Diese Wölfe leben in einem Tierpark in Cleebronn. Foto: dpa

Der Wolf ist zurück in Baden-Württemberg: Im Landtag diskutieren Betroffene, Experten und Politiker über mögliche Konflikte.

Stuttgart - Zugebissen wurde an diesem Donnerstag selten – bei der Anhörung im Stuttgarter Landtag zur Rückkehr des Wolfes suchten alle den sachlichen Austausch. Die großen Differenzen wurden dennoch mehr als deutlich bei der Aussprache, zu der der Umwelt- und der Agrarausschuss Jäger, Viehhalter, Naturschützer und Biologen eingeladen hatten.

Michael Nödl vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband gab eine düstere Prognose für die Viehhalter. Bisher blieben die hohen Kosten für Zäune und Herdenschutzhunde an den Betrieben hängen. Ein Landwirt müsse voll haften, wenn eine Herde in Panik vor einem Wolf flüchte und auf einer Bundesstraße einen schweren Unfall verursache. Schon heute würden 70 Prozent nur noch im Nebenerwerb arbeiten: „Mit dem Wolf werden viele die Tierhaltung ganz aufgeben“, sagt Nödl. In Steillagen seien hohe Zäune gar nicht möglich – dort würden die Wiesen zuwachsen. Auch Anette Wohlfarth vom Landesschafzuchtverband hat enorme Bedenken: So würden mit den scharfen Herdenschutzhunden neue Probleme mit Joggern und Spaziergängern entstehen.

Nabu-Chef mahnt Eile an

Johannes Enssle, der Landeschef des Nabu, räumte ein, dass es eine anspruchsvolle Aufgabe werde, die Konflikte zwischen Wolf und Menschen zu managen – er hält die Probleme aber für lösbar. Baden-Württemberg müsse jedoch jetzt endlich anfangen damit. Die Geldmittel müssten erhöht werden, manches Gesetz etwa zur Haltung von Hunden müsse gelockert werden, die Haftungsfrage für Tierhalter müsse geklärt werden, und es müsse ein Beratungszentrum für die Landwirte aufgebaut werden. Agrarminister Peter Hauk (CDU), in dessen Haus diese Probleme vorrangig gelöst werden müssten, bleibe aber überwiegend untätig, kritisierte Enssle.

Interessant war allerdings, dass der ­Nabu-Chef sich einer Regulierung des Wolfbestandes – darüber war in den letzten Tagen erbittert gestritten worden – nicht grundsätzlich verweigerte. Irgendwann, wenn es eine größere Zahl von Wölfen in Baden-Württemberg gebe, müsse man darüber sprechen. Und schon jetzt müssten natürlich problematische Wölfe abgeschossen werden können. „Entnahme“ heißt das im Amtsdeutsch.

400 Wölfe im Brandenburg

Recht desillusionierend für alle Wolfsfreunde war der Beitrag von Gregor Beyer, der als Vertreter des Forums Natur in Brandenburg (der Verband vertritt Landwirte und Jäger) schon viel Erfahrung mit Wölfen hat. Etwa 400 Tiere gebe es derzeit in Brandenburg. An zwei zentrale Märchen solle in Baden-Württemberg bloß niemand mehr glauben. Erstens: Der Wolf sei scheu und weiche dem Menschen aus. Bei ihnen habe sich einmal ein Wolf sogar mehrere Tage lang in der Nähe eines Kindergartens herumgetrieben. Zweites Märchen: Wölfe würden Wildtiere bevorzugen. Vielmehr reiße ein Wolf auch Schafe und Rinder, wenn er leicht an sie herankomme. Etwas Positives sagte Beyer zum Schluss aber doch: „In Baden-Württemberg haben Sie die gigantische Chance, sich rechtzeitig auf die Rückkehr des Wolfes vorzubereiten – Sie müssen deshalb nicht alle Fehler nochmals machen, wie wir gemacht haben.“

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