Andrea Berg hat sich immer einen Drachen gewünscht – und ihn jetzt als Bühne bekommen. Foto: Gottfried Stoppel

Die Fans sind mit dem Heimspiel von Andrea Berg hoch zufrieden – und die Schlagersängerin mit ihnen: „Einfach geil!“

Aspach - Sabine Schmid ist der gleiche Jahrgang wie ihr Idol, deren Konterfei sie auf einem T-Shirt trägt. Niemand kann mit 50 so aussehen wie Andrea Berg, räumt sie selbst ein. Aber die Schlagerkönigin halte sie und ihre Freundin jung. Die beiden Damen aus dem Donaustädtchen Günzburg haben nach einem Shopping-Abstecher in Metzingen direkt neben der Mechatronikarena ein kleines Zelt aufgeschlagen. Das muss reichen für die Nacht, die voraussichtlich aber ohnehin kurz sein wird.

Ingrid und Steffi: „Je öller, je döller“

Auch größere Gruppen sind angereist, um Andrea Berg bei deren 11. Heimspiel-Konzert in dem Fußballstadion im Aspacher Fautenhau zu erleben, viele sind Wiederholungstäter und auffallend viele -innen. Steffi und Ingrid, 62 und 58, vom Schaumburger Andrea-Berg-Fanclub haben sich zusammen mit weiteren Geschlechts- und Leidenschaftsgenossinnen eine gemeinsame Ferienwohnung gemietet. Angereist sind sie allerdings nicht aus der Nähe von Hannover, sondern vom Vogtlandkreis an der tschechischen Grenze. „Wir sind Sachsen“, erklären die beiden. Wieso dann Schaumburg? Die Berg-Fanclubs haben mit Lokalstolz offenkundig nicht viel zu tun. „Wir waren erst bei den Münchnern Mitglied, dann sind wir gewechselt, weil die Mitglieder dort netter sind.“ Welchen Titel sie an diesem Abend am liebsten hören wollen? „Diese Nacht ist jede Sünde wert“, sagt Steffi und Ingrid ergänzt mit lasziv zusammengekniffenem rechten Auge: „Je öller, je döller.“

Ein Feuerlöscher von oben

Doch es geht auch jünger. Ein wirklich fesches Paar mit Zungenpiercing, beide 27, hat eigens die Alpen überquert, um dabei zu sein. Die Karten seien ein Geburtstagsgeschenk gewesen, sagt er, der sich zwar zur Heimatstadt Salzburg und der Leidenschaft für Schlager bekennt, aber seine Identität der ihm unbekannten Zeitung lieber nicht preisgeben will. Auf seinem Schoß sitzt die achtjährige Tochter, die blonde Dame und der Herr mit dem Grunge-Bärtchen daneben entpuppen sich als die Großeltern, 52 und 53 Jahre jung.

Seit 16 Uhr harren die meisten nun schon aus, zwar hält das schwülwarme Wetter die angekündigten Gewitter noch im Zaum, und das Bier- und Sektangebot ist gut, doch DJ Erich Fuchs und die schwäbische Waldfee im Vorprogramm sind eben doch nicht ganz das, worauf alle warten. Dann geht es los. 20.45 Uhr, der Vorhang, der die Bühne vor Blicken verhüllt, wird gelüftet und Andrea Berg steht auf einem riesigen Drachenkopf, der Feuer speit. Nicht nur Steffi und Ingrid fangen an zu kreischen. Nahezu gleichzeitig haben sich freilich auch die dunklen Wolken über der Fußballarena geöffnet. Doch Andrea Berg lässt sich davon nicht beeindrucken. Im luftigen roten Kleid mit gezackten Flügelansätzen und dem Titel „Drachenreiter“ startet sie in den Abend und witzelt im Anschluss – in Anspielung auf ihren jüngsten Unfall mit der Pyrotechnik: „Hey, ich hab heute einen Feuerlöscher von oben.“

Aura und Ausstrahlung

„Die Berg ist einfach gut, die hat Aura und Ausstrahlung“, sagt Martin Weißenburger, den seine Frau überredet hat, mit aufs Konzert zu gehen, nachdem sie schon zweimal dabei war. Der 52-Jährige mit 20 Jahren Musikvereinserfahrung aus Ellwangen-Tannhausen ist Jahrzehnte lang ein glühender Fan der Schürzenjäger gewesen. „Die waren genauso wie die Berg: auf dem Boden geblieben. Mit denen konntest du einfach mal ein Bier trinken gehen“, sagt er. Die Schlager-Queen, hat er sich sagen lassen, sei sich noch nicht einmal zu schade, im Hotel ihres Gatten die Gäste zu bedienen. „Einfach toll“, findet er.

Andrea Berg findet ihre Fans und die Stimmung, „einfach geil!“. Einen Song nach dem anderen gibt sie zum Besten, meist fetzig, aber bisweilen auch ruhig. Immer wieder kommen kräftige Schauer auf. Doch die – um im Schlagerjargon zu bleiben - perlen an ihr und dem Publikum ab wie Tau in der Morgensonne, auch Florian Silbereisen und DJ Ötzi. Die sind als „Special Guests“ bei der Party mit dabei und trällern zwischendrin mit dem Publikum Klassiker anderer Interpreten wie „Griechischer Wein“ oder „Über den Wolken“.

Martin Weißenburger ist froh, dass nicht etwa Helene Fischer auf die Bühne ihrer Konkurrentin gestiegen ist, wie an einem Biertisch vor dem Konzert spekuliert worden war. „Die Fischer ist so glatt, die hat keine Kanten“, sagt er. Die Berg sei da ganz anders – nicht nur, weil sie rothaarig sei.

Bis in die Nacht hinein haben er und weitere gut 15 000 Fans mit ihrem Idol am Freitagabend gefeiert und das Ganze am Samstag noch einmal wiederholt.

Der Berg so nah wie nie

Nicht räumlich, aber im übertragenen Sinn „So nah wie nie“ kann man Andrea Berg noch einmal am 13. August erleben. Das zumindest verspricht die ARD. Sie will unter dem Titel von 20.15 Uhr an Ausschnitte aus dem Aspacher Konzert im Fernsehen zeigen sowie einen Blick ins Private der Schlagersängerin und hinter die Bühne werfen. Fragen wie „Welchen persönlichen Glücksbringer darf Andrea Berg auf keinen Fall zu Hause vergessen?“ oder „Wie wechselt sie innerhalb kürzester Zeit während der Show ihre atemberaubenden Kleider?“ will Florian Silbereisen dann beantworten.

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