Ein Fahnder der Polizei präsentiert einen Kokain-Fund. Foto: dpa

Am Rasthof Gruibingen sind Drogen-Fahnder schon wiederholt bei Busreisenden fündig geworfen. Zuletzt war ein Ehepaar aus Österreich aufgeflogen, diesmal ein Mann aus Ulm.

Gruibingen/Ulm - Es ist der 13. März, gegen 6 Uhr hält ein aus Amsterdam kommender Fernbus mit Ziel München am Tank- und Rastplatz Gruibingen an der Autobahn 8 (Kreis Göppingen). Als die Türen aufgehen, stehen Zollbeamte draußen, bitten alle Passagiere auszusteigen. In der Jackentasche eines 35-jährigen Mannes wird ein Satz Vierkantschlüssel gefunden. Bei einer Kontrolle im Innern des Busses entdecken die Zollfahnder hinter einer verschraubten Abdeckung in der Bustoilette 446 Gramm Kokain, verpackt zu jeweils zehn Gramm in so genannten Bodypacks und verstaut in einem Herrensocken. Marktwert: 15 000 bis 18 000 Euro. Der 35-Jährige hat in der Zwischenzeit die Vierkantschlüssel weggeworfen, doch Zöllner können sie später im Gras wiederfinden. Ein Schlüssel passt zu den Schrauben der Abdeckung im Bus.

Der Angeklagte schwieg im gesamten Prozess

Am Montag ist der zuletzt in Bayern wohnhafte Mann vom Landgericht Ulm wegen Drogenschmuggels und -handels zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Während des Prozesses hatte der Angeklagte geschwiegen, sein Verteidiger hatte in einer Erklärung nahegelegt, das Kokain hätte auch von einem anderen kriminellen Mitreisenden namens „Don“, der in Mannheim ausgestiegen war, geschmuggelt und versteckt worden sein können. Dieser „Don“ sei ein entfernter Bekannter des Angeklagten gewesen.

Alarm nach einem Drogentest

Für den Ulmer Richter Gerd Gugenhan ist diese Geschichte „lebensfremd“, wie er in seiner Urteilsbegründung sagte. Kein Zeuge aus dem Fernbus habe etwas über einen solchen anonymen Mitreisenden berichten können. Dafür sei der Angeklagte durch weitere Indizien schwer belastet. An dem Socken, in dem das Kokain verstaut war, fanden sich DNA-Spuren, die zu dem 35-Jährigen passten. Noch am frühen Morgen des 13. März hatten die Zollbeamten am Rasthof außerdem bei allen Passagieren einen so genannten Drugwipe-Test gemacht. Dabei wird ein Teststreifen mit Schweiß oder Speichel in Kontakt gebracht, innerhalb von rund fünf Minuten können mittels Verfärbung mehrere Drogenarten angezeigt werden. Bei dem Angeklagten, so der Richter am Montag, habe der Test zu einem „intensiven Ausschlag“ geführt. Er habe zum Zeitpunkt der Kontrolle unter erheblichem Kokaineinfluss gestanden.

Der Verurteilte war zuvor auf Bewährung frei gekommen

Zugunsten des Angeklagten wertete die Strafkammer, dass er in ärmlichen Verhältnissen lebte und die geschmuggelten Drogen sichergestellt werden konnten, bevor sie Schaden anrichteten. Zulasten des 35-Jährigen geht eine Vorstrafe wegen eines Delikts, das nicht mit Drogen in Verbindung steht. Im Januar 2015 war der Mann aus achtmonatiger Untersuchungshaft freigelassen worden, allerdings gegen eine Bewährungsauflage des Amtsgerichts München. Diese Bewährung, so das Ulmer Gericht, sei nach dem aufgeflogenen Drogenschmuggel auf der Autobahn 8 nun ebenfalls verwirkt und werde auf die Gesamtfreiheitsstrafe aufgeschlagen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine fünfjährige Haftstrafe gefordert.

Weiterer Drogenschmuggler bestraft

Am Rasthof Gruibingen sind Fahnder schon wiederholt bei Busreisenden fündig geworfen. Anfang September hatte das Ulmer Landgericht bereits zwei weitere Haftstrafen wegen Drogenschmuggels verhängt. Zollfahndern war bei einer Kontrolle am 11. März ein aus Österreich stammendes Ehepaar aufgefallen. Der 52-jährige Mann und seine 42 Jahre alte Frau waren ebenfalls mit einem Fernbus aus Holland gereist, das Ziel hieß Innsbruck. Im Körper versteckt schmuggelten die beiden insgesamt 180 Gramm Kokain. Der drogensüchtige Mann wurde am 9. September zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, die Frau zu zweieinhalb Jahren.

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