Der Respekt gegenüber Rettern ist auf dem Tiefpunkt angelangt. Das kann schlimme Folgen haben – für alle. Da helfen auch keine Kameras meint unser Autor Jürgen Bock.
Silvester – das bedeutet für viele Helfer seit langer Zeit Hochbetrieb. Die Feuerwehr muss zu zahlreichen Bränden ausrücken, Rettungswagen sammeln Alkoholisierte und Verletzte ein, die Notaufnahmen in den Krankenhäusern arbeiten am Anschlag. All das ist nichts Neues. Doch inzwischen müssen jene, die anderen helfen anstatt den Jahreswechsel zu feiern, damit rechnen, selbst zur Zielscheibe zu werden. Die Feuerwehr in Berlin spricht nach zahlreichen Angriffen und Verletzten von bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Vorwiegend Betrunkene im Mob spielen aus Spaß an der Randale Krieg.
Was sich zum Jahreswechsel in Berlin und anderen Städten ereignet hat, ist nur die extreme Ausprägung einer Tendenz, die es schon seit Jahren gibt. Es schwindet nicht nur der Respekt gegenüber der Polizei, sondern auch gegenüber all jenen, die Feuer löschen oder Verletzte versorgen. Das kann fatale Folgen haben: Brauchen die Retter Polizeischutz für ihre Arbeit, brennt das Haus eben ab. Oder ein Kranker stirbt. Die Helfer stecken dabei in einem furchtbaren Konflikt: Sie wollen eingreifen, sollen sich dabei aber möglichst nicht selbst gefährden.
Das Rettungswesen mit Schutzwesten oder Kameras aufzurüsten bringt dabei wenig. Das verhindert keine Angriffe. Das Bewusstsein für Retter und der Respekt vor ihnen in der gesamten Gesellschaft muss wieder wachsen. Doch das ist eine große Aufgabe, die viel Zeit und Ideen benötigt.