Durften sich in Mailand nur aufwärmen: Angelo Stiller (Zweiter v. li.) und Maximilian Mittelstädt (rechts daneben). Foto: imago//Nico Herbertz

Fünf VfB-Profis hat der Bundestrainer nominiert – und alle fünf waren beim 2:1-Sieg der DFB-Elf in Mailand nur Ersatz. Warum das so war? Julian Nagelsmann gibt Antworten.

Es ist noch nicht so lange her, da nahmen die Profis des VfB Stuttgart in der DFB-Elf Hauptrollen ein. Vom VfB Deutschland war deshalb die Rede, aus guten Gründen. Denn Alexander Nübel stand zumindest zeitweise im Tor, Maximilian Mittelstädt spielte hinten links. Angelo Stiller wiederum durfte sich im zentralen Mittelfeld versuchen (und der Versuch gelang), Deniz Undav startete vorne durch, Jamie Leweling machte im ersten Länderspiel gleich sein erstes Tor – und auch Chris Führich stand bisweilen zumindest als Joker auf dem Platz. Das war die Gemengelage im vergangenen Herbst.

 

Jetzt hat der VfB den Frühjahrsblues. Auf die Nominierung des Bundestrainers Julian Nagelsmann für die beiden Italien-Spiele hatte das aber kaum Auswirkungen, nur Führich war nicht dabei. Doch das berufene Stuttgarter Quintett fand sich nun in Mailand am Donnerstagabend (2:1) auf der Bank wieder. Nur Jamie Leweling wurde in der 66. Minute eingewechselt und fiel nicht weiter auf – weder positiv noch negativ.

Der VfB ist eine Bank für Deutschland, doch nun gilt das in anderem Wortsinn.

Bei Keeper Alexander Nübel war der Fall vorher klar gewesen, er hatte den Konkurrenzkampf mit dem in Mailand überragenden Oliver Baumann verloren. Beim derzeit formschwachen Undav war der Bankplatz nur logisch. Überraschender kamen da schon die Nicht-Berücksichtigungen von Mittelstädt und Stiller daher.

Raums Emotionalität

Spät am Donnerstagabend berichtete Nagelsmann in den Katakomben des Giuseppe-Meazza-Stadions über seine Beweggründe gegen die beiden VfB-Profis – und für deren Konkurrenten. Anstelle von Mittelstädt durfte David Raum von RB Leipzig ran. „Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten“, sagte der Bundestrainer: „Ich finde Maxi und David sind auf einem Niveau, die Entscheidung ist leistungstechnisch nicht begründbar – es war eine Bauchentscheidung. David hat eine krasse Emotionalität, und auswärts war es die Idee, dass er die reinbringt.“ Es sei aber nicht so, sagte Nagelsmann weiter, „dass Maxi nicht emotional ist“.

Raums Niveau jedenfalls war in Mailand nicht hoch. Ein Stellungsfehler, ein Steilpass in seinen Rücken, fertig war die Vor-Entstehung des frühen italienischen 1:0. In der Folge war Raum dann meist weiter fahrig unterwegs und betrieb so wenig Eigenwerbung. In der Halbzeit wechselte Nagelsmann ihn aus – doch es kam nicht Mittelstädt, sondern der Innenverteidiger Nico Schlotterbeck von Borussia Dortmund. Was wiederum etwas mit Mittelfeldmann Leon Goretzka zu tun hatte. Oder besser: mit dessen Positionierung.

Ein anderer Dreieraufbau

Die war in der ersten Halbzeit noch tief, der Rückkehrer ließ sich also in Ballbesitz oft nach hinten fallen, um den Aufbau mit den beiden Innenverteidigern mitzugestalten. In Hälfte zwei beorderte Nagelsmann den Profi des FC Bayern nach vorne, oft sogar bis auf die Zehnerposition. Den Dreieraufbau sollten nun andere übernehmen. „Wenn wir Leon auf der Zehn haben, brauche ich einen anderen, der in den Dreieraufbau geht“, sagte Nagelsmann: „Deswegen haben wir Schlotti genommen, weil ich Maxi Mittelstädts Qualitäten nicht im Dreieraufbau sehe.“

Goretzkas tiefe Positionierung in der ersten Halbzeit hatte wiederum auch mit dem Bankplatz des nächsten VfB-Profis zu tun. So saß auch Angelo Stiller in Mailand draußen – weil es Goretzka war, den Nagelsmann als Aufbauspieler hinten mit den beiden Innenverteidigern vorgesehen hatte. Den zweiten zentralen Mittelfeldplatz bekam Pascal Groß von Borussia Dortmund. „Wir haben neben Leon einen offensiveren Sechser gebraucht“, sagte Nagelsmann: „Angelo steht in Stuttgart in Ballbesitz oft auch sehr tief, teilweise baut der VfB ein Spiel zu viert und zu fünft auf und er ist immer dabei – Angelo ist jetzt nicht dieser klassische Verbindungsspieler nach vorne.“

Angelo Stiller (Zweiter von links) und Maximilian Mittelstädt (Zweiter von rechts) bei der Platzbesichtigung vor dem Spiel mit VfB-Kollege Jamie Leweling (links) Foto: dpa/Federico Gambarini

Genau den sollte Groß nun in Mailand verkörpern. „Er war in den Trainingseinheiten sehr spielaktiv und hat in den letzten Wochen sehr offensiv gespielt in Dortmund, deshalb haben wir uns für ihn entschieden“, sagte der Bundestrainer weiter.

Spielt Groß in Dortmund wieder?

Groß machte seine Sache in der ersten Halbzeit aber weniger gut, er brachte kaum Struktur ins Spiel und leistete sich einige Fehlpässe. In Hälfte zwei steigerte sich der BVB-Profi jedoch, weshalb es nicht ausgeschlossen ist, dass er an diesem Sonntag (20.45 Uhr/RTL) wieder zum Zug kommt.

Dann steigt in Dortmund das Rückspiel gegen die Italiener. Und dann winkt womöglich auch Maximilian Mittelstädt wieder ein Platz in der Startelf – nach dem schwachen Auftritt seines Konkurrenten in Mailand.