Manuel Schäffler zum Zweiten – der Stürmer des SV Wehen Wiesbaden schockte den VfB Stuttgart. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart hat die erste Niederlage der Saison kassiert – ausgerechnet gegen den krassen Außenseiter SV Wehen Wiesbaden. Warum? Wir gehen der Sache auf den Grund – in unserer Spielanalyse „Fünferkette“.

Stuttgart - Jetzt ist sie hin, die Serie von zahlreichen ungeschlagenen Spielen. Der VfB Stuttgart hat ausgerechnet im Heimspiel gegen den bis dahin Tabellenletzte SV Wehen Wiesbaden die erste Niederlage der Saison kassiert. 1:2 hieß es am Ende. „Das wirft uns nicht um“, sagt der VfB-Trainer Tim Walter – der aber vor allem in der ersten Hälfte deutliche Mängel bei seinem Team gesehen hatte.

Die deckt auch unsere Spielanalyse „Fünferkette“ auf.

Spielidee: Tim Walter warf sich ja sicher gewesen: „Uns stellt keiner ein Bein.“ Also baute er auch gegen den Außenseiter aus Hessen auf seine bewährte Formation – ein 4-4-2-System mit einer Raute im Mittelfeld. Neu dabei: Mario Gomez vorne und Nathaniel Phillips hinten. Was der Gegner vorhatte, wurde schon zum Anpfiff deutlich – als sich die Gäste in einem 5-4-1-Verbund formierten. Gut stehen, keine Lücken lassen, wenige, aber gefährliche Konter setzen. Vor allem in der ersten Hälfte ging dieser Plan perfekt auf.

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Spielentscheidend: Am Ende fehlte dem VfB auch das Glück. Gleich mehrfach fehlten bei den Möglichkeiten in der zweiten Spielhälfte nur Zentimeter zum Torerfolg. Entscheidender für den Ausgang der Partie war aber die Leistung der Stuttgarter in den ersten 45 Minuten. „Die haben wir total verschlafen“, gab Tim Walter zu, der monierte: „Wir hatten keine gute Einstellung, haben zu wenig investiert und waren zu lasch.“ So reparierte der VfB noch zügig das 0:1 der Gäste. Dass die Wehener bei in Summe lediglich vier Kontern aber gleich ein zweites Tor nachlegen konnten, sprach Bände. Beim VfB fehlten lange Zeit Tempo, Präzision und Konsequenz. Dazu kamen ganz schwache Auftritte einzelner Spieler wie Atakan Karazor und Nathaniel Phillips.

Spielentscheider: „Ich bin ja noch nicht lange da“, sagte der Gäste-Keeper Heinz Lindner, der erst in der vergangenen Woche verpflichtet worden war. Eines aber hat der Österreicher schnell festgestellt: „So einen Stürmer brauchst du.“ Er sprach von Manuel Schäffler. Vor dem Wehener Kapitän hatte schon Tim Walter seine VfB-Jungs gewarnt – war aber wohl überhört worden. Denn Schäffler war gleich zweimal zur Stelle. Beim 0:1 aus Sicht des VfB mogelte er sich zwischen Marc Oliver Kempf und Atakan Karazor in eine perfekte Abschlussposition. Bei seinem zweiten Treffer profitierte er nicht nur vom Stuttgarter Abwehrfehler, sondern auch vom Patzer von Gregor Kobel. Der VfB-Keeper gab zu, dass er, nachdem die Szene geklärt schien, schon wieder offensiv orientiert war. Er hätte den Ball halten müssen. Schäffler war’s egal. Und sein Keeper lobte: „Wie der die Dinger reindrückt, ist überragend.“

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Wortspiel: „Wir hätten noch viel länger spielen können, wir hätten definitiv kein Tor erzielt“, sagte Tim Walter, der Trainer der VfB Stuttgart, der haderte: „Es war ein Scheiß-Tag.“ Dem war – auch mit Blick auf die Verletzungen von Daniel Didavi (vermutlich Muskelfaserriss) und Borna Sosa (Gehirnerschütterung) – nicht viel hinzuzufügen. Außer von Gäste-Torwart Heinz Lindner, der seine Mannschaft lobte: „Wir hatten heute lauter Mentalitätsbestien.“

Spielplan: Ausgerechnet in die zweiwöchige Länderspielpause geht der VfB nun mit dem ersten Negativerlebnis der Saison. „Wir werden ein paar Tage daran zu knabbern haben“, sagt Torhüter Gregor Kobel. Tim Walter schaute lieber nach vorn und wollte sich von der Niederlage nicht unterkriegen lassen: „Wir sind trotzdem auf einem guten Weg.“ Nach der Pause wartet für den Coach eine ganz besondere Partie. Das Heimspiel (Sonntag, 20. Oktober, 13.30 Uhr/Liveticker) gegen seinen Ex-Club Holstein Kiel.

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