Die Studierenden der Uni Hohenheim dürfen selbst forschen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Wie wirken sich Handelssperren auf Unternehmen aus? Wie lassen sich Blutparasiten bei Vögeln nachweisen? Und wie kann der Einzelhandel Lebensmittel-Abfälle vermeiden? Solche Themen haben Studierende an der Uni Hohenheim im Projekt „Humboldt reloaded“ erforscht – und davon profitiert.

Stuttgart - Das Statistik-Softwareprogramm Stata kann Denise Kirsch keine Angst mehr einjagen. Datensätze zu analysieren, das hat die Studentin der Wirtschaftswissenschaften bei ihrem Forschungsprojekt bei „Humboldt reloaded“ an der Uni Hohenheim aus dem Effeff gelernt. Freiwillig. Auch mit den Auswirkungen des Brexit hat sie sich befasst: „Wir konnten beweisen, dass Unternehmen ohne Handelsbarrieren viel produktiver sind und viel mehr Umsatz bringen.“ Und: „Wir konnten im Viererteam viel tiefer arbeiten als in einem Seminar mit 50 Leuten.“

Denise Kirsch ist nicht die einzige, die dieses Angebot der Uni nutzt. 671 Studierende haben sich im vergangenen Jahr auf 177 Forschungsprojekte gestürzt. Das sind fast doppelt so viele Teilnehmer wie zu Beginn von „Humboldt reloaded“ im Jahr 2011. Durch einen weiteren Zuschlag des Bundesforschungsministeriums kann das Reformprojekt nun bis 2020 weitergeführt werden. 7,5 Millionen Euro erhält Hohenheim für die zweite Förderphase.

Studierende sollen ihre eigenen Forschungsideen einbringen

Das freut auch den Initiator von „Humboldt reloaded“, den Zoologie-Professor Martin Blum. Es gebe auch einige Neuerungen: Stärker als bisher sollen die Studierenden ihre eigenen Forschungsideen einbringen. Man habe einen Lehrcoach eingestellt, der die jungen wissenschaftlichen Mitarbeiter bei der Betreuung der studentischen Teams unterstütze. Und im Rahmen einer Summer School für Bachelors wolle man die Internationalisierung vorantreiben – „die kann nicht früh genug stattfinden“, sagt Blum.

Um die positiven Effekte des Projekts auszudehnen, präsentieren im Jahr danach die Studierenden ihre Teilprojekte den anderen. Eine Prüfung gibt es nicht, aber Credit Points. Doch die Teilnehmer sehen noch einen weiteren Nutzen: „Später ein Forschungsprojekt im Portfolio zu haben statt eines Seminars ist ein hoher Mehrwert“, findet Denise Kirsch. Und: „Es gab Motivation über den Projektrahmen hinaus“, bilanziert die Ökonomie-Studentin.

Teilnehmer profitieren gleich mehrfach

Das unterschreiben auch andere Teilnehmer. Falko Gröner zum Beispiel, der jetzt im ersten Mastersemester Bio studiert. Er hat erforscht, wie man bei Vögeln aus Madagaskar Blutparasiten nachweist – molekularbiologisch, aber auch mittels Lichtmikroskop. Eine echte Laborarbeit, und trotzdem „relativ eigenständig“, wie Gröner findet. Und: „Man lernt im Labor auch einige Tricks – und es macht einfach Spaß.“ Merle Müller hat von ihrem Forschungsprojekt ebenfalls profitiert – „auch für die Bachelorarbeit“. Die Agrarstudentin im vierten Semester wollte herausfinden, wie man Lebensmittelabfälle im Einzelhandel vermeiden kann, und hat dazu einen Leitfaden erstellt.

Die Projektbetreuerin Natascha Selje-Aßmann bestätigt: „Man trifft sehr motivierte Studierende.“ Kein Wunder. „Wie man Forschungsfragen stellt, einen Versuch konzipiert, durchführt, auswertet, das lernt man in keiner Vorlesung.“ Auch Prorektorin Iris Lewandowski ist vom Projekt überzeugt – „eine tolle Chance für unsere Studierenden“. Ziel sei, das forschende Lernen ins Regelstudium zu integrieren.

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