So wie ursprünglich geplant: Die beiden Architekten Charlotte Frank und Axel Schultes blicken im Kanzleramt auf ihr Modell für einen Erweiterungsbau. Foto: dpa

Angelehnt an den Originalentwurf für ein „Band des Bundes“ quer durch die deutsche Hauptstadt soll ein Erweiterungsbau für 460 Millionen Euro dem gestiegenen Platzbedarf der Regierungszentrale Rechnung tragen – das aber wird dauern.

Berlin - Angela Merkel hat die Pläne für gut befunden, auch wenn sie bei der Einweihung des Erweiterungsbaus längst nicht mehr Hausherrin im Bundeskanzleramt sein wird. Mehr als vier Jahre lang soll jetzt geplant, finanziert und genehmigt werden, ehe dann mit dem Jahreswechsel 2023/2024 weitere vier Jahre Bauzeit beginnen. Wer wohl die für 2028 vorgesehene Eröffnung feierlich begehen wird?

Insgesamt 460 Millionen Euro will sich der Bund den halbrunden Bürotrakt am Ende des Kanzlerparks kosten lassen, der vom Hauptgebäude aus über eine Brücke über die Spree zu erreichen ist. Die inflationsbedingten Mehrkosten sind darin naturgemäß noch nicht enthalten, aber es handelt sich auch so schon um einen stolzen Preis – jeder der 400 neuen Büroarbeitsplätze schlägt mit etwas mehr als einer Million Euro zu Buche.

Die sind nötig nach Ansicht von Kanzleramtschef Helge Braun, der die Erweiterungspläne am Dienstag vorgestellt hat. Im Beisein von Petra Wesseler, der Präsidentin des zuständigen Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung, sowie des Architektenduos Axel Schultes und Charlotte Frank berichtete der CDU-Politiker, dass die Berliner Regierungszentrale im Eröffnungsjahr 2001 insgesamt 410 Mitarbeiter beschäftigte und für weitere 50 ausgelegt war. Mittlerweile aber stehen 750 Beamte in Diensten des Kanzleramts. Seine Bedeutung ist gewachsen, in der Europapolitik etwa, die noch vor zehn Jahren viel stärker im Auswärtigen Amt verantwortet wurde. Zuletzt ist im Kanzleramt eine neue Abteilung für die Digitalisierung geschaffen worden.

Viele Abteilungen ausgelagert

Den „Problemdruck“, der daraus entstanden ist, schilderte Helge Braun: Mehrere Abteilungen sind inzwischen ausgelagert worden. Zum Missfallen der Finanzministeriumsbeamten ist eine Etage im Gebäude an der Wilhelmstraße inzwischen für die Kollegen aus der Regierungszentrale reserviert – dem Vernehmen nach sind die Gespräche in der Teeküche mittlerweile nicht mehr ganz so offen. Auch in einem Bürobau am Kapelle-Ufer, das das Ministerium für Bildung und Forschung beherbergt, ist zusätzlich die Kanzleramtsabteilung 3, zuständig für Sozial-, Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik, ausgelagert worden. Die Büros dort eröffnen zwar einen schönen Blick auf das eigentliche Kanzleramt, der Weg dorthin aber zieht sich. Im Haupthaus selbst sind die Mitarbeiter indes „zusammengerückt“, wie Braun meinte, als er die Doppelbelegung vieler Räume beschrieb.

Der Erweiterungsbau, der die Probleme in nicht ganz naher Zukunft lösen soll, wird den Kanzlerpark umschließen, im öffentlichen Raum entlang der weiterhin offenen Spazierwege stehen und nicht umzäunt sein. Die Sicherheit soll dadurch garantiert werden, dass das Erdgeschoss fensterlos wird. Die Strecken für die Mitarbeiter werden durch den Erweiterungsbau noch länger – 300 Meter sind es bis ans Ende des Parks. Bei schlechtem Wetter werden sie zudem „Schirm und Mäntelchen“ brauchen, wie Architekt Schultes einräumt, weil an einen überdachten oder unterirdischen Zugang zum Hauptgebäude nicht gedacht ist. Trösten können sich die Beamten damit, dass ins Nebengebäude eine zweite Kantine und eine Kanzleramts-Kita kommen. Als architektonischen Höhepunkt der eher funktionalen neuen Anlage sieht Schultes den Hubschrauberlandeplatz – in luftiger Höhe wird eine runde Plattform über den Park ragen, um die Grünanlage darunter nicht weiter zu beeinträchtigen.

Erweiterungsplan lange vorgesehen

Froh sind die Architekten, dass der Erweiterungsbau schon im Originalkonzept für ein „Band des Bundes“ vorgesehen war und mit Verspätung nun verwirklicht wird. Das Band verbindet in Ost-West-Richtung die einst geteilte Stadt. Komplett wird es aber auch mit dem Kanzleramtsbau nicht sein. Das ursprünglich zwischen Regierungszentrale und Paul-Löbe-Haus des Bundestags geplante Bürgerforum wurde auch aus Sicherheitsgründen nie realisiert. „Mit 75 Jahren habe ich die Hoffnung aufgegeben, das noch zu erleben“, antwortete Schultes auf die Frage, ob im Zuge der neuen Pläne auch über einen Lückenschluss gesprochen worden sei. Die Bundesamtschefin Petra Wesseler gab sich diesbezüglich optimistischer: „Irgendwann kommt da was – es gibt so Themen, die brauchen einfach eine gewisse Reifezeit.“

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