das ist auch gut und richtig so. Denn unsere Rolle als Schauspielerinnen kann es ja nicht sein, dem Publikum weiszumachen, dass man morgens gestylt im Bett aufwacht oder nach einer durchweinten Nacht keine roten, geschwollenen Augen hat. Ich mag diese Scheinwelt der makellosen Frau, die ja durchaus oft gezeigt wird, nicht so gern. Makellose Schönheit finde ich aber auch generell nicht so interessant, sondern eher langweilig. Insofern finde ich es ganz toll, wie wir diese unglückliche Frau im Film gezeigt haben.

Im Film gibt es eine Szene, in der Kinder etwas Falsches über ihre Eltern in der Zeitung lesen müssen. Haben Sie und Ihr Mann, der ja auch Schauspieler ist, mit Ihren Kindern besprochen, wie sie regieren können, wenn mal was Unwahres oder Unschönes über die Eltern in den Medien veröffentlicht würde?

Loos: Ja, das ist schon ein Thema bei uns. Wir achten aber vor allem darauf, dass unsere Kinder komplett aus den Medien herausgehalten werden. Und wenn mal ein ausgedachter Quatsch über uns irgendwo zu lesen ist - was vorkommen kann -, dann erklären wir das unseren Kindern und gehen parallel auch immer sofort zum Anwalt.

Ein anderes Thema im Film ist der Umgang von Kindern mit sozialen Netzwerken. Wie halten Sie es damit?

Loos: Da haben unsere Kinder ihre Erfahrungen selbst gesammelt. Inzwischen sind sie darin auch besser unterwegs als wir. Manchmal gibt es zum Beispiel Fake-Accounts, die sie zwar amüsieren, die sie dann aber auch melden. Sie kümmern sich selbst darum.

Die große Tragik Ihrer Rolle im Film ist der unerfüllte Kinderwunsch. Das kann ja wirklich eine große Belastung sein. Kennen Sie ein positives Beispiel, wie eine Frau damit ins Reine gekommen ist?

Loos: Ja, da kenne ich sogar ein ganz tolles Beispiel. Eine sehr gute Freundin von mir hat kein eigenes Kind. Sie hat aber eine Stieftochter, die auch schon einen Sohn hat, und beide sind für sie gefühlt wie Kind und Enkelkind. Ich glaube, wenn du älter wirst und kein Kind bekommen hast, gibt es trotzdem irgendwo in deinem Leben eine Person, die ungefähr in dem Alter sein könnte wie dein Kind und die deine Liebe und Unterstützung gut brauchen kann. Welche Rolle spielt es denn da schon, ob es hundertprozentig dein eigenes Kind ist? Wenn ich mich wirklich um jemanden kümmern möchte, finde ich diesen Menschen auch.

Ein weiterer Aspekt ist auch die Freiheit, die du ohne ein Kind hast...

Loos: Das stimmt, denn ein Kind zu bekommen, verändert alles. Deshalb verstehe ich Menschen auch gut, die sagen, dass sie das nicht wollen. Kinder sind ja keine schöne Handtasche, die ich mir anschaffe und beiseite legen kann, wenn ich sie gerade nicht brauche. Sie sind 24 Stunden am Tag da und fordern dich viele Jahre lang intensiv. Ein Leben ohne Kind ist genauso in Ordnung und erfüllend wie eines mit.

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