Die gemütliche Wohnküche ist das Zentrum der neuen Wohngemeinschaft. Foto: Ines Rudel

Kurze Wege beim Einkaufen und ein enger Kontakt zur Nachbarschaft – das neue Konzept beim Wohnen für Menschen mit Handicap bietet Überraschendes.

Uhingen - Im unteren Filstal schafft die Diakonie Stetten mit Sitz in Kernen (Rems-Murr-Kreis) Wohnplätze für Menschen mit Handicap. Während in Uhingen in zentraler Lage drei Wohnungen angemietet wurden, um Platz für Wohngemeinschaften anzubieten, engagiert sich die Diakonie im Nachbarort Ebersbach sogar als Bauherrin. Dort entsteht ein Wohnhaus, das künftig eine Heimat für 24 Menschen mit Behinderung bieten wird.

Der Weg beim Einkaufen ist hier kurz

„Wir können gleich rübergehen, ich sehe, die Bewohnerin steht im Supermarkt auf der anderen Straßenseite schon an der Kasse.“ Das ruft eine Mitarbeiterin der Diakonie beim Blick vom Balkon den Wartenden zu, die sich in den Abendstunden beim Tag der offenen Tür in Uhingen noch kurz in der ersten bezogenen Wohngemeinschaft umschauen wollen. Das sei eben das Schöne am zentralen Standort in der Uhinger Bahnhofstraße, sind sich die Besucher einig: kurze Wege zu den Läden und den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Und im Erdgeschoss des Uigo genannten Neubaus finden sich außerdem ein Café und eine Bankfiliale. Die drei neuen Uhinger Wohngemeinschaften für jeweils drei Personen eignen sich nach Ina Binders Worten für Menschen, die tagsüber beispielsweise in einer Werkstatt arbeiten und nur nach Feierabend stundenweise unterstützt werden müssen. „Wir begleiten die Bewohner beim Gang zum Arzt und zu Behörden, gehen mit ihnen einkaufen und auf die Bank“, erklärt die Wohnverbundleiterin der Diakonie Stetten.

Die Diakonie Stetten setzt neuerdings auf kleinere Wohneinheiten

Auch ein paar Nachbarn schauen beim Tag der offenen Tür in der Bahnhofstraße vorbei. Gerade dieser Kontakt sei wichtig und sollte ausgebaut werden, meint Binder. Genau darauf ziele ja die inzwischen eingeleitete Dezentralisierung der Wohnangebote der Diakonie, erklärt auch Steffen Wilhelm, der Sprecher der Diakonie. Je nach Bedarf wolle man noch mehr solcher kleiner Wohneinheiten in den Kreisen der Region Stuttgart schaffen.

Denn eine eigene Bleibe ist gerade auch für Menschen mit Handicap ein großes Thema. Die Uhinger Wohngemeinschaften wenden sich an Menschen mit Handicap aus dem Kreis Göppingen, die beispielsweise von zu Hause ausziehen und mehr auf eigenen Beinen stehen möchten.

In den drei Wohngemeinschaften stehen für je drei Bewohner eigene Zimmer zur Verfügung. Dazu kommen eine Wohnküche, zwei Badezimmer und ein Balkon. Im Fall der bezogenen Wohngemeinschaft, in der zwei Männer und eine Frau leben, ist der Balkon besonders üppig ausgefallen und bietet Zutritt von jedem Raum.

Im benachbarten Ebersbach baut die Diakonie ein Wohnhaus in der Schulstraße mit 24 Einzelzimmern. Von Herbst 2019 an sollen dort Menschen leben, die einen ständigen Ansprechpartner brauchen. Außerdem wird es dort zwei Apartments für Kurzzeitgäste geben.

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