Gerlingens Leiter des Amts für Jugend, Familie und Senioren geht in den Ruhestand. Rückläufige Geburten und die alternde Gesellschaft machen ihm Sorgen.
Im Gerlinger Rathaus geht eine Ära zu Ende: Nach 25 Jahren ist Stefan Fritzsche, der Leiter des Amts für Jugend, Familie und Senioren, in den Vorruhestand verabschiedet worden. Das Bild der Stadt hat er während seiner Zeit in der Verwaltung maßgeblich mitgeprägt.
Ihm folgt Michaela Höhn-Bea nach, die zuletzt die Abteilung Jugend im Amt für Schule, Jugend und Sport der Stadt Reutlingen geleitet hat – und zuvor bereits die Stellvertreterin von Fritzsche in Gerlingen war. Für sie ist es also kein Neuland, das sie übernimmt. Insgesamt war der jetzt 64-jährige gelernte Diplom-Sozialpädagoge Stefan Fritzsche knapp 37 Jahre lang in der Gerlinger Stadtverwaltung tätig. Begonnen hatte der Vater von drei erwachsenen Töchtern seine Karriere als Sozialpädagoge im Jugendhaus B 15. 1992 wurde er Jugendreferent.
Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer bezeichnete Fritzsche in einer Würdigung vor dem Gerlinger Gemeinderat als „verlässlichen, loyalen und fachlich versierten Ansprechpartner, jemand der Probleme nicht beschönigt, sondern Lösungen gesucht hat“. Für seinen „unvergleichbaren Einsatz“ verlieh der Bürgermeister Fritzsche die Goldene Ehrenmedaille der Stadt.
Gerlinger Megathema: Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Fachkräftemangel
Mit rund 240 Mitarbeitern ist das von Fritzsche seit 2001 geführte Amt für Jugend, Familie und Senioren (AJFS) das mitarbeiterstärkste Amt innerhalb der Gerlinger Stadtverwaltung. Das erst mit dem Eintritt Fritzsches neu gebildete Querschnittsamt vereint die Kernthemen Kindertagesstätten und Kernzeitbetreuung, Jugendreferat, Seniorenarbeit, den allgemeinen sozialen Dienst sowie bürgerschaftliches Engagement unter einem Dach.
Stefan Fritzsche war während seiner Amtszeit mit zahlreichen fundamentalen Neuerungen und Herausforderungen in der Familienpolitik konfrontiert: So etwa den neu eingeführten Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz genauso wie den fortschreitenden Ausbau der Schulkindbetreuung: „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Fachkräftemangel und steigende Geburtenzahlen machten die Kinderbetreuung zum Megathema“, so beschreibt Fritzsche selbst die Entwicklung in den ersten beiden Jahrzehnten seiner Amtszeit.
In diese fielen dann mit den Flüchtlingswellen nach 2015 und 2022 sowie mit der Coronapandemie ab 2020 gleich mehrere krisenhafte Ereignisse, die das „Generationenamt“ ganz unmittelbar herausforderten. Sowohl die Betreuung der Geflüchteten als auch die Organisation und Koordination von Corona-Teststationen und Impfaktionen fielen in die Zuständigkeit seines Amtes.
Bürgermeister Oestringer erinnerte daran, dass Fritzsche auch an der Bildungsoffensive der Stadt Gerlingen in den Jahren zwischen 2002 und 2015 maßgeblich beteiligt war. Die Stadt hatte das Programm zur gezielten schulischen Förderung als Reaktion auf die Pisa-Studie aufgelegt.
Fritzsche: „Das Thema Wohnen und Pflege im Alter wird immer wichtiger“
Befragt nach den künftigen Herausforderungen, die in seinem Arbeitsbereich in den kommenden Jahren virulent werden, nennt Fritzsche an erster Stelle die inzwischen massiv rückläufige Geburtenrate. „Wir werden die Kinderbetreuung und die Angebote auf diese Zahlen hin anpassen müssen“, so Fritzsche. Gleichzeitig werde die Gesellschaft aufgrund der demografischen Entwicklung immer älter. „Das Thema Wohnen und Pflege im Alter wird immer wichtiger.“ Dazu gehöre die entsprechende altersgerechte Entwicklung ganzer Quartiere. „Gerade vor dem Hintergrund der finanziellen Belastungen der Kommunen können diese Herausforderungen möglicherweise nicht alle bewältigt werden.“
Viel Bewegung, eine erfüllende Tätigkeit finden und soziale Kontakte pflegen, das nimmt sich Fritzsche privat für seinen Ruhestand vor. Der nun ehemalige Amtsleiter, der mit seiner Frau in Ludwigsburg lebt, denkt daran, ein Ehrenamt zu übernehmen. „Ich bin da gerade noch am Sondieren.“