Neues Formular für Auslandsüberweisungen. Foto: dpa

Die Europäische Union will die Frist für die Sepa-Umstellung kassieren. Unternehmen und Vereine haben sich nicht schnell genug vorbereitet. Um ein Zahlungschaos zu vermeiden, sollen sie mehr Zeit bekommen.

Die Europäische Union will die Frist für die Sepa-Umstellung kassieren. Unternehmen und Vereine haben sich nicht schnell genug vorbereitet. Um ein Zahlungschaos zu vermeiden, sollen sie mehr Zeit bekommen.

Brüssel - Die Bundesbank hat die Ankündigung glatt verschlafen. Noch Stunden nach der Verschiebung des Sepa-Starts um sechs Monate lief auf der Website der deutschen Geldhüter die Uhr weiter rückwärts: Noch 22 Tage bis zur Einführung des gemeinsamen Zahlungssystems Sepa am 1. Februar. Das Kürzel steht für Single Euro Payments Area, das ist der künftig einheitliche Zahlungsraum für Transaktionen in Euro. Dessen sichtbarstes Zeichen wird Iban sein, die 22-stellige Mammut-Kontonummer.

Doch in den letzten Wochen erreichten die EU-Kommission immer mehr Hilferufe aus den 33 teilnehmenden Staaten (neben den 28 EU-Ländern sind auch Island, Liechtenstein, Norwegen, Monaco und die Schweiz dabei), die mit der Umstellung nicht fertig geworden wären. Unter den Klagenden war auch der Bundesverband Deutscher Banken, der ebenfalls Alarm geschlagen hatte. Der Grund: Zahlreiche kleine und mittelständische Firmen, Vereine, Nichtregierungsorganisationen und andere hätten die Umstellung von Lastschriften nicht rechtzeitig geschafft.

Am Donnerstag zog Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier die Notbremse: Nun wird der Start des einheitlichen europäischen Zahlungsraums um sechs Monate auf den 1. August verschoben. Bis dahin können Überweisungen und Zahlungen noch mit den national gängigen Nummern vollzogen werden.

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele sagte zu den Auswirkungen auf die Bundesrepublik: „Wir treiben die Umstellung weiter voran, da Sepa definitiv kommt.“ Auch der 1. Februar sei nicht hinfällig. Vor allem „Iban, die Schreckliche“, wie die 22-stellige Kontonummer aus einem Ländercode, einer Prüfziffer, der Bankkennung und der bisherigen Kontonummer genannt wird, hatte auch hierzulande für viel Aufregung gesorgt. Die im Vergleich zu heute endlos erscheinende Zahlenreihe sei viel zu fehleranfällig, hieß es.

Besonders Betriebe müssen sich umstellen

Abgesehen von Privatkunden, denen die Neuerung wohl noch am leichtesten fallen dürfte, müssen sich vor allem Betriebe umstellen. Jede Buchungssoftware benötigt Updates, weil die Bankverbindungen von Kunden auf Iban und den dazugehörigen Bank-Code Bic umgestellt werden. Außerdem brauchen alle, die Geldbeträge einziehen, von der Bundesbank eine sogenannte Gläubiger-ID, um sich als Berechtigte eindeutig zu identifizieren. Wer Einzugsermächtigungen ausgestellt hat, bekommt schon seit Wochen per Brief Benachrichtigungen nach Hause, um die umgestellten Sepa-Daten noch einmal zu überprüfen.

Nach Angaben der EU-Kommission lohnt sich der Aufwand, denn Überweisungen erreichen ihren Adressaten künftig schon innerhalb weniger Stunden – vorausgesetzt es handelt sich um inländischen Zahlungsverkehr. Im Ausland sollte das Geld einen Tag später gutgeschrieben werden.

Das wäre in der Tat ein Fortschritt: Transfers von Deutschland nach Belgien brauchen bisher schon mal satte fünf Tage. Die Bundesrepublik hatte nach einer längeren Anlaufzeit schließlich versucht, die Umstellung noch pünktlich zum 1. Februar zu schaffen. Für das elektronische Lastschriftverfahren räumte man sogar eine Übergangsfrist bis zum 1. Februar 2016 ein. Doch noch im November 2013 meldete die Bundesbank erheblichen Rückstand: Bis dahin wurden lediglich 32 Prozent aller Überweisungen im neuen Format vorgenommen, obwohl dies schon seit 2012 möglich gewesen wäre.

Die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament müssen dem neuen Starttermin für Sepa nun im Eilverfahren zustimmen. Mit Widerstand ist nicht zu rechnen. Kommissar Barnier macht Druck: Er ließ mitteilen, eine weitere Verlängerung über den 1. August hinaus werde es nicht geben.

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