Jamie Leweling hat zuletzt lange auf ein Erfolgserlebnis warten müssen. Bei den Go Ahead Eagles hat der Offensivmann des VfB Stuttgart nun zweimal getroffen. Das macht selbstbewusst.
Mal abgesehen von den unschönen Begleiterscheinungen in Bezug auf die Behandlung der Fans in Deventer hatte der Schauplatz dieses 4:0-Erfolgs des VfB Stuttgart bei den Go Ahead Eagles ja durchaus etwas. Das kleine Stadion „De Adelaarshorst“ hat ein besonderes Flair – und besondere Begebenheiten. Die Begegnungsstätte von Journalisten und Spielern nach der Partie – auch Mixed Zone genannt – befand sich außerhalb des Bauwerks. In einem Zelt.
Das war zweckmäßig, aber wenig glamourös. Doch der, der hier nach dem Abpfiff sprach, hatte durchaus Glanzvolles geleistet. Es war: Jamie Leweling, der Doppeltorschütze. Oder besser: der Lewe-King.
Diese Umwandlung des Nachnamens bot sich mal wieder an am Donnerstagabend, weil der Nationalspieler zwar nicht alleine verantwortlich war für den ersten Auswärtssieg des VfB in der Europa League in dieser Saison. Aber doch entscheidenden Anteil hatte. „Seine Tore“, sagte der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß, „haben uns den Weg geebnet.“ Tatsächlich hatte Leweling erst zum 1:0, dann zum 2:0 getroffen – und damit nicht nur den Mannschaftserfolg eingeleitet, sondern auch persönlich weitere Schritte nach vorne gemacht.
Schon in den vergangenen Wochen, meinte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, sei Leweling „mit ansteigender Form unterwegs“. In Zahlen hat sich die aber zuletzt nicht ablesen lassen. Weshalb der 24-Jährige selbst ganz froh ist, dass er das nun verändern konnte.
„Schon sehr wichtig“, fand er die Tatsache, nun wieder Torschütze gewesen zu sein. Denn er gab zu: „Ich habe dieses Jahr schon viel vergeben.“ Im Supercup gegen den FC Bayern hat er zum Saisonstart getroffen, seitdem nicht mehr, ehe am Donnerstag der Knoten platzte. Und Leweling nicht nur wichtige, sondern auch schöne Treffer erzielt hat. Vor allem das Tor zum 2:0 machte den Nationalspieler glücklich.
Nicht, weil es unter die Rubrik Traumtor fällt, sondern: Weil das, was Leweling immer wieder versucht, nun endlich mal geklappt hat. Über links Meter machen, mit dem Ball nach innen ziehen, die Kugel dann aber nicht gemäß den Erwartungen ins lange Eck schlenzen, sondern den Torhüter überrumpeln – mit einem platzierten Schuss ins kurze Eck. „Dass es jetzt mal funktioniert hat, freut mich“, sagte der Flügelstürmer, der dadurch weiteres Selbstvertrauen getankt hat – und dies auch gleich demonstrierte.
Nur Siege bis Weihnachten?
Im Frühsommer hatte er unter dem Eindruck des Pokalsiegs noch auf dem Schlossplatz getönt: „Wir können den Europapokal gewinnen.“ Nun hat der VfB neun Punkte gesammelt, ist damit klar auf Kurs Weiterkommen, weshalb Jamie Leweling betonte: „Wir können weit kommen. Das ist unser Ziel.“ Derzeit, meinte er, „läuft es gut“ bei seinem Team: „Als VfB-Fan kann man sich gerade nicht beschweren – und als Spieler auch nicht.“ Eine gute Zeit also, um hohe Ziele zu formulieren.
Bis Weihnachten durchläuft der VfB noch ein straffes Programm mit sechs Partien. Lewelings Anspruch: „Am besten alle gewinnen.“ Obwohl unter den Gegnern ja auch der FC Bayern ist. Lewelings Selbstvertrauen speist sich auch aus dem Umstand, dass sein Team in dieser Saison offenbar deutlich besser mit der Mehrfachbelastung klarkommt, als noch in der vergangenen Spielzeit. „Ein Lerneffekt“ sei eingetreten, „wir haben uns daran gewöhnt“, sagte er – und blickte auch hier nach vorn: „Wenn wir nächstes Jahr wieder international spielen, haben wir uns noch mehr daran gewöhnt.“
Nächstes Jahr. Das WM-Jahr. Da will Jamie Leweling gerne im Kader der deutschen Mannschaft für das Turnier in den USA, in Kanada und Mexiko stehen. Und am liebsten als Teil einer großen VfB-Fraktion. Die war zuletzt ja geschrumpft, weil Maximilian Mittelstädt, Deniz Undav und Angelo Stiller nicht mehr eingeladen worden waren. Ein Dauerzustand? Nicht aus der Sicht von Jamie Leweling: „Ich bin sicher, dass fünf oder sechs von uns bei der WM dabei sein werden.“
Wenn alle so weitermachen wie zuletzt, könnte der Lewe-King sogar Recht behalten.