Ein Mammutprojekt: Das städtische Gebäude mit Kita im Neubaugebiet Korntal-West ist wohl im dritten Quartal 2025 fertig. Foto: Simon Granville

Das Zahlenwerk der Stadt Korntal-Münchingen ist eingebracht. Alexander Noak spricht von einer „sehr angespannten finanziellen Lage unserer Kommune“. Trotzdem, er gibt sich zuversichtlich – und verteilt in bewährter Manier ein zur Rede passendes Präsent.

Eine Million Euro günstiger wird das Gebäude mit Kita, geförderten Mietwohnungen und Demenz-WG der Stadt Korntal-Münchingen im Neubaugebiet Korntal-West. Und auch für den Bau der Mehrzweckhalle in Münchingen gibt die Stadt Stand jetzt eine Million Euro weniger aus als geplant. Nichtsdestotrotz, das sind bloß Tropfen auf den heißen Stein. Die Kommune ächzt unter den Ausgaben, mit denen sie sich generell konfrontiert sieht.

 

Das Investitionsprogramm sei weiter vor allem durch die zwei Großbauprojekte mit rund 16 beziehungsweise 22 Millionen Euro schwer belastet, stellt der Bürgermeister Alexander Noak (parteilos) in seiner Rede zum Haushalt fest. Im Planjahr 2025 hätten circa 35 Millionen Euro eingestellt werden müssen, mittelfristig seien Investitionen von 78 Millionen Euro veranschlagt.

Bürgermeister: „In kaum einem anderen Jahr war es schwieriger“

Um nur ein paar zu nennen: Die Sportplätze in Korntal und Münchingen werden saniert – macht 3,5 Millionen Euro. Die Münchinger Sporthalle wird generalüberholt – macht 5,5 Millionen Euro. Ebenfalls in Münchingen wird das Feuerwehrhaus erweitert – macht 5,1 Millionen Euro, und die Stuttgarter Straße wird weiter neugestaltet – macht 7,8 Millionen Euro. „Die finanzielle Lage unserer Kommune ist aufgrund einer Reihe von äußeren Einflüssen sehr angespannt“, beschreibt der Rathauschef die Situation der Stadt. Den Entwurf des Haushaltsplans für kommendes Jahr zu erstellen, sei kein leichtes Unterfangen gewesen und habe die Verwaltung sowie den Gemeinderat stark gefordert. „In kaum einem anderen Jahr war es schwieriger“, so Noak.

Zu schaffen machen der Kommune sowohl die „derzeit schwächelnde Wirtschaftslage“ – ein Rückgang der Wirtschaftskraft schmälere die Einnahmen aus den Gemeinschaftssteuern und dem Finanzausgleich – als auch die „erhebliche Erhöhung“ der Kreisumlage um 3,5 Prozentpunkte. Die Kreisumlage verlangen die Landkreise von ihren Kommunen, um ihren Finanzbedarf zu decken. Die Erhöhung führt in Kommunen zu weniger Geld für eigene Projekte.

1360 Einwohner sind einfach weg

Außerdem vermisst Korntal-Münchingen nach dem Zensus 2022 Einwohner – wie viele andere Kommunen auch. Laut der jüngsten Volkszählung hat Korntal-Münchingen 1360 Einwohner weniger als angenommen. Landkreisweit sind 20 000 Einwohner verschwunden. „Bei einer Bestätigung dieser rückläufigen Bevölkerungsentwicklung würde dies für uns nicht nur einen Rückgang an steuerlichen Einnahmen, sondern auch eine Neubewertung unserer Infrastruktur, Planungen und Investitionen bedeuten“, meint der Bürgermeister.

Der Kämmerer Frank Benz sagt, nächstes Jahr werde der Stadt die Hälfte der „verlorenen“ Einwohner mit 680 berechnet, was zu rund einer halben Million Euro weniger Zuweisungen führe. „Ab 2026 werden dann alle 1360 ‚verlorenen’ Einwohner angerechnet, diese schlagen mit rund einer Million Euro weniger Zuweisungen zu Buche.“ Da sich aber die Orientierungsdaten halbjährlich ändern, ändern sich auch diese Zahlen noch, fügt der Fachbereichsleiter Finanzen hinzu.

Zum 30. Juni hatte die Stadt zensusbereinigt 19 429 Einwohner. Im Dezember 2022 hatte die Stadtverwaltung noch verkündet, die 20 000. Einwohnerin begrüßt zu haben.

Stadt will Gewerbeflächen bereitstellen

Auch die „zunehmende Aufgabenlast“ durch den Gesetzgeber belastet die Stadt. Beispielsweise muss sie vom Schuljahr 2026 an Grundschulkindern stufenweise einen Ganztagsplatz bieten. „Ein weiteres Beispiel für eine kaum zu bewältigende Aufgabe stellt die Integration von Geflüchteten dar“, sagt Alexander Noak und auch, es sei klar, dass die Kommunen unter diesen Bedingungen an ihre Grenzen stoßen. Nötig seien eine „immense Flexibilität und eine Bereitschaft zur Veränderung“. Zugleich Resilienz.

„Wir müssen aktiv werden, um die Grundlage für eine zukunftsfähige und solide Finanzstruktur zu schaffen“, betont der Rathauschef. Ein erster Schritt sei die Optimierung der Verwaltungsorganisation. Unter anderem muss nach Noaks Ansicht auch der Wirtschaftsstandort gesichert und gefördert werden. „Wir müssen alles daransetzen, unsere Unternehmen zu unterstützen, sei es durch den Abbau bürokratischer Hürden oder durch die Schaffung von neuen, attraktiven Gewerbeflächen.“

Zuversicht ist da

Die Gewerbesteuer (16 Millionen) gehört wie der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer (fast 17 Millionen) zur „wichtigsten Einnahmeposition“ im Haushalt der Stadt.

Trotz allem, der Bürgermeister äußert sich zuversichtlich. Er sei „fest davon überzeugt“, mit der Umsetzung genannter Aspekte die Grundlagen für eine zukunftsfähige und resiliente Kommune schaffen zu können. Um widerstandsfähiger zu werden, gelte es, das System zu stärken – wie bei einer körperlichen Abwehr, so Noak. Er hat es sich zur Gewohnheit gemacht, ein zur Haushaltsrede passendes Präsent zu verteilen. Dieses Mal: einen Ingwer-Shot für jeden. So wie der Ingwer die Abwehrkräfte des Körpers aktiviere, „so müssen wir durch gezielte, energische Schritte unsere ‚Abwehrkräfte’ stärken, um uns gegen die äußeren Belastungen zu wappnen“. Ein „Shot“ aus Innovation, Effizienz und strategischem Handeln.

Das Defizit im Haushalt steigt

Der Ergebnishaushalt – Erträge versus Aufwendungen – weist laut Noak über den gesamten Finanzplanungszeitraum ein Defizit aus. In 2025 sind es rund 1,2 Millionen Euro. Er könne ausgeglichen werden, noch. Mittelfristig, sobald der Gewinnvortrag aus Vorjahren aufgebraucht sei, könne der Haushaltsplan dies nicht mehr. „Das ist neu.“