Dr. Thomas Klein, leitender Oberarzt am Leonberger Klinikum, war für ein Hilfsprojekt in Uganda. Er erzählt von seiner Zeit in Afrika.
Zwei Wochen lang war Dr. Thomas Klein, Leitender Oberarzt der Anästhesie am Klinikum Leonberg, vergangenen Dezember in einem Krankenhaus im ostafrikanischen Uganda am Viktoriasee im Einsatz. Zusammen mit einem Team von 16 Ärzten und Pflegekräften, darunter Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, der Schweiz und Uganda, reiste er nach Ostafrika. Das Ziel ihrer Mission: Hernien, also Leistenbrüche operieren, die in Uganda weitaus häufiger vorkommen als in Deutschland.
„Man kann sich die Bedingungen dort nicht wie in Deutschland vorstellen“, sagt Klein. Kaltes Wasser, Mehrbettzimmer und Operationen, die gleichzeitig an drei Tischen in einem Raum stattfinden – was hierzulande undenkbar wäre, gehört in Uganda zum Alltag. Trotzdem werde sorgfältig gearbeitet. „Es sind keine unseriösen Bedingungen, aber man muss Abstriche machen“, erklärt der Anästhesist. Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg des Einsatzes sei Teamfähigkeit: „Man muss sich gegenseitig respektieren und unterstützen.“
Der Einsatz war Teil eines Hilfsprojekts des Vereins „Helfende Hände“ aus Nagold. Die Mediziner nehmen dafür Urlaub, bezahlen die Flüge selbst. Sabine Pühl, eine ehemalige OP-Schwester, hatte das Hernien-Camp vor sechs Jahren ins Leben gerufen. Klein ist seit zwölf Jahren am Klinikum Leonberg, sein Kernbereich ist die Schmerztherapie. In Uganda war der 60-Jährige für die Narkose der Patienten zuständig. 240 Hernien haben sie in den zwei Wochen operiert. „Das war nur möglich, weil wir an drei OP-Tischen gleichzeitig arbeiten konnten“, sagt Klein.
Hernien stellen in Uganda ein weit verbreitetes Problem dar. „Aufgrund der harten körperlichen Arbeit und der unzureichenden Ernährung treten Brüche der Bauchwand dort deutlich häufiger auf“, erläutert Klein. Auch wenn die Erkrankung meist nicht unmittelbar lebensbedrohlich ist, bedarf sie dringend einer Behandlung. Doch für viele Betroffene in Uganda ist eine Operation unerschwinglich. „Eine Operation kostet etwa 80 Euro – das entspricht zwei Monatsgehältern“, erläutert Klein. Hinzu kommen die Kosten für ein Implantationsnetz, das rund 120 Euro kostet. Da Krankenversicherungen dort nahezu nicht existieren, bleibt vielen Betroffenen eine Behandlung verwehrt.
Herausforderungen: OPs während Stromausfällen
Neben den finanziellen Hürden müssen die Mediziner vor Ort auch mit technischen und infrastrukturellen Herausforderungen kämpfen. Moderne, minimalinvasive Verfahren, wie sie in Deutschland üblich sind, sind in Uganda oft nicht durchführbar. „Allein die häufigen Stromausfälle sind eine große Herausforderung. Es passiert, dass wir mitten in der OP mit Stirnlampen weitermachen müssen“, schildert Klein. Trotzdem sei der Einsatz ein Erfolg auf ganzer Linie gewesen. „Wir haben nicht nur Patienten geholfen, sondern auch voneinander gelernt“, sagt Klein.
Während die Ärzte aus Deutschland und der Schweiz ihre Fachkenntnisse einbrachten, boten die ugandischen Kolleginnen und Kollegen wertvolle Einblicke in ihre praktische Herangehensweise unter schwierigen Bedingungen. Dieser Einsatz zeige, wie viel durch internationale Zusammenarbeit erreicht werden könne– und wie wichtig es sei, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Für Thomas Klein steht fest: Es war eine Erfahrung, die er nie vergessen wird.