Das Jugendrotkreuz besucht im Jubiläumsjahr seines DRK-Ortsvereins Böblingen weiterführende Schulen, um Jugendliche auf Notsituationen vorzubereiten – und zwar jeweils für 100 Minuten mit rund 100 Schülern.
Die klassischen blauen Matten, lange Bänke sowie hohe und niedrige Kästen zieren den Hallenboden. Was sich nach Sportunterricht anhört und auch ein wenig danach aussieht, ist diesmal keiner. Stattdessen nutzt das Jugendrotkreuz aus dem Ortsverein Böblingen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) die morgendlichen Stunden und das Material in der Halle bei der Friedrich-Schiller-Realschule (FSR) für einen Parcours. Einen, an dem an diesem Freitagmorgen 95 Neuntklässler wichtige Techniken für Notsituationen erlernen.
„Wir wollen aus den Schülern Lebensretter machen“, erklärt Adrian Urbanek das Ziel des Projekts, das viel Aufwand bedeutete. Der 20-jährige Jugendrotkreuz-Leiter ist der Hauptorganisator und hat gemeinsam mit seinem acht Jahre älteren Bruder Dominik, DRK-Kreisjugendleiter, folgenden Plan entwickelt: Das Jugendrotkreuz bildet im Jubiläumsjahr – der Ortsverein wurde 1924 gegründet – Böblinger Schülerinnen und Schüler mit einer Erste-Hilfe-Aktion aus. Bei dieser erlernen sie dann lebensrettende Sofortmaßnahmen.
Motto: „Lebensretter für Böblingen – 100 Jahre DRK, 100 Helden“
Und das alles in 100 Minuten, wenn möglich mit je 100 Teilnehmern. „Lebensretter für Böblingen – 100 Jahre DRK, 100 Helden“, heißt die Schulung. Insgesamt sind bislang sieben Schulbesuche geplant. Das Otto-Hahn-Gymnasium hatte vor der FSR den Auftakt gemacht.
Azubis und DRK-Mitarbeiter leiten die Aktion
Frank Urbanek, Vater der beiden DRK-Funktionäre, ist Ausbildungsleiter bei der Firma Moog, die einen Sitz in der Kreisstadt hat und das Projekt unterstützt. Zehn Auszubildende kommen zu den acht DRK-Mitarbeitern – bis auf einen hauptamtlichen alles ehrenamtliche Helfer – dazu. Zudem unterstützt das Unternehmen das Jugendrotkreuz finanziell.
Rund um die Urbaneks und die Mitarbeiter tummeln sich die Schüler an den Stationen. Der Plan sieht wie folgt aus: Reanimation mit und ohne Defibrillator, Helmabnahme, stabile Seitenlage, Wundversorgung – und der richtige Umgang mit einer Trage. „Da muss man zusammenhalten, weil man sich ausgleichen muss, damit die Liege gerade ist“, sagt der 16-jährige Teo Genth.
Eben hat er mit seinen Kollegen erst einen Plüschbären, dann einen Mitschüler über Hindernisse transportiert. „Ich finde es wichtig, dass man weiß, wie man in Notsituationen handelt“, meint der Herrenberger. Seine Mitschülerin Marla Franke, 14, ist im Jugendrotkreuz. „Wiederbelebung, stabile Seitenlage, Helmabnahme: Das sollte man auf jeden Fall können“, sagt die 14-jährige aus Aidlingen.
Nicht zuletzt fällt auch das vermeintlich eher simple Anbringen eines Verbands darunter. „Das ist die Station, die man am häufigsten im Alltag braucht“, sagt Adrian Urbanek. Aber: Wann muss man jemanden wiederbeleben? Oder tragen? Oder an der Straße von seinem Helm befreien und auf die Seite legen? Möglicherweise kann das jederzeit der Fall sein. Und damit möglichst viele Schüler helfen können, wird aus dem Unterricht ein Notfall-Workshop.
DRK-Kooperation mit FSR?
In der Halle verfolgen Lehrkräfte die Übungen mit. Einer von ihnen ist schon ganz früh da – und mit dem Thema vertraut. Alexander Schwan, der vor mehr als zwei Dekaden an die FSR kam, ist nämlich seit 15 Jahren verantwortlich für den Schulsanitätsdienst, dem Schüler angehören und der für die Erste-Hilfe-Versorgung zuständig ist. Jährlich werden Jugendliche ausgebildet, in der Regel Achtklässler.
Die neue Zusammenarbeit an diesem Morgen gefällt ihm: „Wenn wir die Kooperation mit dem DRK langfristig machen könnten, wäre das am besten“, sagt er, denn: „Die Organisation finde ich perfekt. Die Kinder sind sehr interessiert und auch motiviert.“ Adrian Urbanek kann sich das ebenfalls gut vorstellen. Und natürlich hofft das DRK an solchen Tagen und bei einer möglichen Kooperation auch, neue Mitglieder für sich zu gewinnen – ebenso wie Moog dabei auf Ausbildungs- und Studienplätze aufmerksam machen möchte. Frank Urbanek hat zum Abschluss dann ein passendes Geschenk dabei: Neben Flyern gibt es nämlich einen Lifekey, also eine Beatmungsfolie mit einem Ventil. Um im Notfall ein Held zu werden.
Schulungsaktion in Böblingen
Termine
Auf das OHG und die FSR folgen das Max-Planck-Gymnasium (22. Oktober), die Albert-Schweizer-Realschule (24. Oktober), das Albert-Einstein-Gymnasium (6. November), das Lise-Meitner-Gymnasium (12. November) und im kommenden Jahr die Käthe-Kollwitz-Schule (noch nicht terminiert). Weitere DRK-Besuche könnten hinzukommen.
Teilnehmer
Die Kurse in diesem Jahr richten sich an Siebt- und Achtklässler in Gymnasien sowie an Acht- und Neuntklässler in Realschulen.