Im Bazärle gibt es günstige Kleidung, aber auch Rat und Hilfe. Foto: Gottfried Stoppel

Seit gut anderthalb Jahren ist das Bazärle in Unterweissach eine Anlaufstelle für Geflüchtete und Einheimische. Nun muss der Second-Hand-Laden der besonderen Art wegen Hausverkaufs ausziehen.

Weissach im Tal - Ende dieses Jahres ist Schluss: Bis dahin muss das Bazärle, ein mit dem Bürgerpreis Rems-Murr 2016 ausgezeichnetes Laden-Projekt des Vereins „Weissach Klimaschutz konkret“, seine Pforten in der Friedensstraße in Unterweissach schließen. Das Haus, in dem der Verein vor gut anderthalb Jahren seinen „Schwäbisch-Internationalen Markt für Gebrauchtes, Kreatives und Integration“ eröffnet hat, wird verkauft.

„Wir stehen auf der Straße“, sagt die Vorsitzende, Silke Müller-Zimmermann. Dabei hatte der Verein noch bis vor Kurzem davon geträumt, seine Aktivitäten auszudehnen und nebenan ein Café der Begegnung einzurichten. Nun aber gilt es erst einmal, eine neue Bleibe zu finden für das Bazärle, einen Secondhandladen der besonderen Art. Neben gut erhaltener Kleidung bekommen Geflüchtete dort die Möglichkeit, zu arbeiten und nebenbei die deutsche Sprache zu erlernen, denn geschafft wird immer in einem Duo, das jeweils aus einem zugereisten und einem einheimischen Mitarbeiter besteht.

Eine Keimzelle für neue Ideen

Außerdem bietet der Verein eine Hausaufgabenbetreuung für Schüler an, unterstützt Asylbewerber bei Behördenangelegenheiten oder der Suche nach einem Sprachkurs, und verarbeitet unter dem Stichwort Upcycling einen Teil der Textilspenden zu originellen Unikaten wie Taschen. Immer am letzten Freitag eines Monats wird das Bazärle zudem zur Pilgerstätte für Besitzer defekter Elektrokleingeräte und anderer Problemfälle im Haushalt: Im Reparaturcafé tüfteln Ehrenamtliche fleißig daran, kaputte Gebrauchsgegenstände wieder zum Laufen zu bringen. „Bei uns ist immer etwas los", sagt Silke Müller-Zimmermann. Das Bazärle sei eine Keimzelle für viele neue Ideen und eine Anlaufstelle für alle, die sich engagieren wollten: „Ich denke, viele Leute würden uns schon vermissen“, sagt die Weissacherin.

Damit das, was in gut anderthalb Jahren gewachsen ist, nicht wieder verkümmert, muss möglichst schnell ein neues Quartier her. „Wir müssen uns verkleinern“, sagt Silke Müller-Zimmermann, die nicht davon ausgeht, dass der Verein wie jetzt rund 200 Quadratmeter große Räume beziehen können wird. Ganz wichtig sei aber eine Bleibe in zentraler Lage, damit auch Menschen ohne Auto das Bazärle gut erreichen können. Außerdem sollte der zukünftige Laden mit Rücksicht auf eine Mitarbeiterin und auch so manchen älteren Kunden mit Rollator ebenerdig zugänglich sein.

Neue Bleibe in Container?

Eine Idee, wo das Bazärle bis auf Weiteres unterkommen könnte, haben die Vereinsmitglieder sogar schon: in einem Container. „Das wäre eine Chance“, glaubt Silke Müller-Zimmermann. Der Landrat Richard Sigel, der bei der Bürgerpreis-Verleihung im Juli die Laudatio auf den Verein Weissach Klimaschutz konkret gehalten hatte, hat diesem sogar schon eine solche Unterkunft in Aussicht gestellt . „Wir könnten wohl einen Container vom Landkreis bekommen“, sagt Müller-Zimmermann. Was dem Verein aber noch fehle, sei ein Standort in zentraler Lage. Falls der gefunden werde, sei die Veränderung gar nicht mal so schlecht: „Dann wären unsere Kosten überschaubarer.“

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