Teure Handyerträge sind nach wie vor ein häufiger Grund für Schulden, auch im Landkreis Ludwigsburg. Foto: dpa

Die Anlaufstelle im Landratsamt Ludwigsburg hat so viele Klienten wie nie zuvor. Doch die Geldnot ist nicht immer selbst verursacht – manche Unternehmen nutzen gerade die Sorglosigkeit von älteren Menschen aus.

Ludwigsburg - Die Suche nach dem großen Glück hätte Herbert Huber beinahe in die Obdachlosigkeit geführt. Der Rentner aus Ludwigsburg, der in Wirklichkeit anders heißt, hatte sich in der Hoffnung auf den einen großen Gewinn bei zahllosen Glückspielen angemeldet. Die meisten Anbieter kontaktierte er über das Telefon, sie warben mit großen Gewinnchancen und geringen Einsätzen. Huber gab sein Einverständnis, künftig von seinem Konto Geld abbuchen zu dürfen. Meist handelte es sich um geringe Beträge, weniger als 50 Euro. Doch die Abbuchungen summierten sich, bis schließlich nichts mehr ging. Bis das Geld nicht mehr vom Konto eingezogen werden konnte – weil es nichts mehr einzuziehen gab. Hubers gesamtes Vermögen war dahingeschmolzen, trotz einer stattlichen Rente konnte er nicht einmal mehr die Miete bezahlen. Der Vermieter drohte, ihn aus seiner Wohnung zu werfen. Da entschloss sich Huber, Hilfe zu holen.

Zahl der Beratungen ist um mehr als zwei Drittel gestiegen

Schicksale wie das von Herbert Huber hört Alf Scheible regelmäßig. Der 44-Jährige arbeitet als Schuldnerberater im Landratsamt Ludwigsburg. Wenn Klienten wie Huber zu ihm kommen, ist für Scheible Eile geboten. „Miet- und Energieversorgerschulden sind existenzbedrohend“, sagt der Jurist. Scheible und seine Kollegen gehen in diesen Fällen direkt auf die Unternehmen und Vermieter zu und bieten einen Vergleich an: Die Schulden werden reduziert und der Rest in Raten zurückbezahlt. Im besten Fall kann der Klient dann seine Wohnung behalten, und der Strom wird nicht abgedreht. Nach und nach wird die finanzielle Lage dann stabilisiert.

Insgesamt sechs Mitarbeiter sind für diese Hilfe beim Landkreis angestellt, und ihre Dienste werden immer häufiger benötigt. Kamen 2012 noch 457 Schuldner in die Sprechstunde der Beratungsstelle, waren es 2014 schon 771 – eine Steigerung um fast 70 Prozent. Für Scheible hat das mehrere Gründe. So spüren er und sein Team durchaus die zeitverzögerten Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Da das Beratungsangebot in den vergangenen Jahren zudem vergrößert worden sei, spreche man nun auch mehr Leute an. „Wir verlieren weniger Leute zwischen dem ersten Kontakt und der Aufnahme in die Beratung.“

„Den Umgang mit Geld muss man lernen“

Sitzen die Menschen erst einmal in Alf Scheibles Büro, sind grundsätzlich zwei Wege denkbar, wie sie ihre Schulden loswerden können: innerhalb einer außergerichtlichen Einigung oder durch ein Insolvenzverfahren. Der außergerichtliche Weg ist bei den meisten Klienten beliebter. Doch er setzt voraus, dass die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten – wozu immer weniger Firmen bereit seien, meint der Jurist Scheible. Gerade Mobilfunkunternehmen, deren Verträge nach wie vor ein häufiger Grund für Schulden seien, würden sich kaum mit den Rückzahlungen zufrieden geben, welche die Schuldner anbieten könnten.

Ältere Bürger wie Herbert Huber würden zudem immer häufiger Ziel von dubiosen Angeboten. Viele dieser Firmen, erzählt Scheible, kämen aus dem arabischen Raum, aus der Türkei oder aus Malta. Der Berater hat aber auch festgestellt, dass die Gründe für Geldnot nicht nur auf der Gläubigerseite liegen. „Den Umgang mit Geld muss man einfach lernen“, sagt Scheible. Seine Beratungsstelle macht daher Aufklärungsarbeit an Schulen. Auch, damit die Zahl der Klienten nicht noch weiter steigt.

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