Die Kindersportschulen im Rems-Murr-Kreis bieten dem Nachwuchs verschiedenste Programme. Die Coronapandemie hatte viele Mädchen und Jungen in ihrem Bewegungsdrang ausgebremst.
Wenn 60 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren eine Woche lang tagtäglich auf einem Haufen beieinander sind, dann bedeutet das Stress für die Betreuer. Nicht nur bei der „Olympiade“ zum Abschluss des Ferienangebots der Kindersportschule Stetten braucht es neben Fitness auch psychologische Kenntnisse. Einer will auf dem Airtramp getröstet, die andere nach dem Elfmeterschießen gelobt werden. Und immer wieder muss auch jemand, bevorzugt Kiss-Leiter Moritz Klenk, einfach nur Ordnung in das vielstimmige und vielbeinige Chaos bringen, etwa beim Ausflug nach Tripsdrill oder ins Hallenbad nach Rommelshausen. Schon seit dem Jahr 2001 gibt es die Kiss in dem Teilort von Kernen, und seitdem bringt sie den Nachwuchs in Bewegung. Nach der Coronapandemie, in der die Kinder eine lange Zeit zum sportlichen Nichtstun verdammt waren, ist das umso wichtiger.
Schwimmen ist wieder im Programm
In der Bewegungswelt des SG Schorndorf, deren Herzstück die Kiss ist, boomen zurzeit Trendsportarten wie beispielsweise Parkour und Ninja. In der Kindersportschule des VfL Waiblingen ist seit dem Vorjahr Schwimmen wieder im Programm, und in Winnenden kam nach der Pandemie Kinder-Yoga ins Angebot. Und alle Vereine können aufatmen. Der Zustrom von Kindern auf die sportlichen Angebote ist nach anfänglicher Zurückhaltung mittlerweile ungebrochen groß.
„Wir haben fast 300 Kinder in der Kindersportschule und in der Schwimmschule“, sagt Wolfgang Hoß, der Vorsitzende des TV Stetten. „Es könnten noch viel mehr sein. Aber wir haben nicht genug Übungsleiter.“ Also gibt es eine Warteliste. Viele Jahre, erzählt Wolfgang Hoß, seien fehlende Hallenkapazitäten Grund für die limitierte Aufnahme gewesen. „Mittlerweile mangelt es uns an Manpower.“ Auch deshalb dürfen die älteren Kinder der Kiss, die Neun- und Zehnjährigen, einmal im Jahr in die Abteilungen des Turnvereins hineinschnuppern. Denn die Kindersportschule ist für die Grundlagen da, für das Körpergefühl und die allgemeine Beweglichkeit. Die Spezialisierung finde dann in den Abteilungen statt, erklärt Hoß.
Im Sportpark des SV Winnenden war das Ferienangebot, ein Sport-und-Spaß-Camp, fünf Wochen lang nahezu ausgebucht. Jeweils 40 bis 60 Mädchen und Jungen konnten eine Woche lang durch den „Winners Dome“ auf drei Ebenen und mit einer Höhe von bis zu zehn Metern toben. Nachdem sie so lange ausgebremst waren, wollten sich die Kinder bewegen, erklärt Florian Ziech, Mitarbeiter der Kiss in Winnenden. „Zurzeit haben wir bis auf Kinder-Yoga keine neuen Angebote aufgenommen, aber wir planen, sowohl das Programm der Schwimmschule als auch der Kindersportschule zu erweitern.“ Allerdings seien der Entwicklung Grenzen gesetzt. „Wir haben auch einen ziemlichen Bedarf an Betreuern, da fehlen uns zurzeit Leute.“
Als die Kinder endlich aus dem Lockdown in die Turnhallen zurückkamen, ist nicht nur Wolfgang Liedtke, dem Leiter der Kindersportschule des SV Fellbach, aufgefallen, dass die Monate ohne Sport zu offensichtlichen Defiziten geführt haben. „Bei vielen Kindern hatten Koordination und Körpergefühl ziemlich nachgelassen, wir mussten viel auffrischen“, sagt auch Philipp Roser, Sportlehrer bei der Kiss der SG Schorndorf. „Aber je länger die Kids wieder im Trainingsbetrieb sind, desto besser läuft es.“
Von Ballsport bis Leichtathletik
In der Kindersportschule der SG Schorndorf lernen Mädchen und Jungen über mehrere aufeinander aufbauende Ausbildungsstufen verschiedenste Bewegungsangebote und Sportarten kennen – von Ballsport über Leichtathletik und Turnen bis Selbstverteidigung. Bei der Rück- und Neugewinnung des Nachwuchses setzt man dort neben dem klassischen Kursangebot aber auch auf Trendsportarten wie Parkour und Ninja. „Da ist der ganze Körper beteiligt, ohne, dass sich die Kinder schon auf bestimmte Bewegungen spezialisieren“, sagt Philipp Roser. „Außerdem gibt es keine Regeln, kein Team und keine Taktik. Die einzige Vorgabe ist das Hindernis, das bezwungen werden muss.“ Mit zwei Ninja-Kursen hätten sie im vergangenen Jahr angefangen, berichtet Philipp Roser. „Das hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen. In diesem Schuljahr haben wir schon drei Kurse mit jeweils 15 bis 20 Kindern.“ Und die SG Schorndorf hat einen Spezialisten für den Hindernislauf: Kiss-Sportlehrer Marco Layer war als Trainer bei der Fernsehsendung Ninja Warrior dabei.
Die Verantwortlichen haben sich neu aufgestellt
Auch in Waiblingen haben sich die Verantwortlichen seit der Pandemie neu aufgestellt. „Wir haben Schwimmkurse wieder in unser Programm aufgenommen“, sagt Nicole Wöllner, die zusammen mit Simon Basmann die Kiss leitet. „Zudem bieten wir den 400 Kiss-Kids in Kooperation mit den Abteilungen Zumba, Taekwon-Do und Judo an.“
Dass der Nachwuchs überhaupt zum Sport zurückkommt, liege auch an den Eltern, sagt Philipp Roser. „Wir erleben hier alles. Eltern, die ihre Kinder ins Training zerren und die wir sogar einbremsen müssen, weil sie den Kleinen fast zu viel zumuten. Aber die breite Masse möchte einfach, dass ihre Kinder sich wieder normal bewegen.“