So was hat man lange nicht gesehen: Feiernde Spieler des VfB Stuttgart vor ihren Fans. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart fegt Hannover 96 vom Platz. Ein Fußballfest für die leidgeplagten VfB-Fans, die nach diesem Auftritt wieder Hoffnung schöpfen dürfen im Kampf um den Klassenverbleib.

Stuttgart - Hannover 96 machte es dem VfB Stuttgart ziemlich leicht, beim 5:1 den höchsten Saisonsieg einzufahren. 96-Trainer Thomas Doll sprach von einem „Grottenkick“ und bezeichnete die Leistung seiner Elf als nicht bundesligatauglich. Das Stuttgarter Schützenfest ist aber auch Ausdruck der wieder erlangten eigenen Stärke des Tabellen-16. Unsere Spielanalyse in der Fünferkette.

Spielidee: Zum dritten Mal in Folge vertraute Trainer Markus Weinzierl der gleichen Elf. Diese Kontinuität macht sich langsam bezahlt. Im Kellerduell gegen die Niedersachsen präsentierte sich der VfB jedoch taktisch verändert. Gonzalo Castro agierte als alleiniger Sechser in der Mittelfeldzentrale, ihm vorgelagert füllte Santiago Ascacibar seine Rolle weit offensiver aus als bisher. Alexander Esswein bildete die zweite Sturmspitze neben Mario Gomez. In vorderster Front verrichtete der frühere Berliner viel Laufarbeit für Gomez; ähnlich wie Daniel Ginczek in der letztjährigen Rückrunde. Das Spiel „Ginczek rennt, Gomez trifft“, hat damals ja ganz gut funktioniert. Am Sonntag war das Duo Esswein/Gomez zumindest eine gute Kopie davon.

Spielentscheidend: Der VfB stellte beim 5:1-Sieg so viele Saisonbestmarken auf, man kann sie gar nicht alle aufzählen. Der höchste Saisonsieg, klar. Erstmals seit der professionellen Datenerfassung in der Fußball-Bundesliga in der Saison 2004/05 ließen die Stuttgarter in 90 Minuten nur drei Torschüsse zu. Der 18-jährige Ozan Kabak löste Hakan Calhanoglu als jüngsten türkischen Doppeltorschützen im Oberhaus ab. „Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen“, sangen die VfB-Fans. Wohl wahr. Der Tabellen-16. war von der ersten Minute an im Spiel. Giftig, griffig, hellwach. Es scheint, als hätten die Mannen von Markus Weinzierl den Ernst der Lage tatsächlich endlich begriffen.

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Spielentscheider: Ozan Kabak mit zwei nahezu identischen Kopfballtoren, Steven Zuber mit zwei Toren plus einer Vorlage: Der VfB hatte am Sonntagnachmittag gleich zwei echte Matchwinner. Die beiden Winter-Neuzugänge entpuppen sich – im Fall Zuber mit etwas Verspätung – als echte Verstärkungen. Mit seiner Spielstärke und Technik kann der Schweizer jede Abwehr beschäftigten, Kabak kam wie eine Abrissbirne über die Hannoveraner Abwehr daher. „Er hat möglicherweise eine große Zukunft vor sich“, sagt VfB-Kapitän Christian Gentner über den Türken, der in dieser Form Benjamin Pavard vielleicht bald vergessen macht.

Wortspiel: „Das war einfach super heute“, sagte Steven Zuber. „Entscheidend ist aber nach dem 34. Spieltag“. Was der Doppeltorschütze damit zum Ausdruck bringen wollte: Gewonnen ist noch gar nichts. Nach wie vor beträgt der Rückstand ans rettende Ufer und den FC Augsburg zwei Punkte. Fraglich, ob der VfB mit jetzt 19 Punkten an Schalke 04 (23 Punkte) und den SC Freiburg (27) noch einmal heran kommt. Die Relegation ist und bleibt das absolute Minimalziel.

Spielplan: Borussia Dortmund, TSG Hoffenheim, Eintracht Frankfurt. Ganz schön dicke Brocken, die kommenden drei Gegner. Zur Erinnerung: Markus Weinzierls Einstand beim VfB brachte gegen ebendiese Teams in der Hinrunde null Punkte und 0:11 Tore. Doch ist die Brust der Jungs aus Cannstatt nach dem 5:1-Sieg viel breiter, weshalb Christian Gentner sich auch beim Tabellenführer etwas ausrechnet: „Wenn wir so weiter spielen, können wir auch dort etwas holen.“

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