Für die meisten Papierführerscheine ist die Umtauschfrist bereits abgelaufen – und auch Karten müssen nach und nach getauscht werden. Foto: imago/Fotostand/K. Schmitt

Am 19. Januar läuft die nächste Frist für den Umtausch alter Führerscheine ab. Die Antragsflut ist dementsprechend groß. Wie sieht es in der Region Stuttgart aus?

Anfang Dezember greift die Führerscheinstelle des Waiblinger Landratsamts zum letzten Mittel. Weil der Arbeitsumfang geradezu explodiert, bleibt sie vier Tage lang geschlossen, um Anträge abzuarbeiten. Denn die Kundenwünsche haben Richtung Jahresende enorm zugenommen. Nicht ganz überraschend: „Alle Jahre wieder“, kommentiert Carina Böhringer trocken, die im Rems-Murr-Kreis das Amt für Zulassung und Fahrerlaubnis leitet.

 

Der Grund: Bis spätestens 2033 müssen alle Führerscheine, die vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden, gegen den neuen EU-Führerschein getauscht werden. Der Umtausch erfolgt schrittweise. Die nächste Frist endet am 19. Januar 2026. Betroffen sind alle, deren Kartenführerschein zwischen 1999 und 2001 ausgestellt wurde. Wer noch einen solchen Führerschein besitzt, sollte jetzt schnell handeln.

Die nächste Frist für den Umtausch des Führerscheins endet am 19. Januar 2026

Bereits im Januar 2025 ist die letzte Frist für die meisten alten Papierführerscheine abgelaufen. Wer diesen Umtausch bislang versäumt hat, fährt seitdem mit einem ungültigen Führerschein und riskiert ein Verwarnungsgeld von zehn Euro. Wer vor 1953 geboren ist, muss erst bis 2033 umtauschen – unabhängig vom Ausstellungsjahr.

Ziel ist es, in der gesamten EU einheitliche und fälschungssichere Führerscheine einzuführen. Alte Papier- und Kartenführerscheine unterscheiden sich in Form, Sicherheit und Einträgen erheblich. Mit dem Umtausch sollen Passfoto und Personendaten regelmäßig aktualisiert werden. Deshalb ist der neue EU-Führerschein 15 Jahre gültig. Danach muss er erneut ausgestellt werden, ähnlich wie der Personalausweis. Damit sollen aktuelle Fotos und Daten sichergestellt werden.

Allerdings führt das bereits seit Beginn der Umtauschpflicht vor einigen Jahren regelmäßig dazu, dass rund um den Jahreswechsel in den zuständigen Behörden Hochbetrieb herrscht, teils lange Warte- und Bearbeitungszeiten anfallen. Das ist auch in Stuttgart und der Region so – wenngleich nicht überall so verschärft wie in Waiblingen.

Dort hat sich die Lage inzwischen etwas entspannt. „Weitere Schließtage sind nicht in Planung“, sagt Amtsleiterin Carina Böhringer. Das liegt auch daran, dass seit 1. Dezember ein Online-Umtauschantrag rund um die Uhr von zu Hause aus gestellt werden kann. Diese Möglichkeit werde von Anfang an „intensiv genutzt“. Weiterhin kann man den Antrag schriftlich einreichen, entweder über das Rathaus am Wohnort oder direkt beim Landratsamt. Das geht postalisch – eine persönliche Vorsprache ist nicht nötig.

Umtausch des Führerscheins: Explosion der Antragszahlen

„Erfahrungsgemäß gehen die Zahlen ab Oktober kontinuierlich nach oben, verdoppeln und verdreifachen sich und erst im Februar gehen die Antragszahlen langsam wieder zurück“, weiß Böhringer. Noch im Sommer waren es rund 500 Anträge pro Monat – im Dezember erreicht man diese Zahl innerhalb von zwei Tagen. Allein am 2. Dezember habe man 284 Anträge gezählt.

