Die jahrelange Flucht vor den Strafverfolgungsbehörden ist zu Ende: Der VS-Rotlichtkönig Armin Culum, besser bekannt als Boki, ist der Polizei ins Netz gegangen. Auch sein Sohn soll festgenommen worden sein.
Der Anführer der in Deutschland mittlerweile verbotenen United Tribuns sitzt hinter Gittern. Armin Culum, besser bekannt als Boki, wurde bei einer internationalen Polizeiaktion festgenommen.
Das berichtet der Schwarzwälder Bote und bezieht sich dabei auf Medienberichte aus Bosnien-Herzegowina. Der Rotlichtkönig von Villingen-Schwenningen, der kurz vor einer großen Razzia in der Doppelstadt vor 15 Jahren geflohen war, ist der örtlichen Staatsanwaltschaft am Dienstag übergeben worden.
An diesem Tag war eine großangelegte Polizeiaktion mit dem Namen „Geko“ angelaufen. Das erklärte die Bundespolizeiverwaltung von Bosnien-Herzegowina in einer Mitteilung am Mittwochmorgen: „Seit gestern Abend führt die Bundespolizeiverwaltung unter der Aufsicht der Staatsanwaltschaft von Bosnien-Herzegowina die operative Aktion Geko durch, mit dem Ziel, den Straftatbestand der organisierten Kriminalität zu dokumentieren. Im Rahmen dieser Aktion wurden mehrere Personen, Mitglieder einer internationalen kriminellen Gruppe, festgenommen.“ Hintergrund der Maßnahme sind laut den Behörde Ermittlungen wegen internationalem Menschenhandel, internationaler Prostitution und Geldwäsche.
Boki und sein Sohn saßen im Auto
Eine Sprecherin des Innenministeriums wird auf einer Nachrichtenseite dahingehend zitiert, dass es im Rahmen einer Verkehrskontrolle in Ljubuški (westliches Herzegowina) am Dienstagnachmittag zu Festnahmen kam. In einem kontrollierten Audi befanden sich demnach insgesamt fünf Personen.
Zwar nannte die Sprecherin lediglich die Initialen und Geburtsjahre der Betroffenen, örtliche Medien erhielten jedoch die Bestätigung, dass unter anderem Boki bei der Kontrolle festgesetzt wurde. Neben dem VS-Rotlichtkönig saß in dem Auto darüber hinaus wohl sein Sohn, A. Culum, und – wie Recherchen der Schwarzwälder Boten ergeben haben – zudem ein 34-jähriges Mitglied der United Tribuns, dem erst im vergangenen Jahr beim Landgericht Konstanz wegen Zwangsprostitution und Drogenhandels einer Bande aus dem Raum Villingen-Schwenningen der Prozess gemacht wurde. Er erhielt jedoch lediglich eine Bewährungsstrafe. Während der 34-Jährige wieder auf freiem Fuß sein soll, kamen Boki, sein Sohn und die übrigen Insassen des Audis der Sprecherin zufolge um 22 Uhr in Haft.
Der Sohn als Strippenzieher in VS?
Neben Boki war ebenso sein Sohn A. per Haftbefehl gesucht worden. Der 24-Jährige soll der Kopf der Bande in Villingen-Schwenningen mit Verbindungen zu den United Tribuns gewesen sein, die neben Drogen auch mit Frauen gehandelt hat. Der Ex-Nachwuchsspieler der Wild Wings soll nach Überzeugung der deutschen Behörden der verlängerte Arm von Boki sein, den man für eine Machtübernahme des Culum-Imperiums vorbereitet haben dürfte.
A. Culum soll eine tragende Rolle bei der Ausbeutung von Frauen im Rahmen der Zwangsprostitution in jüngster Zeit gespielt haben. Der 24-Jährige habe demnach die kriminellen Machenschaften des Menschenhandels in die Wege geleitet, die Frauen wurden dabei laut Staatsanwaltschaft mithilfe der Loverboy-Methode gelockt. Nachdem den Opfern die große Liebe vorgegaukelt wurde, isoliert man sie von Freunden und Familie, um sie von den Loverboys abhängig zu machen und dann zur Prostitution zu zwingen.
