Alle Anweisungen helfen nichts: der VfB-Trainer Nico Willig muss in seinem zweiten Bundesligaspiel die erste Niederlage einstecken. Foto: dpa

Eigentlich sollte es noch besser werden als zuletzt. Doch der VfB Stuttgart hat beim 1:3 in Berlin wieder alte Schwächen offenbart, wie unsere Analyse zeigt. Allerdings gibt es auch Diskussionen um Videoassistenten.

Berlin - Der Plan des VfB Stuttgart ist in Berlin nicht aufgegangen. Aus einer tiefen Staffelung wollte der Trainer Nico Willig mit seinem Team im Olympiastadion zum Erfolg kommen. Am Ende hieß es gegen Hertha BSC 1:3 – und in der Analyse gab es zwei Ansätze. Erstens: ein nicht gegebener Handelfmeter für den Abstiegskandidaten beim Stand von 0:0, der den VfB in einer mäßigen Partie auf die Siegerstraße hätte bringen können. Zweitens: eine Mannschaft, die wieder einmal vieles vermissen ließ, was es braucht, um ein Spiel in der Fußball-Bundesliga zu gewinnen.

Spielidee: Der VfB lief mit der gleichen Elf auf wie beim Sieg gegen Gladbach, auch die taktische Formation war identisch. Nur: die Marschroute war eine andere. Der Interimstrainer Nico Willig ließ sein Team tiefer stehen. So sollte nach Ballgewinnen schnell nach vorne umgeschaltet werden. Die Balleroberungen gab es auch, allerdings passierte danach nichts. Insgesamt verfielen die Stuttgarter in Passivität und lagen noch vor der Pause plötzlich 0:2 zurück. Danach bemühten sich die Gäste noch, aber für eine Mannschaft, die den Schwung aus der Vorwoche mitnehmen wollte, war das zu wenig.

Spielentscheidend: Die Passivität der Stuttgarter, die sich gerade vor dem ersten Gegentor zeigte. Von links hinten (Borna Sosa) über die Mitte (Gonzalo Castro und andere) bis zu rechts hinten (Benjamin Pavard) störte kein VfB-Spieler den Berliner Angriff energisch genug – und dann stand Matthew Leckie im Sturmzentrum frei. Vedad Ibisevic musste nach dem von Torhüter Ron-Robert Zieler abgewehrten Kopfball nur noch abstauben (40.). Ähnlich unentschlossen verhielt sich der VfB vor dem 0:2 durch Ondrej Duda (45.). Damit war die Partie im Grunde vor der Pause gelaufen.

Spielentscheider: Nach Ansicht des Trainers Nico Willig war das Günter Perl. Der Videoschiedsrichter griff nach einem Handspiel von Herthas Karim Rekik in der 37. Minute nicht ein. 0:0 stand es zu diesem Zeitpunkt. Die Stuttgarter protestierten auf dem Feld zwar nicht, fühlten sich hinterher aber klar benachteiligt. „Da hatten wir kein Spielglück. Aber verbockt hat es letztlich jemand an anderer Stelle“, sagte Willig über den Videoassistenten in Köln.

Wortspiel: Die Ernüchterung beim VfB ist nach der Niederlage gegen Hertha groß gewesen. Denn die Mannschaft wollte nach dem Erfolg gegen Gladbach nachlegen. Von der angekündigten Balljagd im Olympiastadion war jedoch nicht viel zu sehen. Auch Leidenschaft und Engagement fehlten bei den Stuttgartern, um die alte Dame aus Berlin nach dem Rückstand in Verlegenheit zu bringen. „Es war nicht zu erwarten, dass wir die restlichen Spiele alle gewinnen und durch die Liga fliegen“, sagte der Trainer Nico Willig.

Spielplan: als nächstes steht für den Abstiegskandidaten aus Stuttgart das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg an. Ein Gegner, der noch um die Teilnahme am Europacup spielt. Da wird es für den VfB nicht leichter als in Berlin. „Der Trainer steht jedoch nicht für Lockerlassen“, sagte der Mittelfeldspieler Dennis Aogo, „ich bin überzeugt, dass er der Mannschaft Feuer unterm Hintern machen wird.“ Neues Feuer wird der VfB auch benötigen, wenn er gegen das Team von VfL-Coach Bruno Labbadia punkten will, um den Relegationsplatz zu sichern.

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