Diese Tendenz gilt auch für alle anderen Führerscheinstellen in der Region Stuttgart. In der Landeshauptstadt selbst verursacht das bisher allerdings noch keine größeren Probleme. „Bei der Führerscheinstelle sind seit dem 1. November Vorsprachen nur noch mit vorheriger Terminvereinbarung möglich“, sagt Sprecherin Frederike Myhsok. Schlangen bildeten sich dort deshalb nicht. Auch deshalb, weil der Führerschein in Stuttgart auch bei den Bürgerbüros getauscht werden kann. Dort entspreche die Nachfrage bislang dem üblichen Verlauf der vergangenen Jahre. „Den Höhepunkt erwarten die Bürgerbüros im Januar. Dann liegt die Zahl der Anträge etwa beim Dreifachen der durchschnittlichen Fallzahlen“, so Myhsok.

An der Stuttgarter Zulassungs- und Führerscheinstelle sollen solche Schlangen der Vergangenheit angehören. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Schließungen sind auch bei der Führerscheinstelle des Landkreises Esslingen nicht geplant. Obwohl die Zahl der Anträge auch hier deutlich zunimmt. Die Bearbeitungszeit hat sich derzeit aber auf etwa sechs Wochen erhöht. „Die Führerscheinstelle ist weiterhin zu den gewohnten Servicezeiten geöffnet“, heißt es dort. Man habe bereits vor dem Ansturm Gegenmaßnahmen ergriffen: „Mit der Umstellung auf Terminvereinbarung bei der Führerscheinstelle kann das Kundenaufkommen gleichmäßig über die Servicezeiten hinweg verteilt und somit die Wartezeit für die Kundinnen und Kunden minimiert werden.“ Der Antrag auf Pflichtumtausch kann von zu Hause aus online gestellt werden, persönlich bei der Führerscheinstelle in Plochingen oder beim Bürgermeisteramt des Wohnortes.

Im Landkreis Böblingen geht die Zahl der Anträge ebenfalls steil nach oben. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Führerscheinstelle arbeiten aber mit Hochdruck daran, den Rückstand nicht zu groß werden zu lassen“, sagt ein Sprecher. Eine Schließung der Führerscheinstelle sei derzeit nicht geplant. Ein Besuch der Führerscheinstelle ist für die Beantragung des neuen Führerscheins in der Regel nicht notwendig. „Die Kundinnen und Kunden können Ihren Antrag schriftlich bei uns einreichen, die entsprechenden Antragsformulare sind auf der Webseite des Landratsamtes hinterlegt.“ Bis der neue Führerschein ankommt, dauert es zurzeit aber rund zwölf Wochen.

Mancherorts ist die persönliche Abgabe des Antrags für den neuen Führerschein nötig

Im Landkreis Ludwigsburg arbeitet die Führerscheinstelle wegen des Andrangs mit einem zusätzlichen Schließtag. „Dieser wird ausschließlich zur Abarbeitung der eingegangenen Anträge genutzt und dient dazu, die Bearbeitungszeiten für die Bürgerinnen und Bürger möglichst kurz zu halten“, sagt eine Sprecherin. Der Umtausch könne auf zwei Wegen erfolgen: Entweder kann man die Unterlagen direkt beim Landratsamt Ludwigsburg einwerfen oder sie bei der für den Wohnort zuständigen Gemeinde abgeben.

„Viele Führerscheininhaberinnen und -inhaber führen den Pflichtumtausch kurzfristig vor Ablauf der Umtauschfrist durch. Deshalb ballen sich in diesem Zeitraum die Anträge“, heißt es auch im Kreis Göppingen. Eine Schließung der Führerscheinstelle sei aber nicht vorgesehen. Die Bearbeitung könne jedoch länger dauern. Der Antrag muss persönlich eingereicht werden – entweder bei der Führerscheinstelle oder bei der jeweiligen Gemeinde.