Andreas Häcker ist seit dem Jahr 2006 Abteilungskommandant in der Freiwilligen Feuerwehr Ditzingen. Schon dort ist er als Feuerwehrarzt tätig. Foto: factum/Granville

Man kennt ihn in Ditzingen als Mediziner, bei der Feuerwehr zudem als Abteilungskommandanten. Seit kurzem ist Andreas Häcker nun außerdem Landesfeuerwehrarzt – und wird maßgeblich mitbestimmen, wie Einsätze abzulaufen haben.

Ditzingen - Das Handy klingelt. Mehrfach. Immer ist es derselbe Anrufer; es ist der Vater, der an diesem Abend vergeblich ersucht, seinen Sohn zu erreichen. Irgendwann nimmt der Notarzt, der sich nach einem Autounfall um eben jenen schwer verletzten Sohn kümmert, den Anruf an. Mitten im Einsatz überbringt Andreas Häcker dem Vater die Nachricht vom Unfall des Sohnes. Es ist eine dramatische Situation, der junge Mann überlebt. Andreas Häcker hat viele solcher dramatischen Situationen erlebt. Notarzt – für ihn war das eine prägende Aufgabe.

Nach 21 Jahren hat der Ditzinger nun die leitende Notarzttätigkeit in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen aufgegeben. Irgendwann geht auch Andreas Häcker die Zeit aus. Der Abteilungskommandant der Ditzinger Feuerwehr ist schließlich vor wenigen Wochen zum Landesfeuerwehrarzt berufen worden, erst der vierte überhaupt. Damit wurde er ganz nebenbei auch Kreisfeuerwehrarzt. Wenn er eine Aufgabe übernehme, dann wolle er diese auch „gewissenhaft und komplett“ ausfüllen, sagt Häcker. Ganz abgesehen davon, dass der 55-jährige Familienvater seine Brötchen als Internist verdient, hat eben auch sein Tag lediglich 24 Stunden.

Vor allem eine beratende Aufgabe

Seit 1979 ist der Mediziner bei der Feuerwehr, er weiß wovon er spricht, wenn er nun als Landesfeuerwehrarzt um Rat gefragt wird, die medizinischen Aspekte der Einsatztätigkeit im Vorstand des Landesfeuerverbands zu Gehör bringt, sich kraft Amtes zudem auf Bundesebene mit Kollegen berät. „Der Vorstand ist ein Empfehlungsgremium“, sagt Häcker über die politische Arbeit. Der Verband berät das baden-württembergische Innenministerium.

Als Landesfeuerwehrarzt ist Häcker nicht im Einsatz, aber er wird maßgeblich an Richtlinien für Einsätze mitarbeiten. „Es ist eine Erweiterung des Horizonts“, sagt er. „Man trifft Entscheidungen, die eine Bedeutung haben.“

Dass er schon als Notarzt derlei Entscheidungen getroffen hat, erwähnt er nicht, ebenso wenig wie seine Verantwortung als Abteilungskommandant der Ditzinger Wehr. Stattdessen verweist er auf Peter Gsandner, der die Gesamtverantwortung trägt. Sich in den Vordergrund zu drängen ist Häckers Sache nicht.

Häcker widmet sich auch jetzt lieber den Fachfragen. Was etwa folgt daraus, dass beim Atemschutzgeräteträger im Einsatz der Puls steigt, der Blutdruck höher ist und selbst das Elektrokardiogramm Veränderungen aufweist? „Die medizinische Prüfung ist noch konsequenter durchzuführen“, sagt Häcker. Atemschutzgeräteträger seien in der Regel nicht länger als eine halbe Stunde im Einsatz. „Das ist eine psychische, körperliche und thermische Belastung.“ Häcker spricht von einem Feuerwehrmann, der unter Zeitdruck in ein 300 Grad heißes Gebäude geht, in dem er „die Hand nicht vor dem Gesicht sieht“, der sich in eine Situation begibt, in der er nicht weiß, ob nicht gleich ein Balken abstürzt, und dabei noch einen mehr als 30 Kilo schweren Rucksack bei sich trägt. Ganz zu schweigen von der Schadstoffbelastung, der alle Einsatzkräfte ausgesetzt sind.

Große Belastung für Einsatzkräfte

Häcker verweist auf Studien, denen zufolge Einsatzkräfte deutlich öfter urologische Tumore als ihre Altersgenossen entwickeln. Für den Landesfeuerwehrarzt bedeutet dies, auf das Schwarz-Weiß-Prinzip zu drängen, der strikten Trennung also von schmutzigen, verrußten und sauberen Bereichen. Was hilft es, wenn der Feuerwehrmann traditionell am Einsatzort in Einsatzkleidung vespert? Die Tradition bliebe gewahrt, doch der Ruß wird mitgegessen.

Andreas Häcker wird in Ditzingen weiter im Einsatz sein. Und er weiß, dass er wieder in Situationen kommen wird, die ihn prägen werden – wie jene vor einigen Jahren. Abends sah Andreas Häcker mit seiner Tochter einen Fernsehbeitrag über einen Tiefgaragenbrand, bei dem sieben Feuerwehrmänner starben. Zehn Minuten später wurde Häcker zu einem Einsatz gerufen und stand dann selbst in einer brennenden Tiefgarage in Ditzingen.

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