Frau Gallinats Vater posiert in Suriname voller Stolz auf seinem Mercedes Foto: Familie Gallinat

Die Welt wird bunter, die weißen Flecken werden weniger. Menschen aus Benin, Surinam, Botswana, Samoa, Papua-Neuguinea haben sich beim Mercedes-Museum gemeldet und gesagt: Wir waren da oder wir kommen bald. Nur noch zwei Länder fehlen, dann waren die Vereinten Nationen zu Gast.

Stuttgart - Aus Auenwald kommt der nächste Besucher. Am Dienstag werden sie Farida Gallinat im Mercedes-Museum mit allen Ehren begrüßen. Nun sind die Menschen am Rande des Schwäbischen Waldes durchaus eigensinnig, aber es ist keineswegs so, dass Auenwald seinen ­Austritt aus dem Land erklärt hätte und selbstständiges Mitglied der Vereinten ­Nationen geworden wäre. Nein, Farida ­Gallinat ist in Suriname aufgewachsen, einem Land in Südamerika, einst eine ­holländische Kolonie. Eine halbe Million Menschen leben in dem Land, das zwischen Brasilien, dem Atlantik und Guyana eingeklemmt ist. Das sind nicht all zu viele, ­weniger als es Stuttgarter gibt. Deshalb haben sie sich im Mercedes-Museum sehr gefreut, dass FaridaGallinat sich gemeldet hat. Und eine noch schönere Überraschung war, dass sie Fotos mitgeschickt hat. Ihr Vater war ein Mercedes-Fan. Er war Transport-Unternehmer und kutschierte die Menschen umher. Natürlich in einem ­Mercedes-Bus. Selbst fuhr er auch ein schwäbisches Auto. Das Familienfahrzeug war eine S-Klasse mit Heckflossen. Und wie man auf dem Foto oben sieht, war er merklich stolz auf seinen Wagen. Wenn man heutzutage all die Einheitsboliden mit ihren genormten Formen sieht, muss man sagen: Völlig zu Recht. Nicht nur, dass das Auto dem tropischen Klima trotzt, es ist auch ein Hingucker. Man muss ganz klar sagen, der Wagen ist museumsreif.

Besuch aus Suriname

Doch warum Suriname? Nun, beim Mercedes-Museum fragen sie Besucher regelmäßig, wo diese denn herkommen. Als sie diese Statistik auswerteten, stellten sie fest, dass Menschen aus 186 Nationen das Museum besucht hatten. Bei den Vereinten Nationen sind 193 Länder Mitglied. Pressesprecherin Friederike Valet: „Also haben wir uns hingesetzt und geschaut, wer fehlt eigentlich noch?“ Dabei kam heraus, es sind diese sieben Länder: Guyana und Suriname in Südamerika, Benin und Botswana in Afrika, Papua Neuguinea und der Südseestaat Samoa. Sowie St. Kitts und Nevis in der Karibik. Man setzte sich zum Ziel, diese Lücken zu schließen,um mit Fug und Recht behaupten zu können: Im Mercedes-Museum war die Welt zu Gast. Nun dürfen wir mit Fug und Recht behaupten: Die Welt liest diese Zeitung. Denn bevor überhaupt die geplante Werbekampagne in diesen Ländern anläuft, sind die Lücken schon fast geschlossen. Nach einem Artikel in unserer Zeitung über die Aktion wurde das Mercedes-Museum mit Mails und Briefen geflutet. Tenor: Wir kommen gerne, so wie Farida Gallinat. Und: Wir waren schon da. Denn wie das so ist mit Statistiken, sie haben ihre Schwächen. An vier Tagen im Monat sind sie im Museum am Erfassen der Nationalität. Da schlüpft so einiges durch. Die vorläufige Bilanz: Es fehlen nur noch Guyana und St.Kitts und Nevis. Was kein Wunder ist. Der kleine Staat in der Karibik hat weniger Einwohner als Bad Cannstatt.

Auch Pastoren aus Papua-Neuguinea waren da

Doch der Reihe nach. So hat sich Wilfried Weiler gemeldet und gesagt, er habe zwei Pastoren und deren Frauen aus Papua-Neuguinea bei einem Besuch in Stuttgart ins Mercedes-Museum geführt. Es war zwar nicht Gott, sondern Gottlieb Daimler, der die ­Motorkutsche geschaffen hat, doch den Tempel des Automobils wollten sie sich nicht entgehen ­lassen. Gerda Wirth aus Stuttgart hat sich auch gemeldet. Sie schreibt: „Familiär bedingt habe ich eine Menge Verwandte dritten und vierten Grades in Samoa, Australien und Neuseeland (die zum großen Teil noch den deutschen Familiennamen Nauer tragen). 2011 besuchten mich drei Cousinen dritten Grades auf ihrer Europareise und im Rahmen einer Stadtbesichtigungstour besuchten wir auch das Mercedes-Museum. Zwei dieser Cousinen sind Samoanerinnen. Ihre Väter habe ich 2003 bei meiner Reise in die Südsee kennengelernt.“ Damit nicht genug. Naeem Yazdani hat seinen australischen Pass eingescannt, darin kann man lesen, dass er auf Samoa geboren wurde. Er lebt seit 2007 in Frankfurt und hat seinen Besuch angekündigt. Mehrere Herrenberger haben geschrieben, dass selbstverständlich bereits Botswaner im Mercedes-Museum gewesen seien. Denn das Schickhardt-Gymnasium in Herrenberg hat eine Partnerschaft mit einer Schule in Gabarone in Botswana. Und wenn die jungen Leute zu Besuch seien, zeige man ihnen auch das Mercedes-Museum, schrieb ein Lehrer. Beweisfoto lag bei. Das Stromberg-Gymnasium in Vaihingen/Enz kündigte an, man werde im Sommer mit acht Schülern aus Benin vorbeischauen, die drei Wochen zu Gast sind. Doch sie sind nur die Besucher Nummer zwei bis neun aus Benin. Bereits vorige Woche hatte Abdoull-Kawihi Ibrahima Issaka die Ehre. Der Doktorand lebt seit drei Jahren in Schwäbisch Gmünd und liebt seine derzeitige Heimat. Er schabt Spätzle, sagt Grüß Gott und Ade. Nicht nur Schwaben, auch den Rest Deutschlands hat er erkundet. Einen Teil allerdings hat er ausgelassen. Denn wie die anderen ausländischen Studenten seien sie davor gewarnt worden, nach Ostdeutschland zu reisen.

Wenn man das hört, ist einmal ein Eigenlob angebracht. Auch wenn die Schwaben gerne über die eigene Wortkargheit und Sturheit spotten, im Herzen sind sie weltoffen und gastfreundlich. Sonst wäre die Welt im Mercedes-Museum und in Stuttgart nicht so gerne zu Gast.

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