Durchsuchungen in Sanski Most
Kurz bevor die kriminelle Gruppe in VS von den Behörden hochgenommen wurde, tat es der 24-Jährige seinem Vater gleich und floh mutmaßlich nach Bosnien-Herzegowina. Genauer gesagt wohl nach Sanski Most, wo die Culums in einer Vila wohnen.
Kein Zufall dürfte es demnach sein, dass mit Unterstützung der Geheim- und Sicherheitsdienste und des zuständigen Innenministeriums ausgerechnet in Sanski Most diverse Hausdurchsuchungen im Rahmen der Aktion „Geko“ stattfanden, wie die örtlichen Behörden am Mittwoch mitteilten.
Bei den Durchsuchungen sind laut der Bundespolizeiverwaltung darüber hinaus „Schusswaffen, Geld, teure Autos, Motorräder, teure Uhren, bestimmte Dokumente und andere Gegenstände, die für die Ermittlungen verwendet werden, gefunden und beschlagnahmt“ worden.
Zusammenarbeit mit Deutschland, der Schweiz und Kroatien
In einer Mitteilung heißt es, dass „A.C“ – demnach Armin Culum – als Anführer einer internationalen kriminellen Vereinigung vermutet wird. In internationaler polizeilicher Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Kroatien seien entsprechende Beweise gesammelt worden. Auf deren Grundlage besteht der Verdacht, „dass die oben genannte Gruppe internationale illegale Prostitution organisierte“. Eine „große Anzahl von Mädchen“ – einige von ihnen minderjährig – hätten in Bosnien-Herzegowina und in Westeuropa sexuelle Dienstleistungen erbringen müssen.
Wie die Behörden erklärten, sei das „durch die kriminellen Aktivitäten erlange Geld durch den Kauf teurer Autos und Immobilien nach Bosnien-Herzegowina“ transferiert worden, um es so „in legale Ströme einzuschleusen“ – es also zu waschen. Das hatten die deutschen Behörden Boki bereits vor 15 Jahren vorgeworfen.
Korruption sorgte wohl für Narrenfreiheit
Bislang liefen die behördlichen Hilfeersuchen aus Deutschland in Bosnien-Herzegowina allerdings ins Leere. Auch 2019, als Boki im Zusammenhang mit Ermittlungen aufgrund eines Tötungsdelikts in seiner Heimat kurzzeitig in Haft kam. In Bosnien äußerten die Medien den nahe liegenden Verdacht der Korruption, die den Culums dort offenbar Narrenfreiheit ermöglicht.
Dass nun gegen die kriminellen Machenschaften des Culum-Clans vorgegangen wird, dürfte an den Hoffnungen von Bosnien-Herzegowina, der EU beitreten zu können, liegen. Im Rahmen der Beitrittsverhandlungen hatte man sich dazu verpflichtet, die Bekämpfung der organisierten Kriminalität anzugehen. Seitdem war Boki von der Bildfläche der sozialen Medien verschwunden. Der Schwarzwälder Bote mutmaßte deshalb im vergangenen Juli, dass die Luft für den Weltpräsident der United Tribuns deshalb immer dünner werden dürfte. Dies hat sich nun offenbar bewahrheitet.
Nermin Culum seit 2022 in Haft
Bereits seit August 2022 sitzt sein Bruder Nermin Culum hinter Gittern. Er war am Grenzübergang zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien festgenommen worden. Vorausgegangen war der Festnahme ein Haftbefehl der Schweizer Behörden. Im Kanton Aargau hatte demnach die Aussage einer Frau zu entsprechenden Ermittlungen geführt. Bereits im Alter von 15 Jahren habe sie für Boki, damals im Jahr 2008, in einem Villinger Bordell anschaffen müssen. Dabei war ebenso Nermin Culum belastet worden, der mittlerweile in die Schweiz ausgeliefert wurde.
Es scheint, wonach unter anderem die Ermittlungen der Schweizer Behörden im Zusammenhang mit der Festnahme von Nermin Culum die bedeutende Grundlage für die internationale Polizeiaktion „Geko“ war. Denn die Staatsanwaltschaft Aargau hatte auf Anfrage des Schwarzwälder Boten erklärt, dass die Untersuchungen eine internationale Tragweite hätten. Das würde zu der großangelegten Aktion der Bundespolizeiverwaltung von Bosnien-Herzegowina passen.