Vorfühlen mit den Fußspitzen: Hans-Hermann Schock am Max-Eyth-See. Foto: Max Kovalenko

Alle paar Jahre kocht die Idee hoch, in Stuttgart Badeseen auszuweisen. Nun liegt der Vorschlag von der CDU auf dem Tisch. Bei den Grünen und der SPD kommt er nicht gut an. Der Chef des Anglervereins Württemberg, Hans-Hermann Schock, ist indes begeistert.

Stuttgart - Alle paar Jahre kocht die Idee hoch, in Stuttgart Badeseen auszuweisen. Nun liegt der Vorschlag von der CDU auf dem Tisch. Bei den Grünen und der SPD kommt er nicht gut an. Der Chef des Anglervereins Württemberg, Hans-Hermann Schock, ist indes begeistert.

Herr Schock, Sie sind der Vorsitzende des Württembergischen Anglervereins. Haben Sie jemals schwarz geangelt?
Natürlich. Ich bin in Wangen aufgewachsen. Da war ich als Kind oft mit Stock und Angelhaken am Neckar unterwegs.
Heute halten Sie es mit anderen Verboten auch nicht so streng.
Ich würde mich freuen, wenn das Baden im Bärensee und im Max-Eyth-See freigegeben würde. Das wäre genial.
Kann es sein, dass Sie mit Verboten generell ein Problem haben?
Sie sprechen mit einem alten 68er.
Wären Sie nach der Freigabe eines Badesees als einer der Ersten im kühlen Nass?
Bestimmt nicht. Nur an einem warmen Tag und wenn der Max-Eyth-See mindestens 25 Grad hat. Ich bin ein absoluter Warmbader.
Der Bärensee als Badesee, was wäre daran genial?
Ein See im Wald, mit einer tollen Wasserqualität, das hätte Charme.
Aber es gibt in der Nähe kaum Parkplätze.
Deshalb wäre der Bärensee auch nie überlaufen. Wer dort schwimmen will, muss vorher ein paar Meter laufen.
Und was qualifiziert den Max-Eyth-See als Badesee?
Er ist schon jetzt beliebt bei den Menschen. Hier gibt es eine Infrastruktur mit zwei Stadtbahnhaltestellen, Toiletten und Gastronomie. Außerdem liegen beide Seen an gegenüberliegenden Grenzen im Stadtgebiet. Das heißt kurze Wege für die Nutzer.
Für einen Angler ist Ihre Haltung beim Thema Badeseen überraschend.
Übrigens auch für manche meiner Anglerkollegen . . .
. . . denn Angler sehen im Schwimmer einen natürlichen Feind.
Zum Verständnis: Die Angler sind die Einzigen, die für die Nutzung eines Gewässers zahlen – und nicht zu wenig. Andere nutzen es umsonst und beeinträchtigen es sogar noch. Daher ist der Vorbehalt vieler Angler verständlich – aber nicht unbedingt richtig.
Beide als Badeseen diskutierte Gewässer sind von Ihrem Anglerverein als Fischgewässer gepachtet. Fürchten Sie nicht, dass die Fische durch Schwimmer beunruhigt werden?
Nein. Im Winter sieht das bei einer Nutzung der Seen durch Eisläufer anders aus.
Als Befürworter von Badeseen machen Sie sich unter Ihren Anglerkollegen keine Freunde. Müssen Sie sich jetzt um die Wiederwahl als Vereinsvorsitzender sorgen?
Ich mache diese Aufgabe gern. Eine Abwahl würde mich treffen. Aber ich bleibe dabei: Angler sollten über die Spitze ihrer Angelrute hinaus denken . . .
. . . und die Badesee-Idee unterstützen?
Der Max-Eyth-See ist, das sieht man jedes Wochenende, ein Freizeitsee. Ich halte es für menschenverachtend, dass man an einem der wenigen Seen, die es in Stuttgart gibt, die Menschen aussperrt.
Das sind starke Worte.
Es ist schön, dass am Max-Eyth-See inzwischen vier Nachtreiher leben. Weniger schön ist, dass man deshalb 600 000 Stuttgarter Bürger vom See wegsperrt.
Die Gegner der Badeseen führen Argumente wie die Wasserqualität ins Feld.
Dieses Argument sticht am Bärensee nicht. Dort gibt es eine Topwasserqualität. Auf der Hirschwiese ließe sich ein tolles Badegelände einrichten.
Doch der Naturschutz ist das große Hindernis.
Dazu sollte man einfach in die Naturschutzverordnung für den Rotwildpark schauen. Schutzzweck dort ist die Erhaltung des historischen Weidewalds. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Badende Buchen und Eichen schädigen.
Das Gebiet ist seit 1992 auch Erholungswald.
Schwimmen ist nichts anderes als aktive Erholung. Man müsste aber vom benachbarten Neuen See und vom Pfaffensee die Finger lassen. Das wäre ein sauberer Kompromiss.
Am Max-Eyth-See stellt sich aber das Problem mit der Wasserqualität.
Ich weiß, dass es am Max-Eyth-See Probleme mit der Wasserqualität gab. Koliforme Bakterien kamen immer über den Neckar in den See. Dieser Zufluss ist jetzt geschlossen.
Sind die krankheitserregenden Keime inzwischen verschwunden?
Das weiß ich nicht. Seit zwei Jahren wird dort sauberes Wasser eingeleitet. Im Übrigen: Jedes Problem kann man lösen – wenn man es lösen will.
Höre ich da Kritik an der Stadt raus?
Ich erinnere an die Olympiabewerbung des früheren OB Schuster. Der wollte 2012 bei Olympia in Stuttgart die Triathleten in den Max-Eyth-See springen lassen. Bereits 2011 sollte es dort Vorwettkämpfe geben.
Waren das falsche Versprechungen?
Nein, man hätte die Badewasserqualität erreicht. Wenn man es will, dann geht das.
Inzwischen will man es nicht mehr?
Für die Sportler der Welt hätte man es gemacht. Jetzt aber, 2013, macht man es für die Stuttgarter nicht.
Hat sich unter dem neuen Grünen-Oberbürgermeister etwas geändert?
Im Rathaus glaubt man vielleicht, dass es in Stuttgart keinen Bedarf für Badeseen gibt. Frei nach dem Motto: Die Rentner gehen nicht schwimmen, die gehen am Montag zur Demo.
Dabei war der Max-Eyth-See vor dem Krieg viele Jahre lang ein sehr beliebter Badesee.
Er war sogar 1926 ausdrücklich als Erholungs- und Badesee angelegt worden.
Der See war ursprünglich eine Kiesgrube.
Das behauptet die Stadt wider besseres Wissen. Ich habe die Originalpläne gesehen. Die Stadt lügt hier.
Glauben Sie, dass die Stadt beim Thema Badeseen je über ihren Schatten springen kann oder will?
Keine Ahnung. Vermutlich wird der Druck von Nabu und BUND so groß sein, dass die Grünen das nicht machen. Dabei sollte die Stadt dringend etwas tun, denn es ist borniert, die eigenen Bürger von ihren Seen wegzusperren.
Wir stellen fest: Gewässer, vor allem Seen, sind und bleiben ein emotionales Thema.
Das liegt sicher daran, dass die Menschen am Wasser glücklich sind. Das gilt für die Badenden genauso wie für die Angler.
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