Ein Flüchtling aus Gambia steht derzeit vor dem Stuttgarter Landgericht. Foto: Weingand / STZN

Ein 31-Jähriger hat in Weinstadt, Spiegelberg und Waiblingen andere Menschen angegriffen. Vor Gericht wird klar: Der Gambier leidet an einer paranoiden Psychose. Schon in Italien war er in eine Auseinandersetzung verwickelt.

Stuttgart/Rems-Murr-Kreis - Der erste Eindruck kann täuschen. Da wirkt der 31-jährige Mann aus Gambia zunächst wie ein etwas verschlossener Mensch, der Probleme mit Alkohol hat und in angetrunkenem Zustand aggressiv wird – ein Verhalten, das nicht wenige Männer zeigen. Doch im Lauf seiner Vernehmung vor der 18. Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts wird deutlich, dass seine Wahrnehmung der Umwelt ziemlich verschoben ist. Er fühlt sich von anderen Menschen bedroht. „Die schicken die, wenn es mir gut geht, um mein Leben kompliziert zu machen“, teilt er mit Hilfe einer Englisch- Dolmetscherin mit. Wer „die“ sind, kann oder will er aber nicht näher erläutern.

Wegen vier Angriffen auf andere Bewohner von Flüchtlingsunterkünften in Weinstadt, Spiegelberg und Waiblingen steht der Gambier vor Gericht. Allerdings schränkt die Staatsanwaltschaft ihre Vorwürfe der gefährlichen Körperverletzung dahingehend ein, dass der Mann wegen einer paranoiden Psychose schuldunfähig sei. Zurzeit ist er in der Psychiatrischen Klinik Weissenau bei Ravensburg untergebracht. Das Landgericht prüft nun, ob er dauerhaft in einer Psychiatrie bleiben soll.

Ein angeblicher Vampir greift den Angeklagten mit dem Messer an

Im Jahr 2017 sei er nach Deutschland gekommen, berichtet der Beschuldigte. In seiner Heimat habe er Geschäfte mit Elektrogeräten betrieben. „Ich habe gebrauchte Apparate hergerichtet und dann weiterverkauft.“ Doch mit der Machtübernahme durch das Militärregime habe sich sein Leben verschlechtert. „Die haben einen wegen irgendetwas beschuldigt und wenn man sie dann nicht bezahlt hat, die Geschäfte zugemacht. Das habe ich nicht ausgehalten.“ So sei er fort von zu Hause.

Zuerst führte ihn sein Weg nach Libyen, wo ein Onkel lebe. „Diesen habe ich allerdings nicht gefunden.“ So habe er sich mit Jobs über Wasser gehalten, unter anderem durch Autowaschen. „Da waren aber überall Raketen und Gewehre. Das hat mich beunruhigt, deshalb bin ich von dort weg.“

Schon in Italien, von wo aus er später nach Deutschland gelangte, war es zu einer Auseinandersetzung mit einem anderen Afrikaner gekommen. Dieser habe ihn angegriffen und mit einem Messer an der Hand schwer verletzt. „Ich soll dich verletzen, aber nicht töten“, habe der Angreifer zu ihm gesagt. Er sei ein Vampir gewesen, der es auf sein Blut abgesehen habe.

Angeklagter war bei den Taten wohl betrunken

Vampire würden ihn schon länger bedrohen, erzählte der 31-Jährige. „Haben diese von Ihnen verlangt, Blut zu trinken und Menschenfleisch zu essen“, will die Richterin wissen, denn eine solche Aussage des Beschuldigten habe sie in den Akten gefunden. Nein, entgegnet der 31-Jährige, das sei ein Missverständnis. Die Vampire wollten sein Blut trinken und sein Fleisch essen. „Ich kann kein Vampir werden, weil ich kein Blut trinken kann.“

Er habe sich lediglich gewehrt, sagt er zu jeder der vier Taten, er sei aber zu der Zeit völlig betrunken gewesen. „Ich habe getrunken, um mich glücklich zu machen.“ Jetzt trinke er nicht mehr. „Ich möchte noch eine Chance haben“, sagt er mehrmals zu den Richtern. Stimmen höre er überdies auch nicht mehr, seit er in der Weissenau Medikamente bekomme. Weitere Prozesstermine sind bis zum 19. Dezember geplant.

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