Auch VfB-Stürmer Mario Gomez (rechts) setzt in Wiesbaden zu wenig Akzente. Foto: dpa/Uwe Anspach

Der VfB Stuttgart hat die Corona-Pause mit einer Last-Minute-Niederlage beendet. Was schief gelaufen ist? Wie es jetzt weitergeht? Das lesen Sie in unserer Spielanalyse „Fünferkette“.

Wiesbaden - Nach dem Schlusspfiff suchte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo umgehend das Gespräch mit Schiedsrichter Sascha Stegemann. Um den spielentscheidenden Elfmeter in der Nachspielzeit dürfte es gegangen sein – eine äußerst umstrittene Entscheidung nach einem Videobeweis, der ein Handspiel von Stürmer Hamadi Al Ghaddioui belegen sollte. Am Strafstoß alleine lag es jedoch nicht, dass der VfB beim Re-Start in die Zweitligasaison auch das Rückspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden verlor – das zeigt unsere Spielanalyse „Fünferkette“.

Spielidee: Nach zweimonatiger Corona-Pause setzte Matarazzo in der Abwehr-Viererkette auf drei gelernte Innenverteidiger (Nat Phillips, Marcin Kaminski, Marc Oliver Kempf) und einen Mittelfeldspieler (Gonzalo Castro) – eine Idee, auf die man erstmal kommen muss. In der Offensive sollte Spielmacher Daniel Didavi die schnellen Außen Silas Wamangituka auf rechts und Nicolas Gonzalez auf links sowie Mittelstürmer Mario Gomez in Szene setzen. Dies gelang prächtig – allerdings nur in der Anfangsphase, in der die Gäste durchaus sehenswert kombinierten. Dann war es leider schnell vorbei mit der Stuttgarter Herrlichkeit. Die klare individuelle Überlegenheit des VfB kam gegen die spielerisch limitierten, aber wacker kämpfenden Gastgeber viel zu selten zum Tragen.

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Spielentscheidend: Nach einem Pass von Didavi und einer Hereingabe von Gonzalez stand Gomez bereits in der vierten Minute frei vor Heinz Lindner. Der VfB-Stürmer scheiterte am stark parierenden Torhüter der Gastgeber – vergeben war die große Chance zum Führungstreffer. Es ist müßig, darüber zu spekulieren, wie das Spiel gelaufen wäre, hätte Gomez getroffen. Doch kann man sich gut vorstellen, dass nach der langen Spielpause und der Ungewissheit der vergangenen Wochen ein frühes Tor besonders gut getan hätte.

Spielentscheider: Es bedarf einiger Nervenstärke, wenn man in der siebten Minute der Nachspielzeit beim Stand von 1:1 zum Elfmeter antritt. Der erst in der 84. Minute eingewechselte und erst 22 Jahre alte Philipp Tietz, ein gebürtiger Braunschweiger, übernahm Verantwortung – und verwandelte eiskalt. Die Gastgeber feierten ihren Matchwinner, der dem VfB und seinen zuhause gebliebenen Fans den Sonntag gründlich verdarb.

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Wortspiel: „Wir könnten eigentlich der Gewinner des Spieltags sein. Jetzt sind wir der Verlierer des Spieltags. Das tut weh“, sagte Mario Gomez. Denn: Die Aufstiegsrivalen Arminia Bielefeld und der Hamburger SV mussten in ihren Parallelspielen ebenfalls Federn lassen und sich nach Führungen mit jeweils einem Punkt begnügen. Mit einem Sieg hätte der VfB also einen Big Point landen und einen wichtigen Schritt Richtung Bundesliga machen können. Doch gilt auch in diesem Fall: Hätte, hätte, Fahrradkette.

Spielplan: Ob der VfB schon zittert? Erschreckend schlecht ist die Auswärtsbilanz der Stuttgarter (3 Siege/5 Unentschieden/5 Niederlagen) – und am kommenden Sonntag (13.30 Uhr) geht es mit einem erneuten Gastspiel weiter, diesmal bei Holstein Kiel. Sollte noch eine zusätzliche Warnung nötig sein: Im Hinspiel im eigenen Stadion unterlag der VfB den Störchen mit 0:1.

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