Bei der Stadt Stuttgart sind bereits 65.000 Briefwahlanträge eingegangen. Diese Stimmen werden erstmals dezentral ausgezählt. Die Organisation der Oberbürgermeisterwahl ist für Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amts, eine Herausforderung.
Stuttgart - Pandemiebedingt ist die Organisation der Oberbürgermeisterwahl für Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amts, eine Herausforderung.
Herr Schwarz, ist es angesichts steigender Infektionszahlen vernünftig, eine Präsenzwahl zu ermöglichen?
Durch die Pandemie mussten wir unsere Wahlorganisation komplett umbauen und zugleich eine Lösung entwickeln, die so flexibel ist, dass wir auch unter noch schärferen Pandemiebedingungen oder aber auch unter normalen Bedingungen die anstehenden Wahlen – Oberbürgermeisterwahl, Landtagswahl und Bundestagswahl – flexibel durchführen können. Dazu haben wir die Zahl der Wahlbezirke von 350 auf 261 reduziert, was ohne weiteres möglich war, weil sich seit der letzten Umgliederung vor etwa 20 Jahren die Zahl der Wähler in den Wahllokalen kontinuierlich verringert hat. Gleichzeitig sind die Briefwählerzahlen stark angestiegen. So haben wir uns entschlossen, die Zahl der Briefwahlbezirke erheblich zu erhöhen. Gleichzeitig verzichten wir auf eine zentrale Briefwahlauszählung. So entstand das Modell, dass jedem Wahlbezirk ein Briefwahlbezirk zugeordnet wird.
Mit wie vielen Briefwählern rechnen Sie denn?
Mit 50 Prozent. Wir haben jetzt schon mit 65 000 Anträgen ein höheres Briefwahlinteresse als bei der OB-Wahl 2012.
Wegen der Pandemieauflagen brauchen Sie mehr ehrenamtliche Helfer als gewöhnlich, zudem fallen Ihnen auch noch bewährte Kräfte weg, weil die zur Risikogruppe gehören. Haben sich schon genug Freiwillige für den Wahlsonntag?
Ja, unsere Werbemaßnahmen vor allem bei der Stadt- und Landesverwaltung war erfolgreich. Wir haben viele neue jüngere Wahlhelfer gewinnen können.
Sind auch Über-70-Jährige, die in der Corona-Krise als Risikogruppe gelten, im Einsatz?
In einzelnen Fällen ja, aber auf ihr eigenes Risiko hin. Auf dringendes Anraten des Gesundheitsamtes haben wir alle Älteren über 70 um Verständnis gebeten unter diesen Umständen zu pausieren; wovon immerhin 500 Personen betroffen waren. Wir sind dabei überwiegend auf Verständnis gestoßen. Aber es ist ja kein Abschied für immer, wir wollen auf die Erfahrung langjähriger Wahlhelfer mittel- und langfristig nicht verzichten.