In der Ritterstraße gab es beim Verkaufsoffenen Sonntag kaum mehr ein Durchkommen – verständlich, wenn sich die Besucher in ruhige Ecken zurückzogen Foto: /Michael Steinert

Einen Riesenandrang von Menschen verzeichnet der traditionelle verkaufsoffene Sonntag in Esslingen.

Esslingen - Max Rech hat eine unruhige Nacht verbracht, im Schaufenster des leer stehenden Kaffeehaus Sonne direkt an der Einkaufsmeile der Esslinger Küferstraße. Mit dieser Kunstperformance im Schlafsack protestierte der Sozialarbeiter im Namen des Esslinger Jugendbüros gegen den Leerstand in der Stadt Esslingen und die Wohnungsnot.

Diese Performance war Teil einer größer angelegten Kunstaktion der Kinder-Biennale zum Esslinger Herbst. Der Club der Soroptimistinnen und die Künstlerin Margit Bäuerle hatten es geschafft, rund 40 Kollegen zu verpflichten, die in den Schaufenstern der Esslinger Geschäfte ausstellten. Elisabeth Filkin zeigte ein Aquarell im Künstlergeschäft Malkasten direkt am Wolfstor. „Manchmal male ich 20 Stück und zerreiße eins nach dem anderen, bis ich mit dem Motiv zufrieden bin“, sagt sie. Im Schaufenster des Malkastens war eine Landschaft mit Berg, Tal und Fluss zu sehen, die bislang ihrem kritischen Geist widerstanden hat.

„Drauf ist, was Sie drin sehen“

Optik Bläschke zeigte im Schaufenster die verfremdeten Fotografien von Andy Schweigel. Es sind großformatige schwarz-weiß Aufnahmen, die aufwendige collagierte, teils sehr rätselhafte Gebilde zeigen. „Drauf ist, was Sie drin sehen“, sagt der Fotograf rätselhaft.

Weil die Kinder-Biennale vom Grundsatz her Kinder an die Kunst heranführt, waren an diesem Esslinger Herbst auch zwei Jugendliche involviert. Etwa der 13-jährige Kinderreporter Giuseppe Esposito von der Medienmacher-Gruppe der Kinder-Biennale. Er verstand es, etliche Informationen aus den anwesenden Künstlern zu locken. Deswegen ist sein Berufswunsch ganz klar: „Journalist oder Pilot“. Der 15-jährige Malte-Sebastian Grutschnig ist seit einiger Zeit Stadtführer in Esslingen. Er übernahm es an diesem Nachmittag, die Besucher von Kunstwerk zu Kunstwerk zu lotsen, was nicht immer einfach war, denn die Esslinger Straßen waren selten voll von Menschen. Beim Herbstmarkt in der Ritterstraße und der Heugasse gab es kaum ein Durchkommen, so viele Menschen bestaunten Kunsthandwerk, Schallplatten und Bücher oder alte Möbelstücke.

Busse standen da wie eine Wagenburg

Der Marktplatz war komplett gefüllt mit schwarzen Bussen, die Stoßstange an Stoßstange standen wie eine Wagenburg. Hier stellte die Firma Schlienz ihren neuen Reisekatalog vor. Der Busfahrer Patrick Winkler erklärte den Besuchern die Fahrzeugflotte des Unternehmens: vom Taxi, über den Shuttle, den Behindertentransporter bis zum Gelenkbus war von der Fahrzeugflotte alles vorhanden, was am Sonntag entbehrlich war. Drum herum und durch die ganze Stadt zogen sich derweil dichte Trauben von Menschen, um sich die 40 Geschäfte und 150 Stände anzusehen, die vom Veranstalter, der Esslinger City-Initiative, verpflichtet wurden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: