Nick Woltemade (li.) gegen Jamal Musiala – sind die beiden bald Teamkollegen beim FC Bayern? Foto: Pressefoto Baumann

Nick Woltemade ist sich angeblich mit dem FC Bayern über einen Wechsel einig. Wie reagiert der VfB Stuttgart? Klar ist: Kommt es zu einem Transfer, gibt es einen neuen Vereinsrekord.

Dass der Profifußball ein schnelllebiges Geschäft ist, muss niemandem mehr erklärt werden. Nun aber könnte ein für die Fans des VfB Stuttgart weiterer schmerzhafter Beleg für die These folgen. Noch vor wenigen Tagen sagte Alexander Wehrle im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir gehen mit Nick Woltemade in die nächste Saison.“ Um dem Satz Nachdruck zu verleihen, fügte der Vorstandschef des VfB an: „Punkt.“ Das ist auch heute noch die Haltung an der Mercedesstraße. Auch wenn nun das Fragezeichen hinter dem Angreifer größer denn je scheint.

 

Die Redaktionen von „Bild“ und Sky berichteten am Donnerstagabend übereinstimmend von einem möglichen bevorstehenden Wechsel Woltemades. Mehr noch: Nach deren Informationen hat der Stürmer, der aktuell mit der deutschen U-21-Nationalmannschaft die EM in der Slowakei spielt, sich bereits mit einem neuen Arbeitgeber mündlich geeinigt. Es ist: der FC Bayern.

Es geht wohl um einen Vertrag bis 2030 beim Rekordmeister – der nun aber erst einmal in die Verhandlungen mit dem VfB einsteigen muss. Denn: Nick Woltemade besitzt in seinem Vertrag in Stuttgart (gültig bis 2028) keine Ausstiegsklausel, die eine Ablösesumme festschreibt. Bedeutet: Der Preis des 23-Jährigen ist frei verhandelbar.

Dass sich die Bayern ordentlich ins Zeug legen werden, wäre kein Wunder. Es geht für die Münchner einerseits darum, sich die sportliche Klasse Woltemades zu sichern. Der Ex-Bremer ist beim VfB binnen weniger Monate zum Torjäger, Pokalsieger und Nationalspieler aufgestiegen. Zudem werden die Münchner auch den Beweis antreten wollen, dass sie für Top-Spieler noch eine Top-Adresse sind.

Florian Wirtz, das vermutlich größte deutsche Talent, hat sich zuletzt gegen den FCB und für einen Wechsel zum FC Liverpool entschieden – für bis zu 150 Millionen Euro. Auch beim Spanier Nico Williams kommen die Münchner nicht voran. Dabei gilt es für Sportchef Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund, die Münchner Offensive neu aufzustellen, der Druck dabei ist hoch. Leroy Sané und Thomas Müller verlassen den Club, Serge Gnabry hat seine besten Zeiten hinter sich, Kingsley Coman ist oft verletzt. Harry Kane ist bereits über 30 Jahre alt und steht noch zwei Jahre unter Vertrag. Eine echte Back-up-Lösung für den Engländer gab es zuletzt nicht.

Rasante Entwicklung von Nick Woltemade

„Der Nick spielt richtig gut, ist sehr gut in Form. Ein deutscher Spieler, der sehr, sehr interessant ist“, sagte jüngst Freund über Woltemade, der bei der U-21-EM schon mehrmals getroffen hat, unter anderem am Mittwoch im Halbfinale gegen Frankreich (3:0). Am Samstag steht das Finale gegen England an. Allerdings: Der gebürtige Bremer, den der VfB zu Saisonbeginn gar nicht für seinen Champions-League-Kader nominiert hatte, liefert erst seit einigen Monaten so richtig ab. Den Beweis, dass er die aktuellen Leistungen über einen längeren Zeitraum und auch auf europäischem Topniveau bieten kann, muss er erst noch erbringen.

Sportlich würde ein Wechsel an die Isar für den 1,98 Meter großen Angreifer zudem zumindest ein kleines Risiko bedeuten. Woltemade will zur WM 2026 – dafür braucht er regelmäßige Einsätze und das volle Vertrauen des Trainers. Beides ist in Stuttgart unter Sebastian Hoeneß garantiert. Zudem stößt er wegen der EM-Teilnahme mit der U 21 erst spät in der Vorbereitung zum Team. Ein Gedankenspiel ist daher auch legitim: dass sich Woltemade trotz aktueller Einigung erst in einem Jahr dem FCB anschließt.

Die Bayern wären aber wohl bereit, gerade jetzt einen guten Preis für Woltemade zu zahlen – und könnten erneut für einen Transferrekord beim VfB sorgen. Teuerster Abgang der Vereinsgeschichte ist bislang Benjamin Pavard. Der Abwehrspieler ging 2019 für 35 Millionen Euro von Stuttgart nach München. Ihm folgt in der Liste Mario Gomez, der den VfB 2009 für 30 Millionen Euro für den FCB verließ. Jenseits der 50 Millionen Euro müsste das Angebot nun schon liegen. Dass Nick Woltemade in München ein Vielfaches seines bisherigen Gehalts beim VfB beziehen könnte, ist logisch.

Als er vor einem Jahr ablösefrei nach Stuttgart kam, war er nicht mal Bundesliga-Stammspieler, beim VfB gehört er längst nicht zu den Spitzenverdienern. Jüngst war darüber diskutiert worden, ob der Vertrag des 23-Jährigen aufgrund seiner Leistungen angepasst, die Bezüge angehoben werden. Gut möglich, dass dies nun gar nicht mehr nötig ist.

Allerdings: Noch ist es ein gewisser Weg bis zu einem tatsächlichen Transfer in diesem Sommer. Nach Informationen unserer Redaktion hat weder die Spielerseite noch der FC Bayern direkt mit dem VfB über einen Wechsel gesprochen.