Trick-Abenteuer, B 2015. 90 Minuten Foto:  

Nicht der Mensch steht im Mittelpunkt dieses „Robinson Crusoe“-Animationsfilms, sondern die Tiere der Insel. Der belgische Regisseur Vincent Kesteloot hat dies als bunten, turbulenten Abenteuerspaß inszeniert.

Stuttgart - Der belgische Animationsfilmer Ben Stassen hat der Meeresschildkröte Sammy zwei Leinwandabenteuer inszeniert und in „Das magische Haus“ einem ausgesetzten Kater in die Obhut eines alten Zauberers verholfen. Bei seinem jüngsten Projekt nun gibt er die Regie an seinen langjährigen Mitarbeiter Vincent Kesteloot ab, hat als Produzent aber sicher entscheidend mitgewirkt.

In 3-D-Animation zeigen sie eine seltsame Gemeinschaft sehr unterschiedlicher Tiere auf einer Südseeinsel. Der Papagei Dienstag wünscht sich nichts sehnlicher, als in die Welt hinauszukommen, ist damit aber allein: Eisvogel Kiki, Tapirdame Rosie, Ziegenbock Zottel, Chamäleon Carmello, Schuppentier Pango und Stachelschwein Epi sind allesamt heimatverbunden und ängstlich. Als sich ein Schiffbrüchiger auf die Insel rettet, geraten sie in Panik.

Die Sicht der Tiere

Von der literarischen Vorlage Daniel ­Defoes ist nicht viel übrig in diesem Film, der wenig von den Problemen Gestrandeter ­erzählt – wer die sehen möchte, dem sei noch einmal „Verschollen“ (2000) mit Tom Hanks empfohlen. Dieser „Robinson Crusoe“, überwiegend aus der Sicht der Tiere erzählt, bietet einen bunten, turbulenten Abenteuerspaß: Der Mensch und seine tierischen Freunde bauen ein Baumhaus und eine Wasserleitung, die später zur Rettungsrutsche wird, als eine Invasion struppiger Schiffskatzen über das Inselparadies hereinbricht.

Die Flugkunst eines Papageis

Die Animation ist – wie immer bei Stassen – blitzsauber, allein was der Papagei Dienstag mit seinem prächtigen rotes Gefieder für Flugkunststückchen anstellt, ist sehenswert. Der Comedien Kaya Yanar gibt ihm einen überbordend fröhlichen Tonfall, und auch die anderen deutschen Synchronsprecher sind gut gewählt: Matthias Schweighöfer verleiht dem tapsigen Robinson den unschuldigen Ton, den er als naiver Herzensmensch braucht, Cindy aus Marzahn stattet die ungelenke Rosie mit behäbiger Schnoddrigkeit aus, und Dieter Hallervorden faselt als kurzsichtiger Ziegenbock so orientierungslos vor sich hin, wie dieser sich verhält.

Die putzigen Tiere und eine immer wieder passable Situationskomik helfen Eltern über den schmalen Inhalt hinweg, während ihre Kinder sich gut amüsieren dürften. Was es zu lernen gibt? Wer zu engstirnig darauf beharrt, dass alles so bleiben soll, wie es ­immer war, ist schlecht gewappnet fürs ­Leben – welches sich umso leichter meistern lässt, wenn alle zusammen helfen.

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