Die Angelegenheit um die gefälschte Identität von VfB-Profi Silas Katompa ist längst noch nicht ausgestanden. Kommende Woche wird der Fall vor dem Stuttgarter Amtsgericht verhandelt.
Für viele war die Sache bereits ausgestanden. Nach der Beschaffung eines neuen Visums in einer Blitzaktion Ende des vergangenen Jahres, als Silas Katompa in seine Heimat Kongo gereist war, um sich bei der deutschen Botschaft ein gültiges Einreisedokument ausstellen zu lassen, schien es, als hätte der Fußballprofi den juristischen Ärger vom Hals.
Doch nun holt ihn die Vergangenheit um seine gefälschte Identität abermals ein – vor dem Amtsgericht Stuttgart. Am kommenden Mittwoch muss sich der Fußballer nach Informationen unserer Zeitung vor der Justiz verantworten. Der Vorwurf lautet unter anderem auf Urkundenfälschung und Erschleichung eines Aufenthaltstitels.
Einspruch gegen Strafbefehl
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat dazu einen Strafbefehl in Höhe von 60 Tagessätzen (bemessen am Netto-Einkommen) gegen den 24-Jährigen erlassen. Dagegen hat der Angeklagte Einspruch eingelegt, weshalb die Angelegenheit nun vor Gericht verhandelt wird. Die strafrechtliche Verhandlung in der kommenden Woche ist öffentlich.
Schlimmeres Ungemach als eine Geldstrafe hat der VfB-Angreifer aber wohl nicht zu befürchten. Erst ab 90 Tagessätzen gilt man in Deutschland als vorbestraft, was Konsequenzen hinsichtlich seiner Aufenthaltserlaubnis nach sich ziehen könnte. Seit seiner Reise in seine afrikanische Heimat im vergangenen Jahr ist Silas im Besitz einer zunächst bis 2024 gültigen Aufenthaltsberechtigung.
Rückblick: Im Juni 2021 offenbarte der Fußballer, dass er unter einer falschen Identität nach Deutschland eingereist sei. Silas heißt in Wirklichkeit nicht Wamangituka, sondern Katompa Mvumpa und ist ein Jahr älter als ursprünglich angegeben.
Das Ganze soll auf Geheiß seines damaligen Beraters Olivier Belesi Djesi erfolgt sein. Ein offenbar windiger Geschäftemacher, der durch den erzwungenen Identitätsschwindel geleistete Ausbildungsentschädigungen in die eigene Tasche stecken wollte. Der damalige VfB-Sportdirektor Sven Mislintat bezeichnete seinen Spieler als in einem Abhängigkeitsverhältnis steckendes „Opfer“. Belesi Djesi, gegen den von verschiedenen Seiten in Deutschland und in Frankreich ermittelt wurde, soll sich seither in den Kongo zurückgezogen haben.
Anzeige gegen Silas Katompa hat nun die Stuttgarter Ausländerbehörde erstattet. Konkreter Vorwurf: Der 2019 aus Paris zum VfB gewechselte Profi soll in der Landeshauptstadt in fünf Fällen seinen falschen Namen angegeben haben. Unter anderem bei der Beantragung der Aufenthaltserlaubnis, beim Einwohnermeldeamt und bei der Eröffnung eines Kontos. Vonseiten der Staatsanwaltschaft Stuttgart erging daraufhin ein Strafbefehl wegen des hinreichenden Tatverdachts der Urkundenfälschung.
Parallelen zum Fall Jatta
Bei den Ermittlungen wurden Parallelen zum Fall Bakery Jatta gezogen, mit dem sich in Hamburg jahrelang die Gerichte beschäftigen. Ein ähnlich gelagerter Fall um falsche Identitäten, der nun aber vor dem Abschluss steht. Nachdem das Landgericht Hamburg eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft wegen der Ablehnung eines Strafverfahrens abgelehnt hat, muss der Gambier keinen Prozess mehr fürchten.
Im Stuttgarter Fall erscheinen der Silas-Katompa-Seite die aufgerufenen 60 Tagessätze als zu hoch. Sie sieht die Opferrolle des Beschuldigten als nicht ausreichend strafmildernd berücksichtigt. Auch dass sich der Spieler selbst offenbart hat, spielt ihrer Meinung nach in der Bemessung des Strafmaßes eine zu geringe Rolle. Daher der nun zu verhandelnde Einspruch.
Der VfB-Profi hofft, das Kapitel damit endgültig schließen zu können. Gemeinsam mit der Mannschaft war er kürzlich in die USA gereist. Anfragen für ein Interview lehnte der 24-Jährige damals noch ab: Er wolle erst seine persönlichen Angelegenheiten geklärt wissen.