Rettungswagen werden im Land immer häufiger mit Panikknöpfen ausgestattet. Foto: dpa

Bundesweit klagen die Rettungsdienste über zunehmende Aggressionen gegen ihre Mitarbeiter. Viele Helfer setzen inzwischen auf einen technischen Helfer im Extremfall – auch in Baden-Württemberg.

Stuttgart - Sie wollen helfen – und werden dann selbst zu Opfern. Immer häufiger klagen Mitarbeiter der Rettungsdienste über Beleidigungen, Pöbeleien oder gar tätliche Angriffe. Zuletzt musste sich eine Rettungswagenbesatzung in Berlin in ihr Fahrzeug flüchten, sich dort einschließen und die Polizei alarmieren. Angehörige und Freunde eines Patienten waren auf sie losgegangen, weil sie mit dem Vorgehen der Helfer nicht einverstanden gewesen waren. Einer von ihnen wurde ins Gesicht geschlagen.

Solche Attacken nehmen bundesweit zu – und auch der Ton wird ständig rauer. Immer mehr Hilfsorganisationen entschließen sich deshalb dazu, die Behandlungsräume der Fahrzeuge mit einem sogenannten Notfallknopf auszustatten. Damit können Retter, die sich ins Innere des Fahrzeugs zurückziehen müssen, zentral mit einem Knopfdruck das gesamte Fahrzeug verschließen und dann Hilfe holen.

In Bayern flächendeckend im Einsatz

Zuletzt hat die Feuerwehr in Hannover alle zwölf Rettungswagen mit solch einem Panikknopf ausgestattet. Eine Umfrage des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Niedersachsen hatte ergeben, dass jeder Mitarbeiter im Schnitt ein bis zwei Mal im Jahr Gewalttätigkeiten erlebt – manch einer auch noch deutlich öfter. Die Aggressionen gehen von Patienten selbst, deren Angehörigen oder auch völlig Unbeteiligten aus. Bundesweit werden die Mitarbeiter inzwischen im richtigen Verhalten geschult. Die Devise lautet dabei immer: Deeskalieren und zurückziehen, wo immer das möglich ist. Im Zweifel ins eigene Fahrzeug. In Bayern sind die Einsatzwagen inzwischen flächendeckend mit dem System ausgestattet.

In Baden-Württemberg sind „Übergriffe auf Rettungskräfte ebenfalls ein Thema“, sagt Renato Gigliotti vom Innenministerium. Die Installation von Panikknöpfen sei aber nicht landesweit geregelt und dem Ministerium sei nicht bekannt, wo das System eingesetzt wird. „Es handelt sich um eine Sonderausstattung der Fahrzeuge. Deren Beschaffung obliegt in Baden-Württemberg den Leistungsträgern im Rettungsdienst in Abstimmung mit den Kostenträgern vor Ort“, so Gigliotti. Sprich: Die einzelnen Hilfsorganisationen entscheiden in jeder Region selbst, wie sie vorgehen.

Unterschiedliche Lösungen

Die Situation sieht dabei sehr unterschiedlich aus. „Es gibt Rettungsdienstbereiche wie etwa Mannheim, in denen das Thema überhaupt keine Rolle spielt“, sagt Udo Bangerter. Er ist Sprecher des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg. Das Rote Kreuz fährt im Land etwa 80 Prozent aller Einsätze. Andere Bereiche dagegen setzen auf diese Technik. „In Stuttgart sind die Panikknöpfe auf Wunsch der Belegschaft vor drei Jahren eingeführt worden“, weiß Bangerter. Dabei geht es aber nicht nur um Angriffe, sondern vor allem darum, sich ungestört von Angehörigen oder Schaulustigen um einen Patienten kümmern zu können.

Auch im Bereich Bodensee-Oberschwaben gibt es den Panikknopf. In Heilbronn dagegen müssen Fahrer und Beifahrer ständig den Fahrzeugschlüssel mit Fernbedienung am Gürtel tragen. Damit können sie sich ebenfalls mit einem Knopfdruck einschließen. Andere Bereiche verfügen über Notruftasten in der Fahrerkabine.

Dass sich Mitarbeiter tatsächlich wegen Angriffen ins Auto flüchten müssen oder gar im Einsatz verletzt werden, kommt laut Bangerter im Land „äußerst selten“ vor. Gleichwohl werde der Ton rauer, Bedrohungen und Beleidigungen nähmen zu. Typisch seien Fälle, in denen etwa Betrunkenen geholfen werden soll, die dann aber im Rettungswagen anfangen zu randalieren. Man bereite Mitarbeiter inzwischen schon bei der Ausbildung auf solche Szenarien vor.

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