Mohammad Saidi räumt vor Gericht ein, dass er die 17 Ecstasy-Pillen bei sich hatte. Foto: Patricia Sigerist

Ein 23-Jähriger aus Kernen bekommt wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eine Gefängnisstrafe.

Waiblingen - Mohammad Saidi (Name geändert) musste am Bahnhof Fellbach nicht nur sprichwörtlich die Hosen runterlassen. Bei einer Drogenkontrolle fanden Zivilpolizisten einen Beutel mit 17 Ecstasy-Pillen, der mit einer Klemme an seiner Unterhose befestigt war. Jetzt musste sich der 23-jährige Flüchtling wegen unerlaubten gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten.

Der Fall trug sich am 14. Oktober des vergangenen Jahres zu. Gegen 23.30 Uhr wurde der Angeklagte von der Polizei auf dem Bahnsteig Richtung Stuttgart festgenommen. Mohammad Saidi räumte vor Gericht ein, dass er die 17 Ecstasy-Pillen bei sich hatte. Diese habe er kurz zuvor in der Nähe eines Fellbacher Restaurants gekauft. „Eigentlich wollte ich Kokain haben, aber das gab es nicht“, sagte der junge Mann, der wegen mutmaßlichen Diebstahls seit November in Untersuchungshaft sitzt.

Bis zu seiner Festnahme wohnte der junge Mann, der vor fast zwei Jahren aus den Maghreb-Staaten nach Deutschland gekommen war, in einer Sammelunterkunft in Kernen. Er habe die Pillen zum Eigenkonsum gekauft, obwohl Ecstasy „nicht so sein Ding sei“, ließ Mohammad Saidi über einen Dolmetscher ausrichten. Am Bahnhof sei er nur gewesen, weil er sich ein Wasser kaufen wollte.

Das glaubte der Richter Michael Kirbach aber nicht: „Bei der Einlassung haben Sie mir noch erzählt, dass Sie in einen Club nach Stuttgart wollten, um dort zu feiern.“ Der Vorsitzende des Gerichts äußerte die Vermutung, dass der Angeklagte die Ecstasy-Pillen in der Discothek gewinnbringend verkaufen wollte.

Mohammad Saidi gab zu, dass er ein Drogenproblem hat: „Ich nehme Kokain, wenn mir langweilig ist.“ Deswegen habe er auch die Diebstähle begangen, für die er sich noch in einem anderen Verfahren verantworten muss. Im Zeugenstand berichtete ein Polizeibeamter, wie er den Angeklagten am Bahnhof Fellbach kontrolliert hatte. „Die Unterhose ist ein beliebtes Versteck bei Dealern und Konsumenten“, sagte der Dorgen-Fahnder.

Die Staatsanwältin glaubte dem Angeklagten nicht. „Der Eigenkonsum ist nur eine Schutzbehauptung, er wollte die Drogen auf der Party in Stuttgart verkaufen, um sein Einkommen zu verbessern.“ Die Vertreterin der Anklage forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. „Mohammad Saidi hat keine günstige Sozialprognose.“

Richter Michael Kirbach verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten. „Für mich liegt es auf der Hand, dass Sie die Ecstasy-Pillen weiterverkaufen wollten.“ Einen gewerbsmäßiger Handel mit Betäubungsmittel könne man Mohammad Saidi jedoch nicht nachweisen.

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