Wohnungen statt Obst und Gemüse: das Haus an der Raitelsbergstraße wird künftig anderweitig genutzt. Foto: Fatma Tetik

Ende Februar muss der Lebensmittelmarkt Ümmet an der Stadtbahn-Haltestelle Leo-Vetter-Bad in der Nähe des Ostendplatzes schließen. Der Eigentümer des Gebäudes will aus den Markträumen Wohnungen machen.

S-Ost - Schlechte Nachricht für die Nahversorgung im Osten: nach mehr als 15 Jahren muss der türkische Supermarkt Ümmet seine Filiale an der Raitelsberg­straße schließen. Ende Februar ist Schluss. Bis dahin müssen die Regale geräumt sein. Ein Plakat am Eingang des Lebensmittelmarktes weist die Kunden auf die Schließung hin.

Das Aus kommt für die Inhaber des Geschäftes, die Brüder Faruk und Fatih Soysal, nicht überraschend. Der Schließung ist ein langwieriger Rechtsstreit mit dem Eigentümer des Gebäudes, Michael Bräutigam, vorausgegangen, den die türkischstämmigen Geschäftsmänner nun verloren haben. Bräutigam ist Immobilienmakler und Geschäftsführer der Colliers International Stuttgart GmbH. Das besagte Gebäude in der Raitelsbergstraße ist Privateigentum.

Die Einzelhändler haben vergessen, den Vertrag zu verlängern

Zum Hintergrund: 2001 haben die Brüder die Räumlichkeiten an der Raitelsbergstraße gemietet. Zuvor hatte die Familie seit 1996 eine kleine Ladenzeile an der Talstraße betrieben. Mit dem ehemaligen Eigentümer des Gebäudes hatten die Ladenbetreiber einen unbefristeten Vertrag unterzeichnet. Mit Verkauf der Immobilie an Michael Bräutigam sei der Vertrag gekündigt worden, erklärt Fatih Soysal. Stattdessen habe man mit dem neuen Eigentümer einen Fünfjahresvertrag mit der Option auf eine Verlängerung um weitere zwei Jahre abgeschlossen.

„Wir haben vergessen, den Vertrag nach den fünf Jahren zu verlängern. Das ist sehr ärgerlich“, sagt Soysal. Daraufhin habe man die Kündigung erhalten. Sämtliche Versuche, sich mit dem Eigentümer außergerichtlich zu einigen, seien gescheitert, sagt Fatih Soysal. Bei einer Rundumrenovierung habe man rund 150 000 Euro investiert, um den Markt aufzuwerten. „Wir haben uns gerne eingebracht, weil wir an eine langfristige Nutzung geglaubt haben“, schildert Soysal. Die Neugestaltung und Planung ist ihm zufolge in enger Abstimmung mit dem Eigentümer erfolgt. Das Ladeninventar sei komplett erneuert worden, darunter auch die Kühltheke mit Fleisch- und Wurstwaren.

Andere Mieter haben sich über den Lärm beklagt

Offenbar hat sich unterhalb der Kühltheke im Kellergeschoss des Hauses Schimmel gebildet. Michael Bräutigams Ehefrau, die Architektin Petra Bräutigam, bestätigt die Schimmelbildung auf Nachfrage gegenüber dieser Zeitung. „Vermutlich hat man beim Einbau der Kühltheke vergessen, den Boden und die Wände zu isolieren“, erklärt Petra Bräutigam. Die Schimmelbildung alleine habe jedoch nicht zur Kündigung geführt, sagt sie. Offenbar haben sich zusätzlich einige Mieter über den Betriebslärm des Marktes beschwert und Mietminderungen angedroht. „Diese Problematik war den Herren Soysal bekannt und dennoch sind keine Gegenmaßnahmen ergriffen worden“, berichtet Petra Bräutigam.

Fatih Soysal sagt unterdessen, man habe den Schimmel nie zu sehen bekommen: „Wenn der Schimmel nachweislich durch die Kühltheke entstanden ist, wären wir bereit gewesen, den Schaden zu beheben.“ Eine massive Lärmbildung habe es nicht gegeben. „Ein Supermarkt kann aber auch nicht geräuschlos betrieben werden.“ Die Kündigung sei deshalb nicht nachvollziehbar. Man habe die Miete stets pünktlich gezahlt und sich im Quartier gut integriert.

Suche nach Räumen für einen neuen Lebensmittelmarkt

Das Geschäft sei im Ort gut angenommen worden. Der Gemüse-, Obst- und Lebensmittelmarkt sei nicht nur bei türkischen, sondern auch vielen deutschen, griechischen und arabischen Mitbürgern beliebt gewesen. Insbesondere die fußläufige Erreichbarkeit sei für die Anwohner im Bezirk von Vorteil gewesen. „Die Schließung ist für viele ältere Menschen ein Verlust“, sagt Soysal, der in Stuttgart-Wangen eine weitere Ümmet-Filiale betreibt.

Die Eigentümerin Petra Bräutigam sagt, sie sei froh, dass das Kapitel nun endgültig abgeschlossen werden könne. „Das Ganze hat uns sehr viel Nerven gekostet; wir stehen voll und ganz hinter dieser Kündigung“, sagt sie. Die Räumlichkeiten sollen nach der Renovierung als Wohnraum genutzt werden.

Fatih Soysal gibt sich nach der juristischen Niederlage geschlagen und bereitet sich auf den Auszug vor. Der 45-Jährige und seine Geschwister sind auf der Suche nach geeigneten Ersatzräumen für einen neuen Supermarkt. Mit der Stuttgarter Straßenbahnen AG wolle man sich bezüglich einer Immobilie auf dem Areal des ehemaligen SSB-Depots in Verbindung setzen. „Über weitere Angebote und Tipps würden wir uns freuen. Wir wollen weiter im Osten bleiben, das sind wir unseren langjährigen Kunden schuldig“, sagt Fatih Soysal.

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