Anna Hafner ist trotz ihres hohen Alters bemerkenswert fit. Gesund essen und viel bewegen, lautet ihre Devise. Jetzt stellt die 95 Jahre alte Künstlerin in Korntal-Münchingen aus.
Als Künstlerin hat Anna Hafner schon viele Materialien und Stoffe verwendet. Derzeit malt sie leidenschaftlich gern mit Ölkreide. „Ich habe die leuchtenden Farben für mich entdeckt“, sagt die Weilimdorferin. Lange Zeit hätten Formen sie fasziniert. Sie verspüre immer wieder Lust, sich künstlerisch zu betätigen. „Ich habe die Kunst immer so gelebt, wie es mich interessiert hat“, sagt Anna Hafner. Dabei hat sie sich nie beirren oder von Hürden abschrecken lassen. Auch nicht vom Alter. Dass sie im Sommer 96 Jahre alt wird, merkt man ihr nicht an. „Ich bin kreativ und habe ständig neue Ideen“, sagt die zierliche Frau.
Unzählige Kunstwerke hat sie in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen. Wie viele es sind? Anna Hafner weiß es nicht und lacht. „Unendlich viele. Ich muss mal zählen.“ Der Kunstverein Korntal-Münchingen, dessen ältestes aktives Mitglied sie ist, widmet ihr von Sonntag, 19. April, an in der Galerie 4/1 eine Ausstellung. Sie heißt „Retrospektive – 95 Jahre Anna Hafner“. Zu sehen sind Plastiken, Zeichnungen und Gemälde.
„Ich mache noch fast alles allein“ – Anna Hafners Geheimnis der Vitalität
Anna Hafner sagt, ihre gesunde Ernährung gebe ihr Kraft. „Ich bin zwar sehr vergesslich geworden, aber nie erkältet. Ich esse viel Obst und Gemüse.“ Einiges kommt aus ihrem Garten, wie die Beeren, die sie besonders mag. Ihr Enkel lebt seit einem Jahr bei ihr im Haus, doch „ich mache noch fast alles allein. Ich koche auch noch selbst“. Die Treppen schafft die 95-Jährige ebenfalls ohne Hilfe. Hoch auf den Dachboden in ihr Atelier zu laufen ist für Anna Hafner so selbstverständlich wie möglichst täglich spazieren zu gehen.
Ihre aktuelle Leidenschaft für Ölkreide rührt auch daher, dass sich damit schnell arbeiten lässt. Das ist bei Anna Hafners – auch abstrakten – plastischen Darstellungen anders gewesen, die brauchten Zeit. „Plastiken mache ich nicht mehr“, sagt die Frau, die von 1956 bis 1960 an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart Bildhauerei studiert hat. „Die Bildhauerei hat mich sehr beschäftigt.“ Zuvor hatte sie an der Technischen Hochschule Stuttgart das Aktzeichnen erlernt. Aufgewachsen mit drei älteren Brüdern habe sie nicht nur gelernt, sich zu wehren und durchzusetzen: Auch mit der Frage, wer sie als Frau sei, habe sie sich viel auseinandergesetzt.
Während ihr Mann sie in ihrem künstlerischen Tun unterstützte, habe sie von ihren Eltern wenig Zuspruch erfahren, berichtet Anna Hafner. Ihre Arbeit mit Lehm, aus dem ein Kindskopf entstand, hätten sie als „Geschmiere“ bezeichnet. Das hielt Anna Hafner aber nie ab. Bereits als Kind liebte sie die Kunst. Man habe ihr bloß ein Blatt Papier und einen Stift geben müssen, dann sei sie zufrieden gewesen.
Sie, auf dem „flachen Land“ in der Hohenlohe großgeworden, habe wenig Kunsteindrücke gehabt. So hat sie sich damals auf alles gestürzt, was der Inspiration diente: die „Heidi“-Hefte und das Alte Testament in der Kirche, die Bauernkalender des Nachbarn. Der deutsche Maler und Zeichner Ludwig Richter hatte es ihr besonders angetan.
Der Mensch steht bei Anna Hafner seit jeher im Mittelpunkt. Er sei doch das Interessanteste überhaupt, findet die Weilimdorferin, die aber auch gern Blumen malte. Von 1949 bis 1951 machte sie eine sozialpädagogische Ausbildung. Danach betreute sie in einem Tagheim Kindergartenkinder und Schüler. Wenn die Kinder geschlafen haben, habe sie sie gezeichnet. Die Arbeit im Tagheim war anstrengend mit Früh- und Spätdiensten. Anna Hafner beschloss einen beruflichen Neustart.
Anna Hafner trotzt Widrigkeiten und studiert an der Kunstakademie
Sie landete schließlich in Stuttgart in der Kunstakademie. Sie wusste, dass von 80 Bewerbern nur ein Bruchteil genommen wurde. Also schlug sie mit Arbeitsproben beim Professor ihrer Wahl, Otto Baum, höchstpersönlich auf. Mit Erfolg. Mädchen und Frauen hätten es in der damaligen Zeit generell nicht leicht gehabt – „und in der Bildhauerklasse ohnehin nicht“, erzählt Anna Hafner. Doch sie kämpfte sich durch.
Die 95-Jährige malt, wie es ihr in den Sinn kommt. Sie suche die Farben spontan nach dem aus, was sie anspreche, und lege dann los. „Das Bild entsteht aus der Farbe“, erklärt sie. Ihr Motto beim Malen: Nicht zu viel denken und planen. „Sonst wird das Bild uninteressant.“
Anna Hafners Ausstellung in Korntal: Kunstgenuss bei freiem Eintritt
Die Ausstellung mit Werken von Anna Hafner wird an diesem Sonntag, 19. April, eröffnet. Los geht es um 11.30 Uhr in Korntal in der Galerie 4/1, Hans-Sachs-Straße 4/1. Die Begrüßung übernimmt Ulli Heyd, die Vorsitzende des Kunstvereins Korntal-Münchingen. Die Ausstellung ist bis 10. Mai zu sehen, immer samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei.